Die Kabel brennen, die Funken sprühen in alle Richtungen. Die linksradikale Vulkangruppe hat am frühen Samstagmorgen einen Anschlag auf eine Kabelbrücke über dem Teltowkanal verübt und dabei zentrale Leitungen für die Stromversorgung zerstört. Seitdem herrscht in Teilen Berlins Blackout.
Betroffen davon sind die Bezirke Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde. Laut Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) soll der Schaden an den fünf Hochspannungskabeln bis Donnerstag behoben sein. Voraussetzung: Plusgrade.
Ob die Arbeiten bis dahin umgesetzt werden können, ist fraglich. Elektroingenieur Jan Thiemig jedenfalls ist skeptisch ob der Ankündigung von Giffey. „Bei den Arbeiten gibt es mehrere Faktoren, die eine Rolle spielen“, sagte der 53-Jährige im Gespräch mit dem Berliner KURIER.
Das sei einerseits die Außentemperatur, andererseits die Verfügbarkeit der Kabel. Das Kabel könne man zwar in einem separaten Raum auf rund 30 Grad Celsius vorwärmen und dann verlegen. „Aber da sind Grenzen gegeben“, sagte der Experte.
Kabel sind Spezialanfertigungen
Die Kabel seien zudem Spezialanfertigungen, „die man eigentlich nicht auf Halde liegen hat“ – weder der Hersteller, noch der Energieversorger. Grund: Die Kabel müssen besonders geschützt verlegt werden. In der Regel werden diese in einem eigenen Kabelgefäß verlegt, sodass sie bei Bauarbeiten nicht beschädigt werden können.
Kabel brauchen eine Verlegetemperatur von 5 Grad
Mit Blick auf die zu erwartenden frostigen Temperaturen in der kommenden Woche könne man nur in kleinen Schritten vorwärtskommen. Eine Möglichkeit wäre, ein Zelt um die betroffene Stelle aufzubauen und mit Gasheizungen den Raum aufzuwärmen. Laut dem Experten brauche es dabei eine Verlegetemperatur von 5 Grad Celsius. „Das sollte man eigentlich mit einer Temperierung und einem Zelt hinkriegen“, sagte Thiemig.
Hauptproblem sei aus seiner Sicht, die Kabel zu besorgen. Inwieweit sich die Stadt Berlin schon darum gekümmert hat, war bis Sonntagabend offen. Auch gebe es bei den Kabeln keine einheitlichen Standards. Zu den möglichen Reparaturkosten konnte der Elektroingenieur keine Angaben machen. Aber allein die Arbeiten mit einem Zelt und das Aufwärmen der Kabel könnten mit bis zu 50.000 Euro zu Buche schlagen.
Bei dem Anschlag wurden fünf Hochspannungs- und zehn Mittelspannungskabel stark beschädigt. Stromnetzbetreiber Berlin geht davon aus, dass alle Kabel ersetzt werden müssen. Das könne mehrere Wochen oder sogar Monate dauern, sagte ein Stromnetz-Sprecher. Die aktuellen Reparaturarbeiten sind Teil einer provisorischen Lösung, damit die betroffenen Haushalte so schnell es geht, wieder Strom haben.




