Die Wartezimmer der Kinderärzte in Berlin füllen sich. „Es wird mittlerweile schwieriger, einzelne Betten in Krankenhäusern zu bekommen“, sagt Kinderarzt Jakob Maske in der aktuellen Grippewelle zur Berliner Zeitung.
Die Influenza hat Berlin im Griff
Vor kurzem hatte der Kinderarzt einen außergewöhnlichen Fall in seiner Praxis in Schöneberg. Ein Kind litt über zwölf Tage an über 40 Grad hohem Fieber. Das zehrt. „Solche schweren Fälle treten jetzt häufiger auf“, sagt Maske zur BLZ. Da sie mehr Zeit beanspruchten, füllten sich auch die Wartezimmer.
Die Influenza grassiert in Berlin, und die Grippeviren sind nicht die einzigen, die unterwegs sind, um uns zu piesacken.

Auch das Atemwegsvirus RSV hat Hochkonjunktur. Die Zahl der Erkrankten steigt Mitte Januar steil nach oben. Betroffen sind dabei alle Altersgruppen, wie das Robert Koch-Institut mitteilt.
Es registriert bei Menschen jenseits des 80. Lebensjahrs viele Grippepatienten in Krankenhäusern, auch wenn nicht alle wegen eines Infekts, sondern auch wegen anderer Erkrankungen dort aufgenommen wurden.
Auch bei Kindern nehmen die Grippefälle stark zu. In Berlin werden vor allem unter Zweijährige wegen Erkrankungen der Atemwege medizinisch versorgt. Innerhalb der zurückliegenden Woche kamen 916 Fälle hinzu, was gegenüber der Vorwoche einem Anstieg von fast einem Drittel entspricht.
Steiler Anstieg der Grippefälle
„Ein Anstieg zu dieser Jahreszeit ist normal, aber er verläuft momentan steiler als in den vergangenen fünf Jahren“, sagt Jakob Maske. Die Lage sei beherrschbar, noch, die Tendenz schwer abzuschätzen.
Immerhin: Die verfügbare RSV-Impfung zeige Wirkung, sie mildert Erkrankungen und entlastet Praxen und Kliniken.
Was Maske allerdings Sorgen bereitet, sind solche heftigen Fälle von Influenza, wie der in seiner Praxis. Lang anhaltendes, hohes Fieber setzt den kleinen Patienten heftig zu.
Getrieben ist die Grippewelle von einer genetisch veränderten Variante, der sogenannten Subklade K. Aufgrund von Mutationen erkennt das Immunsystem den Erreger schlechter, Impfungen wirken weniger gut.
Wann mit Fieber zum Arzt?
Doch wann benötigen Kinder ärztliche Hilfe? „Bei Fieber ist unsere Schmerzgrenze vier Tage, danach sollte man das Kind in einer Praxis vorstellen“, sagt Jakob Maske. „Und natürlich sollte man früher kommen, wenn es dem Kind schlecht geht, wenn es nicht isst, nicht trinkt.“ Der Berliner rät dazu, früh am Tag einen Kinderarzt aufzusuchen, „nicht erst später, damit Zeit für Diagnostik bleibt“.
Die Grippe erkennt man daran, dass sie plötzlich zuschlägt und sich sofort ein starkes Krankheitsgefühl bemerkbar macht. Bei Kindern geht sie oft auch mit Erbrechen, Fieber, Gliederschmerzen, Halsschmerzen und hohem Fieber einher.
Immunsystem stärken
Als wichtigste Maßnahme, einer gravierenden RSV-Erkrankung vorzubeugen, nennt Jakob Maske die Schutzimpfung. Das entspricht der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko). „Man kann Kinder auch gegen Influenza impfen lassen, dafür gibt es aber noch keine Empfehlung der Stiko“, so der Kinderarzt. Außerdem gehörten Bewegung an frischer Luft und gesunde Ernährung zu einer guten Prävention. „Ein immunstarkes Kind hat gute Chancen, weniger schwer zu erkranken.“




