Lichtenberg

Mordanklage gegen Döner-Wirt: Für ein paar Hundert Euro schoss er auf seine Opfer

Schüsse vor Berliner Döner-Imbiss: Ein Mann starb, ein weiterer wurde verletzt. Jetzt steht der Wirt wegen Totschlags vor Gericht.

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Wegen tödlicher Schüsse vor einem Dönerladen muss sich Kyoroghli M. verantworten. Hier sein Verteidiger (r.) vor Gericht.
Wegen tödlicher Schüsse vor einem Dönerladen muss sich Kyoroghli M. verantworten. Hier sein Verteidiger (r.) vor Gericht.Olaf Wagner

Mehrere Schüsse schrecken Anwohner auf. Vor einem Döner-Imbiss in Lichtenberg sacken zwei Männer von Kugeln getroffen zusammen. Eiskalt soll Kyoroghli M. (66) abgedrückt haben.

Anklage auf Totschlag, Körperverletzung und Waffengesetz-Verstoß

Sechs Monate später, Gedränge im Gerichtssaal. Frauen auf den Zuhörerbänken weinen, sie mustern den Mann auf der Anklagebank – weißhaarig, Bürstenschnitt, dunkler Schnauzbart. Der Döner-Wirt stammt aus Armenien, ist verheiratet, hat keine Vorstrafen. Nun lautet die Anklage auf Totschlag, versuchten Totschlag, gefährliche Körperverletzung und Verstoß gegen das Waffengesetz.

Die Schüsse am 14. November gegen 21.48 Uhr. In einem Streit vor seinem Laden in der Franz-Jakob-Straße soll M. plötzlich eine Knarre gezogen haben. Erst zwei Schüsse auf den 28-jährigen K., der im Oberkörper getroffen wurde.

K. und seine Begleiter rannten entsetzt weg. Doch M. ballerte laut Anklage in die fliehende Gruppe. Mhawsh F. (29) wurde am Hinterkopf getroffen. Während der Schütze verschwand, kämpften Rettungskräfte um das Leben der Verletzten. F. starb drei Tage später an seinen Verletzungen im Krankenhaus. K. ist nun einer der Nebenkläger.

Der Verteidiger (2.v.r.) und der Dolmetscher (r.) vor Gericht. Der Angeklagte hat sich nicht vorführen lassen.
Der Verteidiger (2.v.r.) und der Dolmetscher (r.) vor Gericht. Der Angeklagte hat sich nicht vorführen lassen.Olaf Wagner

Es soll um eine Lohnforderung gegangen sein, um  ein paar Hundert Euro! Ein Ex-Mitarbeiter von M. soll K. um Hilfe gebeten haben. K. wurde als eine Art Vermittler aktiv. Erst Telefonate mit dem Imbiss-Betreiber, es seien gegenseitigen Beleidigungen gefallen. „Misch dich nicht ein“, soll der Döner-Wirt gewettert haben und „komm doch her!“ Die Sache schaukelte sich hoch.

Die Begleiter von K. standen 20 bis 30 Meter entfernt, als es zu ersten Schüssen kam. Ob sie wussten, worum es in dem Streit ging, ist unklar. Mhawsh F. jedenfalls wollte eigentlich Billard spielen. Ein Nebenklage-Anwalt: „Er war zur falschen Zeit am falschen Ort. Er hatte mit dem Streit und mit dem Imbiss nichts zu tun.“

Video zeigt Tat vor Döner-Imbiss in Lichtenberg

Es gibt ein Video und zahlreiche Augenzeugen. Auf dem Video soll zu sehen sein: Erst Zoff, dann zieht der Schütze eine Knarre aus der Hosentasche, K. greift noch zu einem Pfefferspray, da fallen schon Schüsse.

Die Vorsitzende Richterin leitet den Prozess gegen Kyoroghli M.
Die Vorsitzende Richterin leitet den Prozess gegen Kyoroghli M.Olaf Wagner

Der Verdacht fiel schnell auf den Imbiss-Inhaber. Er aber war offenbar untergetaucht. Mit einem Foto wurde öffentlich nach ihm gefahndet. Knapp zwei Wochen nach der Tat stellte sich M. der Polizei. Er wurde am Hauptbahnhof von Beamten festgenommen, die dort auf ihn warteten. Die Pistole soll über einen Rechtsanwalt zur Polizei gelangt sein.

Er schwieg bei seiner Festnahme, er hüllte sich auch zu Prozessbeginn in Schweigen. Sein Anwalt: „Einstweilen keine Angaben.“ 15 weitere Verhandlungstage bis zum 11. September sind terminiert.

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