Neukölln

Jugendzentrum in der Wutzkyallee bleibt bis Sommer geschlossen

Nach den Übergriffen in Neukölln ist das Jugendzentrum dicht. Das Jugendamt rechtfertigt das Vorgehen. Doch das Zentrum macht bis zum Sommer nicht mehr auf.

Author - Sebastian Karkos
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Das Jugendzentrum in der Wutzkyallee bleibt erst einmal geschlossen.
Das Jugendzentrum in der Wutzkyallee bleibt erst einmal geschlossen.Carola Tunk/Berliner Zeitung

Der Fall zieht weiter seine Kreise. Ein Mädchen soll in einem Jugendzentrum in Neukölln von Teenagern vergewaltigt worden sein. Inzwischen ermitteln Landeskriminalamt und Staatsanwaltschaft Berlin zu dem Vorfall. Weder die Einrichtung noch das Jugendamt von Neukölln erstatteten zunächst Anzeige. Dies sorgte für massive Kritik.

Seit dem 13. März ist der Klub dicht - und bleibt es auch vorerst. Mindestens bis zum Sommer soll das Jugendzentrum an der Wutzkyallee geschlossen bleiben, teilte Stadträtin Sarah Nagel (40, Linke) am Mittwoch mit. Zunächst soll eine externe Kommission die Abläufe unter die Lupe nehmen. Zudem soll eine personelle Umsetzung im Jugendamt folgen.

Jugendsenatorin Katharina Günther‑Wünsch (42, CDU) forderte zuvor bereits personelle Konsequenzen. Ihre Forderung: Die Leiterin des Neuköllner Jugendamts und beteiligte Mitarbeiter sollen bis zur vollständigen Aufklärung freigestellt werden. Im Bildungsausschuss sprach sie von „deutlichen Verstößen gegen die Rechtsgrundlagen des Kinderschutzes“.

Stadträtin soll erst am 2. März von der Tat erfahren haben

Das 16-jährige Opfer soll Ende 2025 von Jugendlichen vergewaltigt und später bedrängt worden sein. Erst durch die Anzeige des Vaters erfuhr die Polizei davon. Die erfolgte am 23. Februar. Nach eigenen Angaben wurde das Jugendamt am 28. Januar über die Vorfälle informiert. Stadträtin Nagel soll erst am 2. März davon erfahren haben. Nagel sagte, dass das Jugendamt zunächst entschieden hatte, nur dann eine Strafanzeige zu stellen, wenn das Einverständnis des Opfers vorliegt.

Kritiker werfen ihr vor, den Vorfall sei von Betreuern nicht gemeldet worden, um die muslimischen Täter nicht zu stigmatisieren. Nagel rechtfertigte sich darauf hin: „Ich möchte klarstellen: Es gab keinerlei Versuch, die Vorwürfe zu vertuschen. Die Mitarbeitenden der Einrichtung sowie die zuständigen Mitarbeitenden im Jugendamt haben mehrfach über die Vorfälle und den richtigen Umgang damit gesprochen. Dabei wurden auch die Kinderschutzkoordination des Bezirksamtes sowie Beratungsstellen zum Umgang mit sexueller Gewalt einbezogen.“

Der Fall wird Neukölln und Berlin wohl noch eine ganze Weile beschäftigen.

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