Von 17 auf unter fünf Prozent: Der Krankenstand in Teslas Gigafactory im brandenburgischen Grünheide ist dramatisch gesunken. Werksleiter André Thierig verkündete das stolz auf der Hannover Messe. „Ich glaube, da würden viele Unternehmen neidisch draufschauen, hätten sie das geschafft“, sagte er. Doch wie Tesla dieses Ergebnis erreicht, wirft ernste rechtliche Fragen auf, wie das Handelsblatt berichtet.
Neue Wohlfühlangebote, aber kein Lohn für Kranke
Thierig beschreibt einen neuen Geist in der Fabrik. Das Unternehmen habe ein Mitarbeiter-Aktienprogramm aufgelegt, ein Fitnessstudio gebaut und einen Barbershop eröffnet. Beschäftigte können zudem für 25 Euro pro Tag einen Tesla mieten. Die Mitarbeiter kämen mittlerweile sogar schon in der Arbeitskleidung zur Arbeit, so Thierig: „Die Leute finden es geil.“
Was Thierig nicht erwähnte: Mehrere Betriebsräte haben dem Handelsblatt bestätigt, dass Tesla derzeit wieder vermehrt Briefe an länger kranke Mitarbeiter verschickt, in denen der Konzern die Lohnfortzahlung einstellt. „Keine weitere Entgeltfortzahlung wegen möglicher Fortsetzungserkrankung“, lautet die Überschrift eines aktuellen Schreibens, das dem Handelsblatt vorliegt.
Tesla bestreitet laut dem Bericht darin, dass eine neue Erkrankung vorliegt, und fordert Mitarbeiter auf, ihre Ärzte von der Schweigepflicht zu entbinden sowie ihre Krankengeschichte detailliert offenzulegen. Das Unternehmen beruft sich auf ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts aus Januar 2023, das es Arbeitgebern erlaubt, das Vorliegen einer Neuerkrankung zu bestreiten.

Gregor Thüsing, Professor für Arbeitsrecht an der Universität Bonn, hält Teslas Vorgehen für rechtlich bedenklich. „Das scheint mir doch etwas mehr, als die Rechtsprechung verlangt“, sagte er dem Handelsblatt. Kein Mitarbeiter müsse von sich aus ärztliche Diagnosen vortragen, und der Arzt müsse keine Diskussion mit Tesla über seine Diagnose führen. Was Tesla fordere, sei „juristisch hochumstritten“.
Gewerkschaft erkämpfte bereits Millionen für Betroffene
Die IG Metall hatte nach eigenen Angaben bereits 2024 rund 160.000 Euro für Beschäftigte erstritten, deren Lohn Tesla zuvor einbehalten hatte.


