„Weil wir dich lieben“ – so lautet der Werbespruch der Berliner Verkehrsbetriebe. Nicht nur die Fahrgäste der BVG sind damit gemeint. Die Verkehrsbetriebe scheinen auch die Mohrenstraße in Berlin-Mitte sehr zu lieben, die es seit Ende August offiziell in der Hauptstadt nicht mehr gibt. Seit dem jüngsten Fahrplanwechsel sollte sie auch komplett bei den Öffis verschwunden sein. Denkste! Die Mohrenstraße rollt weiter bei der BVG.
Der Name ist laut Bürgerinitiative nicht passend
Rassistisch sei der Name und nicht mehr passend. Nach zwei Jahrzehnten währenden juristischen Streitereien hatten sich eine kleine Bürgerinitiative und das Bezirksamt Mitte in diesem Sommer durchgesetzt, die mehr als 300 Jahre alte Mohrenstraße heißt jetzt Anton-Wilhelm-Amo-Straße. Kurz nach der Umbenennung zog auch die BVG nach. Der U-Bahnhof Mohrenstraße auf der Linie U2 heißt nun ebenfalls Anton-Wilhelm-Amo-Straße. Tafeln wurden ausgetauscht, der neue Name tauchte auch gleich auf den BVG-Internetseiten auf.
Aber: Auf vielen Anzeigen der digitalen Fahrgastinformationssysteme in den U-Bahnen war weiter die Mohrenstraße zu sehen. Ebenso auf den Streckenplänen, die an den Wänden der U-Bahnen, Busse und Straßenbahnen kleben oder in den Schautafeln der U-Bahnhöfe sowie an Bus- und Straßenbahnhaltestellen hängen.
Die BVG bat damals um Geduld, die BVG-Sprecherin Franziska Ellrich versprach zügige Änderung. „Sukzessive benennen wir überall die Mohrenstraße in Anton-Wilhelm-Amo-Straße um, digital ist das bereits zum Großteil passiert und wird innerhalb der nächsten Wochen fortgesetzt“, sagte sie vor drei Monaten dem KURIER. „Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2025 wird die Umbenennung auf allen Materialien der Fahrgastinformation dann umgesetzt sein.“
Mohrenstraße wollte BVG spätestens mit dem Fahrplanwechsel verbannen
Der Fahrplanwechsel war am 14. Dezember. Einen Tag später schaute der KURIER-Reporter in den Untergrund der U-Bahn-Linie 2. Und? Dort gibt es die Mohrenstraße immer noch!
Zugegeben: Auf den Streckentafeln am U2-Bahnhof Alexanderplatz steht schon der neue Stationsname. Dagegen ist auf dem früheren Mohrenstraßen-Bahnhof Anton-Wilhelm-Amo-Straße keine erneuerte Streckentafel zu sehen. Dafür hat man dort an den Stationsschildern mit dem neuen Namen den darunter stehenden Zusatz Mohrenstraße pünktlich zum Fahrplanwechsel gekillt.

Auch bei der S-Bahn ist nicht Schluss
Auch auf den Streckenplänen in den U-Bahnen und Straßenbahnen existiert noch die Straße, die es seit drei Monaten nicht mehr geben darf. Zum Trost für die BVG sei gesagt: Auch bei der S-Bahn taucht noch die Mohrenstraße auf. Nicht nur auf den großen VBB-Streckenplänen in den Zügen – auch auf den Streckenplänen auf einigen S-Bahnhöfen wie auf dem Alexanderplatz. „Zu 80 Prozent wurden diese Pläne schon gegen neue ausgetauscht“, sagt der S-Bahn-Sprecher Marian Günther dem KURIER. Der Rest folgt noch in dieser Woche. Der Grund für die neuen Pläne war nicht nur die Umbenennung der Mohrenstraße.
Spinnen geändert, Name nicht
Denn mit dem Fahrplanwechsel änderte sich auch das S-Bahn-Streckennetz. So entfällt die S45, die S85 fährt auf einer neuen Strecke zum BER. Wegen dieser Änderungen wurden die „Spinnen“ geändert, die eigentlich auch in den BVG-Fahrzeugen, an den Haltestellen und Bahnhöfen irgendwann zu sehen sein müssten.

Wann wird die Anzeige verschwinden?
Dafür wurde wohl die Mohrenstraße aus den digitalen Stationsanzeigen in den U-Bahnen verbannt. Dachte sich der Reporter und sah auch in mehreren Zügen, wie da die Anton-Wilhelm-Amo-Straße aufleuchtete. Bis er dann am Montagmittag die Rückfahrt mit einer U-Bahn in Richtung Redaktion antrat. Da war sie wieder, die Mohrenstraße. Auf den digitalen Anzeigen leuchtete sie für alle Fahrgäste im Abteil sichtbar auf dem Display auf, als sollte diese Straße nie aus dem Berliner Stadtbild verschwinden.





