In Berlin passieren ja ständig verrückte Sachen – aber was die junge Mama Judith aus Köpenick da erlebt hat, toppt selbst die üblichen Hauptstadt‑Kuriositäten. Denn statt Stillen und Spielplatz stand bei Judith plötzlich Enten‑Geburtshilfe auf dem Programm. Und das mitten auf dem Balkon im siebenten Stock.
Plötzlich war da ein Köpfchen
Alles begann am Morgen des 6. Mai. Die Entenmama, die seit Tagen auf dem Balkon bei Judith brütete, wirkte irgendwie anders. Aufgeplustert, unruhig, als hätte sie einen wichtigen Termin.

Die junge Mutter ging nachsehen – und da lagen sie: geknackte Eierschalen am Rand des Nestes. Und aus dem Gefieder der Entenmama lugte ein winziges, gelbes Köpfchen hervor.
„Die Küken mussten sich den ganzen Tag bei der Mama stärken und wärmen“, erzählt Judith. Erst am Abend trauten sich die ersten Mini‑Enten hervor – wackelig, piepsend, zuckersüß.

Dann wurde es ernst. Die Wildtierrettung und eine Facebook‑Gruppe voller Entenprofis hatten Judith im Vorfeld bereits erklärt, wie man eine Entenmama sicher einfängt und zum Wasser bringt. Sie fühlte sich gut informiert und sicher.
Operation Entenrettung – mit Rucksack und Nerven
Also schnappte sich die junge Mutter ihren Rucksack – und mit einer ordentlichen Portion Mut ging sie zu Werk. Einmal beherzt zugegriffen, und zack: Mama Ente war gesichert.
Doch dann ging’s rund. Die Küken schossen auf dem Balkon in alle Richtungen davon, als hätten sie kleine Raketen im Hintern. Eins rannte sogar direkt an ihrem 3‑jährigen Sohn vorbei, der staunend an der Balkontür stand. Zum Glück war der Balkon abgesichert – ein Enten‑Ausbruch war ausgeschlossen.

Am Ende waren auch die zehn Küken eingefangen und alle wohlauf. Ab ins Auto mit ihnen. Die Kiste wurde mit Handtüchern und Nestmaterial ausgepolstert und schon ging es vorsichtig los in Richtung des nahe gelegenen Müggelsees.

Entenmama mit klaren Ansagen
„Am See öffneten wir die Kiste langsam. Die Entenmama watschelte raus, schaute sich um – und fing sofort an zu meckern“, erzählt Judith. Zwei Küken kamen sofort nach der mütterlichen Ansage, doch die anderen acht blieben einfach sitzen.
Da platzte der Mama der Kragen: Sie stürmte zurück zur die Kiste und klopfte mit dem Schnabel dagegen, als würde sie sagen: „Los jetzt, Kinder! Raus hier!“
Und tatsächlich – alle zehn watschelten brav hinterher. „Das war so goldig“, schwärmt Judith.
Entenküken in Gefahr
Nun sind sie in der Berliner Stadtnatur auf sich allein gestellt. Enten haben dabei sowohl natürliche Feinde als auch Gefahren, die es nur in der Stadt gibt: Vor Füchsen und Waschbären müssen sich die zehn Balkon-Küken nun hüten. Auch Habichte und Bussarde sind natürliche Feinde aus der Luft. Selbst im Wasser droht Unheil: Dort können große Hechte Entenküken in die Tiefe ziehen.
In Berlin fallen Küken nicht selten in Gullys oder verletzen sich bei dem Versuch, eigenmächtig von Dächern oder Balkonen zu Gewässern zu gelangen. Der NABU Berlin bietet extra ein „Ententaxi“ an, um Küken sicher zu Gewässern zu bringen.



