Eine drastische Maßnahme an der polnischen Ostseeküste erstaunt in diesem Jahr die Urlauber. Im Seebad von Kolberg wird während der Saison ein Eintritt für die neu gebaute Seebrücke fällig. Kann es sein, dass auch in deutschen Touristenorten von Ahlbeck bis Scharbeutz demnächst ein Eintritt an Seebrücken fällig wird? Wir haben an der Ostsee nachgefragt.
Beliebte Seebrücke in Polen
Die Seebrücke in Kolberg ist mit mehr als 500.000 Besuchern jährlich eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten an der polnischen Ostseeküste – der Besuch kostet seit der Sanierung Eintritt. Immer vom letzten Freitag im April bis zum 30. September zwischen 10 und 22 Uhr müssen Gäste neun Złoty Eintritt, umgerechnet rund 2,12 Euro bezahlen, wenn sie die Brücke betreten wollen.
Instandhaltung und Sanierungskosten sollen so wieder eingespielt werden. Schon im vergangenen Jahr kamen mehr als zwei Millionen Złoty in die Kolberger Stadtkasse.
Wollen Urlauber-Orte an der Ostsee Brückengeld?
Wie aber handhaben es deutsche Ostseeorte? Kommen sie beim Blick hinüber zum polnischen Nachbarn etwa auf Ideen?
In Schleswig Holstein gibt man in Sachen Brücken-Geld Entwarnung: „In vielen Orten ist dort von Gästen eine Kurabgabe zu entrichten“, schreibt eine Sprecherin auf KURIER-Anfrage. „Diese wird auf der Grundlage des Kommunalabgabengesetzes und der lokalen Satzungen von den Gästen erhoben. Eine Eintrittsgebühr für schleswig-holsteinischen Seebrücken gibt es nicht.“

Eine Ursache dafür, dass an der deutschen Ostsee der Sonnenuntergang noch kostenlos vom Steg übers Wasser betrachtet werden kann, ist der Fakt, dass die neueren Seebrücken in Schleswig-Holstein meistens durch Fördermittel des Landes Schleswig-Holstein und der Europäischen Union gefördert wurden.
„Damit gehören sie zum allgemein nutzbaren öffentlichen Raum. Diese Bereiche sind kostenlos von allen Bürgern und Gästen nutzbar“, so die Sprecherin der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein GmbH, Manuela Schütze.
Kaiserbäder auf Usedom mit tollen Seebrücken
Und auch auf Usedom mit seinen Kaiserbädern und vielen Seebrücken in Ahlbeck, Heringsdorf, Bansin, Zinnowitz und Koserow ist eine Abgabe nicht geplant.
„Die Nutzung der fünf Seebrücken auf Usedom ist kostenfrei. Es gibt auch keine Pläne, für den Zutritt in Zukunft Eintritt zu verlangen. Der Unterhalt der Seebrücken wird über die Kurabgabe finanziert“, schreibt eine Sprecherin. „Die Einnahmen durch die UsedomCard wird in den Seebädern für die Bereitstellung, Erhaltung und Weiterentwicklung touristischer Angebote verwendet. Dazu gehören auch die Seebrücken.“

Die Seebrücken auf Usedom sind mehr als nur Bauwerke. Sie sind Zeugen der reichen Geschichte und Entwicklung der Insel. Ursprünglich im 19. Jahrhundert erbaut, um den adligen Kurgästen einen angemessenen Zugang zum Meer zu bieten, haben sie sich zu modernen Freizeitzentren entwickelt, die Jahr für Jahr Tausende von Besuchern anlocken.


