Zu viel falscher Alarm

Notruf missbraucht: Feuerwehr kämpft gegen „Taxi-Einsätze“

Die Berliner Feuerwehr im Dauereinsatz. Dabei sind viele Notrufe unnötig. Die Gewerkschaft warnt vor Überlastung.

Author - Sebastian Karkos
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Die Feuerwehr in Berlin wurde 2025 zu mehr als 550.000 Einsätzen gerufen.
Die Feuerwehr in Berlin wurde 2025 zu mehr als 550.000 Einsätzen gerufen.Jens Büttner/DPA

Alle 56 Sekunden rückt die Berliner Feuerwehr aus. Doch längst nicht jeder Einsatz ist ein echter Notfall. Immer öfter werden Rettungskräfte gerufen, obwohl Hilfe medizinisch gar nicht nötig wäre.

Feuerwehr: Über eine halbe Million Einsätze

2025 verzeichnete die Feuerwehr exakt 558.293 Einsätze – 26.136 mehr als im Jahr zuvor. Das ist ein Plus von knapp fünf Prozent, wie aus dem aktuellen Jahresbericht hervorgeht. Insgesamt gingen 1.132.637 Notrufe bei der Feuerwehr ein.

Die meisten Alarmierungen betrafen gesundheitliche Probleme oder medizinische Notfälle. Brände machten mit rund 21.000 Einsätzen nur einen vergleichsweise kleinen Anteil aus. Hinzu kamen mehr als 20.000 technische Hilfeleistungen.

Doch seit Jahren wächst das Problem der sogenannten Nonsens-Einsätze. „Wir müssen immer noch zahlreiche Einsätze fahren, weil Menschen die Berliner Feuerwehr als günstige Taxi-Alternative sehen“, so GdP-Vorstandsmitglied Mario Busch, selbst Hauptbrandmeister. 
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) vertritt nach eigenen Angaben eine  vierstellige Anzahl an Feuerwehrleuten.

Alltag in der Hauptstadt, die Berliner Feuerwehr im Einsatz. Eine Kehrmaschine der BSR muss aufgerichtet werden.
Alltag in der Hauptstadt, die Berliner Feuerwehr im Einsatz. Eine Kehrmaschine der BSR muss aufgerichtet werden.Berliner Feuerwehr

Die Folgen sind gravierend: Kräfte werden gebunden, die an anderer Stelle dringend gebraucht werden. „Wir brauchen eine Entlastung im Rettungsdienst, weil wir uns weiterhin beim Brandschutz nackig machen“, warnt Busch. Er fordert unter anderem eine gemeinsame Krankentransportleitstelle sowie ein Logistikzentrum mit neuer Atemschutzwerkstatt.

Einsatzzahlen bringen Feuerwehr an ihre Grenzen

Die steigenden Einsatzzahlen bringen die Feuerwehr zunehmend an ihre Grenzen. „Jeder kann sehen, was wir Tag für Tag für ein extremes Programm abspulen. Jeder sieht: Auf unsere Hauptstadtfeuerwehr ist Verlass“, sagt Busch. Gleichzeitig mahnt er: „Wenn in den nächsten Jahren nicht konsequent bei Personal, Finanzierung und Versorgungsstrukturen nachgesteuert wird, werden wir weiterhin vieles über die eigentlichen Grenzen hinaus leisten müssen.“

Besonders besorgniserregend ist auch die wachsende Gewalt gegen Einsatzkräfte. 2025 wurden 142 Feuerwehrleute im Dienst angegriffen – ein Anstieg um 17,3 Prozent. In 98 Fällen kam es zu tätlichen Angriffen. Für Busch ein unhaltbarer Zustand: „Wir sind Menschen, die sich tagtäglich für andere einsetzen – das sollte Botschaft genug sein.“

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