Kugelbomben-Terror in Berlin

Kind mit zerfetzter Hand ins Krankenhaus eingeliefert

In der Silvesternacht kam ein Kind mit völlig zerstörter Hand in die Klinik. Ärzte vermuten eine Kugelbomben-Verletzung. Wird Böllern jetzt verboten?

Author - Stefan Doerr
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Mehrere Scheiben gingen in der Woolworth-Filiale zu Bruch.
Mehrere Scheiben gingen in der Woolworth-Filiale zu Bruch.Axel Billig/Pressefoto Wagner

War es wieder eine Kugelbombe? Im Unfallkrankenhaus Marzahn wurde in der Silvesternacht ein Kind mit zerfetzter Hand eingeliefert. Die Ärzte vermuten eine Kugelbomben-Verletzung. Auch in Spandau explodierte eine Kugelbombe mit verheerenden Folgen. 

Hand des Kindes ist vollständig zerstört

Eine Hand des Kindes sei vollständig zerstört, zudem müssten weitere tiefe Verletzungen am Körper versorgt werden, berichtete das Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) auf der Plattform X über die schweren Verletzungen des eingelieferten Kindes. „Weitere 5 Bölleropfer wurden zu uns ins UKB gebracht“, so die Klinik weiter. Zunächst hatte der RBB über die Vorfälle in der Silvesternacht berichtet.

Der Fall weckt Erinnerungen an das vergangene Jahr: Damals war ein siebenjähriger Junge in Berlin durch eine Kugelbombe lebensgefährlich verletzt worden. Notoperationen folgten, zahlreiche weitere Eingriffe schlossen sich an. Bis heute ist das Kind schwer gezeichnet und kämpft sich zurück ins Leben.

Explosion einer Kugelbombe in Spandau

Auch in Berlin-Spandau kam es in der Silvesternacht zu einer Kugelbomben-Explosion mit erheblichen Schäden. Unbekannte hatten an der Fassade einer Woolworth-Filiale ein Feuerwerksdepot abgelegt, darunter eine verbotene Kugelbombe. Als eine Raketenbatterie umkippte, schossen die Geschosse nicht in die Höhe, sondern kreuz und quer über den Boden. Das Depot geriet durch die Irrläufer in Brand, die Kugelbombe explodierte mit einem ohrenbetäubenden Knall. Mehrere Eingangsscheiben des Geschäfts wurden zerstört.

Der zerstörte Eingang der Woolworth-Filiale in Spandau, wo die Kugelbombe explodierte.
Der zerstörte Eingang der Woolworth-Filiale in Spandau, wo die Kugelbombe explodierte.Axel Billig/Pressefoto Wagner

Kommt ein Böllerverbot in Berlin?

Die Ereignisse dürften der Berliner Debatte über ein mögliches Verbot von privatem Feuerwerk neuen Auftrieb geben. Der Landesverband Berlin der Gewerkschaft der Polizei zählt seit Längerem zu den Befürwortern eines generellen Böllerverbots. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner lehnt aber ein solches Verbot bislang ab, die SPD dagegen befürwortet ein Verbot privater Böllerei.

Innensenatorin Iris Spranger (SPD) etwa drängt auf strengere Regeln. Berlin solle privates Feuerwerk großflächiger untersagen können. Als Instrument nennt sie eine „Länderöffnungsklausel im Sprengstoffrecht“ des Bundes. Diese würde es einzelnen Bundesländern erlauben, selbst festzulegen, „wo wir Feuerwerksverbote erlassen und Pyroerlaubniszonen genehmigen“.

Angriffe auf Polizisten mit Pyrotechnik

Und dabei geht es nicht nur um die vielen Verletzungen. Wie bereits in den vergangenen Jahren kam es auch in der jüngsten Silvesternacht zu schweren Ausschreitungen, bei denen Pyrotechnik eingesetzt wurde. Polizisten seien mit Feuerwerkskörpern beschossen und körperlich angegriffen worden, meldete die Berliner Polizei. Insgesamt wurden 35 Einsatzkräfte verletzt, zwei von ihnen so schwer, dass sie stationär im Krankenhaus behandelt werden mussten. Rund 3200 Polizisten waren in der Nacht im Einsatz.

Nach Angaben der Polizei wurden etwa 800 Ermittlungsverfahren eingeleitet – unter anderem wegen tätlichen Angriffs und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Hinzu kommen mögliche Verstöße gegen das Waffengesetz, Brandstiftung und Landfriedensbruch.

Wie ist Ihre Meinung zu einem Böllerverbot? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com