Es sind Aufnahmen, die einem das Herz brechen. Vögel werden von Mitarbeitern brutal misshandelt. Wieder einmal steht eine brandenburgische Entenmastanlage südöstlich von Berlin im Fokus und erneut geht es um massive Tierquälerei.
Enten werden von Mitarbeitern misshandelt
Laut aktuellem Videomaterial des Vereins Animal Rights Watch e. V. (ARIWA), das dem RBB vorliegt, wurden in dem Mastbetrieb zuletzt über 1.900 gewaltsame Übergriffe auf Enten dokumentiert. Die Liste der Misshandlungen ist lang: Tiere werden beim Verladen getreten, geschleudert, geworfen oder brutal an einem einzelnen Flügel hochgezerrt. Besonders brisant: Genau dieser Betrieb war bereits 2023 durch ähnliche Aufnahmen aufgefallen.

ARIWA hatte damals schwerste Misshandlungen öffentlich gemacht – passiert ist seither offenbar wenig. Der Betrieb gehört zudem zu den wenigen Anlagen in Deutschland, in denen Enten auf Gitterboden gehalten werden. Trotz einer Strafanzeige damals sollen weder Staatsanwaltschaft noch Veterinäramt spürbar gehandelt haben. Heute zeigt sich: Die Missstände gingen offenbar unverändert weiter.

Verdeckte Kameras filmen systematische Gewalt
Die neuen Aufnahmen zeichnen ein erschütterndes Bild: Verdeckte Kameras dokumentieren erneut eine Vielzahl brutaler Übergriffe. Mehr als 1.400 Tritte, über 300 Würfe durch die Luft und rund 200 Fälle, in denen Tiere an einzelnen Flügeln hochgezerrt wurden, wurden gezählt. In mehreren Sequenzen schleudern Arbeiter zudem eine schwere Buchtwand mit voller Wucht gegen Gruppen von Enten – mindestens ein Tier wird dabei schwer verletzt.
„Was hier zu sehen ist, ist keine Ausnahme, sondern systematische Misshandlung“, sagt Anna Schubert, Agrarreferentin von ARIWA. „Diese Praktiken sind derart tierquälerisch, dass sie eindeutig gegen das Tierschutzgesetz verstoßen. Tiere werden wie leblose Gegenstände behandelt – getreten, geworfen und ihre Verletzungen wissentlich in Kauf genommen.“ Ihre Worte lassen keinen Raum für Zweifel: Das, was dort passiert, ist kein Unfall, sondern Routine.
ARIWA fordert Schließung der Anlage
Angesichts der neuen Beweise hat ARIWA erneut Strafanzeige erstattet und fordert ein sofortiges Ende des Betriebs. „Es ist ein Skandal, dass exakt dieselben Misshandlungen zwei Jahre nach unserer ersten Anzeige immer noch stattfinden. Die Behörden haben weggeschaut – und die Tiere zahlen den Preis. Sowas erleben wir immer wieder. Dieser Betrieb darf nicht einen Tag länger wirtschaften,“ sagt Anna Schubert.

Doch damit nicht genug: Sie weist auch auf die grundsätzlichen Bedingungen in der Anlage hin. „Die Haltungsform ist an sich schon extrem tierquälerisch. Die Enten müssen mit ihren empfindlichen Füßen ausschließlich auf Metallgitterböden leben. In der gesamten Anlage gibt es keine Einstreu und keine andere weiche Unterlage, was bei vielen Tieren zu Schmerzen und deformierten Beinen und Füßen führt.“ Die Tiere leben also nicht nur gefährlich, sie leiden durchgängig.
Schlachtung in Brandenburg – Produkte auch im Handel
Geschlachtet werden die Enten laut ARIWA bei Dithmarscher Geflügel in Brandenburg. Produkte wie die „Brandenburger Barbarieente“ landen anschließend auch in deutschen Supermarktregalen – unter anderem bei Kaufland. Für Konsumenten bedeutet das: Wer zu diesen Produkten greift, unterstützt womöglich ein System, das seit Jahren wegen Tierleid in der Kritik steht.



