Seit fast zehn Jahren gibt es Pläne im Karlshorster Ilsekiez, in den Innenhöfen neue Häuser zu bauen. Nachverdichtung nennt sich das Vorhaben, das berlinweit praktiziert wird. Von den Anwohnern gefürchtet und mit Protesten überzogen, argumentieren andere, es fehle in der Stadt an Wohnraum. Doch muss dieser wirklich in den grünen Lungen der Kieze entstehen?
Nachverdichtung vor allem im Osten
Pläne zur Nachverdichtung im Ilsekiez gibt es seit 2017 – und auch der Protest dagegen ist schon so alt. Die landeseigene Howoge will auf den Innenhöfen zwischen Ilsestraße und Marksburgstraße elf mehrgeschossige Wohnhäuser bauen. Etwa 240 Mietwohnungen sollen entstehen. Doch dafür müssten an die 100 Bäume gefällt werden, fürchten Anwohner.

Der Ilsekiez, eine aufgelockerte Siedlung aus zehn vier- und fünfgeschossigen Blocks zwischen Ilse-, Liszt- und Marksburgstraße in Karlshorst, ist eine kuschelige Wohngegend. Die Bürgerinitiative „Rettet den Ilsekiez“ will, dass das auch so bleibt und die grünen Höfe geschützt werden.
Maßnahmen zum Schutz der Höfe
Auch der Bezirk setzt sich für den Erhalt ein: In der BVV wurde jetzt ein Antrag des BSW, der das Bezirksamt zu einem Maßnahmenplan zum Schutz der Innenhöfe auffordert, ohne Gegenstimmen beschlossen. Die SPD-Fraktion enthielt sich. Die SPD stellt im Senat den Bausenator, der den Wohnungsbau in den Berliner Höfen vorantreibt.
„Der Beschluss war ein klares politisches Signal und ein Auftrag an das Bezirksamt – und das ohne Gegenstimmen““, sagt Dietmar Stengel, Sprecher der Bürgerinitiative „Rettet den Ilsekiez“ gegenüber dem Tagesspiegel. „Jetzt muss das Bezirksamt alles dafür tun, dass die Höfe gesichert werden und das B-Plan-Verfahren wieder aktiviert wird“, sagt er.
Zuletzt hatte der Naturschutzverein BUND erfolgreich ein Naturschutzverfahren gegen die Howoge gewonnen. Das Gericht bekräftigte mit seiner Entscheidung, dass Schutzmaßnahmen für lokale Tierarten – insbesondere den Haussperling und die Zwergfledermaus – umgesetzt werden müssen, bevor gebaut wird. Die im Herbst von der Howoge gepflanzten Hecken sind noch zu jung, um den Vögeln als echter Ersatzlebensraum zu dienen.
Die Befürchtungen der Anwohner, dass die Howoge mit Beginn der nächsten Fällsaison im Herbst Fakten schaffen und Bäume fällen will sind aber auch mit der Entscheidung der Bezirkspolitik nicht vom Tisch. Es stehen Wahlen ins Haus und es ist sehr wahrscheinlich, dass erst eine neue Bezirksregierung Maßnahmen zum Schutz planen kann.
Bezirksstadträtin Camilla Schuler (Linke) bekräftigte, dass es das Ziel des Bezirksamts sei, die grünen Innenhöfe zu schützen und das Bebauungsplanverfahren neu zu starten. Mit der Howoge sei man in Gesprächen „zu einer behutsamen Nachverdichtung.“
„Unser Ziel ist es nun, dass die Howoge erklärt, dass bis dahin erst einmal nichts gefällt wird“, sagt der Sprecher der Bürgerinitative Dietmar Stengel.


