Spiegelglatte Gehwege durch überfrierenden Regen. Wer am Morgen auf dem Weg zur Schule und zur Arbeit nicht höllisch aufpasste, dem konnte es passieren, dass er schneller lag, als ihm lieb war. Besonders auf Flächen, die zuvor gut geräumt waren, bildete der Regen einen glatten Film aus Eis auf dem gefrorenen Boden.
Ganz Berlin auf Rutschpartie. Die amtliche Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) galt zwar nur bis acht Uhr. Dennoch war noch bis zum Mittag mit Glätte zu rechnen. Denn Eis und Schnee schmelzen laut Wetterdienst nur zögerlich ab, da die Böden weiter gefroren sind.
Mehr Unfälle und Andrang in Rettungsstellen
Am Dienstagmorgen kam es bereits zu einer „erhöhten Anzahl an Verkehrsunfällen“, so ein Polizeisprecher. Zwischen Montag, 22 Uhr, und Dienstag, 8 Uhr, habe die Polizei 62 Unfälle registriert. In der Vorwoche waren es im gleichen Zeitraum 33 Verkehrsunfälle.
Auch in den Rettungsstellen kamen an diesem Dienstagmorgen mehr Verunfallte an. „Die Zentralen Notaufnahmen der Vivantes-Klinika sind – wie saisonal üblich bei den gegebenen Witterungsbedingungen – schon seit einigen Tagen gut ausgelastet und verzeichnen auch heute aufgrund des Glatteises ein erhöhtes Patientenaufkommen“, so eine Sprecherin auf KURIER-Anfrage.
Glatteis sorgt für Knochenbrüche
Bei den Verletzungen handelt es sich größtenteils um Knochenbrüche. Sprunggelenk-, Schenkelhals-, Oberarm- oder Unterarm-Frakturen sind besonders häufig, wenn man bei Glätte stürzt.
„Unsere Standorte sind vorbereitet und können auch eine erhöhte Zahl von Verletzungen behandeln. Patienten mit nicht akuten bzw. leichten Beschwerden müssen in einem solchen Fall allerdings mit längeren Wartezeiten rechnen“, so die Vivantes-Sprecherin weiter.
Die Wartezeiten in den Zentralen Notaufnahmen von Vivantes können hier online eingesehen werden. Von einer halben Stunde bis zu über einer Stunde ist alles dabei.
Während in den Vivantes-Kliniken mehr Patienten ankamen, die wegen der Glätte Verletzungen erlitten hatten, meldete das Krankenhaus Buch normalen Betrieb.
Am Morgen sei es ruhig gewesen. „Bislang mussten aufgrund von Kälte und Glätte erfreulicherweise nur vereinzelt Patientinnen und Patienten im Helios-Klinikum Berlin-Buch sowie im Zehlendorfer Helios-Klinikum Emil von Behring behandelt werden“, so eine Sprecherin zum KURIER.
Hohe Auslastung in der Charité
„Die Notaufnahmen der Charité sind seit gestern Abend durchgängig stark ausgelastet. Insbesondere am Vormittag sind viele Menschen nach Stürzen behandelt worden, die auf dem Weg zur Arbeit waren. Auch am Mittag verzeichnen wir noch ein anhaltend hohes Patientenaufkommen, allerdings ist die Situation nicht vergleichbar mit der Zahl der Glätteverletzten direkt nach den Weihnachtstagen“, so Charité-Sprecher Markus Heggen zum KURIER.
Während es im UKB in Marzahn am Morgen noch verhältnismäßig entspannt war, habe es in der Nacht ein deutlich erhöhtes Patientenaufkommen nach Glätteunfällen gegeben, so Sprecherin Angela Kijewski.
Glätteopfer in der Nacht
„Die Faktoren addieren sich“, so die Sprecherin am Unfallkrankenhaus Marzahn. Schon vor den Feiertagen sei es zu Glätteunfällen gekommen, danach kamen die Bölleropfer und dann wieder Glatteis-Verunfallte.
„Wir sind sehr voll“, sagt Angela Kijewski. Teilweise sind die Verletzungen so schwer, dass mehrfach operiert werden muss.
„Stellen Sie sich auf die Wintersituation ein“, appelliert Kijewski. Ein Muster sei deutlich zu erkennen. Am ersten Tag einer herausfordernden Wetterlage gibt es viele überraschte Patienten, dann ebbt das Aufkommen ab – bis zur nächsten Extremwetterlage.

Wahnsinn: Auf dem Eis mit dem Fahrrad
„Ich verstehe nicht, wieso man bei diesen Straßenverhältnissen mit dem Fahrrad fahren muss“, so die UKB-Sprecherin. „Und: Kaufen Sie sich Spikes, die helfen wirklich. Sie selbst habe drei Paar Überzieh-Spikes. Im Auto, zu Hause und auf der Arbeit.“
Fragen Sie außerdem ältere Leute, ob Sie ihnen etwas mitbringen sollen, so vermeiden Sie, dass die Achtzigjährige wegen einer Packung Milch stürzt und wochenlang damit zu tun hat.
Wer ist bei Kälte besonders gefährdet?
Besonders gefährdet bei Kälte und Glatteis sind ältere Menschen, chronisch Erkrankte sowie Menschen ohne Obdach, führt die Sprecherin des Helios-Konzerns aus. Hier ist Aufmerksamkeit aus dem Umfeld wichtig, um frühzeitig Hilfe zu ermöglichen. Typische witterungsbedingte Verletzungen sind Frakturen, darunter hüftnahe Brüche, Verletzungen an Sprung- und Handgelenken sowie Schädelprellungen.






