Berlin kann vieles nicht, aber eines besonders gut – nicht rechtzeitig fertig werden. Neuestes Beispiel: die elektronische Akte bei Berlins Gerichten. Der gesetzliche Stichtag für die flächendeckende Einführung in der Justiz ist der 1. Januar 2026, bis zum Jahresende sollten alle Berliner Gerichte den Umstieg auf die elektronische Akte geschafft haben. Die Betonung liegt auf „sollte“. Berlins Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) musste jetzt eingestehen, dass das nicht zu schaffen sei.
Aktenberge, endlose Papierstapel, schleppende Laufwege – so sieht der Alltag in vielen Berliner Gerichten noch immer aus. Dabei sollte längst Schluss sein mit dem Zettelchaos. Die elektronische Akte, kurz E-Akte, sollte alles einfacher machen. Doch wenige Wochen vor dem ursprünglichen Fristende zeigt sich: Berlin hängt hinterher. Vor allem die Strafgerichte kämpfen mit der Umstellung. Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) spricht von einer „besonderen Herausforderung“. Jetzt wird das Ziel umformuliert: Bis Anfang 2026 soll die digitale Akte endlich überall laufen.
Nur Sachsen-Anhalt ist noch langsamer
Deutschlandweit ist der Druck groß. 15 von 16 Bundesländern wollen die E-Akte bis Ende 2025 eingeführt haben. Nur Sachsen-Anhalt nutzt eine Fristverlängerung – dort hinkt man weit hinterher. Seit zehn Jahren wird an der Digitalisierung gearbeitet, doch die Probleme sind hausgemacht: eine zersplitterte IT-Landschaft, unterschiedliche Systeme, fehlende Standards. „Es ist höchste Zeit, dass die Bundesländer den Umstieg auf die E-Akte in der Justiz flächendeckend abschließen“, mahnt Sven Rebehn vom Deutschen Richterbund. Statt Entlastung bringt die E-Akte bisher oft Mehrarbeit. KI-gestützte Systeme, die Verfahren beschleunigen könnten, lassen weiter auf sich warten.
Während die Umstellung bei den Zivil- und Fachgerichten in den anderen Ländern teils komplett abgeschlossen ist, bereitet die E-Akte in vielen Staatsanwaltschaften und Strafgerichten Probleme. Auch für Berlin. Strafverfahren sind komplex, eilbedürftig, mit vielen Beteiligten von Polizei bis Staatsanwaltschaft. Hier stockt die Digitalisierung.
Verwaltungsgerichte haben Umstellung auf E-Akte schon geschafft
Anders bei den Fachgerichten: Das Berliner Verwaltungs- und Oberverwaltungsgericht sind seit November 2024 komplett digital, das Sozialgericht – das größte in Deutschland – arbeitet seit Mai 2025 mit der E-Akte. Auch bei Zivil- und Familiengerichten läuft vieles schon elektronisch: Über eine Viertelmillion Akten werden digital geführt, stabil trotz riesiger Datenmengen.


