Die Deutsche Bahn wagt in turbulenten Zeiten einen überraschenden Schritt: Trotz steigender Energiepreise sollen die Fernverkehrstickets ein Jahr lang nicht teurer werden. Das kündigte Bahn-Chefin Evelyn Palla in der „Bild am Sonntag“ an.
Keine höheren Preise für ICE-Fahrten
„Vom 1. Mai an halten wir die Preise für ICE-Tickets ein Jahr lang stabil“, sagte Palla. Damit wolle der Konzern „Sicherheit und Stabilität“ schaffen für „alle, die mobil bleiben wollen und müssen“.
Für Palla ist es bereits die zweite Nullrunde in Folge. Schon im Oktober hatte die Bahn darauf verzichtet, Flex- und Sparpreise anzuheben. Normalerweise verkündet der Staatskonzern seine Preisanpassungen im Herbst. Und das bedeutete in den vergangenen Jahren fast immer Preiserhöhungen. Erst Ende 2024 waren die Flexpreise im Schnitt um 5,9 Prozent gestiegen.

Bahnchefin will Vertrauen zurück gewinnen
Jetzt soll alles anders werden. Palla verknüpft die Preisgarantie mit ihrem angekündigten Umbau des Unternehmens. „Neustart bei der Deutschen Bahn heißt mehr Verantwortung übernehmen und neue Prioritäten setzen“, erklärte sie. „Oberste Priorität hat jetzt: Fahren, Fahren, Fahren und dafür sorgen, dass die Menschen in Deutschland sich das Reisen weiter leisten können.“ Die Bahn solle zum „Stabilitätsanker in unsicheren Zeiten“ werden.
Unsicher sind die Zeiten tatsächlich: Der Krieg, den die USA und Israel Ende Februar gegen den Iran begonnen hatten, ließ auch in Deutschland die Spritpreise nach oben schießen. Zwar gilt aktuell eine Waffenruhe, doch eine dauerhafte Lösung ist nicht in Sicht.
Für die Bahn kommt der Preis-Stopp deshalb zur rechten Zeit. Denn gleichzeitig steht der Konzern wegen anhaltender Verspätungen und unzuverlässiger Verbindungen massiv unter Druck. Immer wieder sorgt das marode Schienennetz für Frust bei Reisenden.
Der Fernverkehr mit ICE, Intercity und Eurocity liegt vollständig in der Verantwortung der Bahn. Anders sieht es im Regionalverkehr aus. Dort bestimmen meist die Verkehrsverbünde die Ticketpreise. Für Millionen Pendler bleibt also offen, ob ihre Fahrten künftig wieder teurer werden.


