Prozess

Überfall: Flucht vor Räubern endet im Krankenhaus

Zwei junge Männer stehen nun wegen versuchten Mordes vor Gericht.

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Die Angeklagten hinter Glas mit ihren Anwälten.
Die Angeklagten hinter Glas mit ihren Anwälten.Tanja Tal

Er wollte sich vor Räubern in Sicherheit bringen – und stürzte vom Balkon seiner Wohnung in die Tiefe. Neun Meter. Wer trieb Malik B. (29) zu dem beinahe tödlichen Sprung?

Tatverdächtige fallen immer wieder auf

Fünf Monate später stehen zwei junge Männer vor Gericht. Für die Polizei sind sie alte Bekannte: Weslati A. (18) und Islam M. (18). Immer wieder sollen sie in der Vergangenheit aufgefallen sein. Wegen Raub, Diebstahl, Körperverletzung und Drogen.

Aufforderung zur Zahlung von 3.500 Euro

Am 25. Dezember sollen sie bei Malik B. (Name geändert) geklingelt haben. Er wohnte in einer WG in einem Mehrfamilienhaus am Britzer Damm (Neukölln). Islam M. soll bereits drei Tage zuvor mit einem bedrohlichen Trupp dort gewesen sein. 35 Euro hätten sie geraubt. Beim zweiten Besuch standen sie morgens um acht Uhr vor der Tür.

Laut Anklage ging es um Geld. „Sie wollten ihn unter Vorhalt eines Messers und dem Einsatz von Gewalt zur Zahlung von 3.500 Euro auffordern“, heißt es. Sie hätten von Schulden gesprochen, die es tatsächlich nicht gegeben habe.

Flucht auf den Balkon

Ein Mitbewohner von B. sagte: „Sie versuchten, einzubrechen. Ich bin in mein Zimmer, habe mich eingeschlossen und die Polizei gerufen.“ A. und M. sollen die Wohnungstür von ihnen verriegelt haben, um eine Flucht zu verhindern. M. habe gedroht, dass er „sein Geld notfalls über die Leiche“ von B. holen werde.

Humpelnd, eine große Narbe im Nacken, er konnte kaum trinken, brauchte Hilfe.

Polizistin, bei Gerichtsverhandlung

Einer der Täter trat ein Loch in die Tür zu B.s Zimmer. Er rannte aus Angst zum Balkon, so wie er es drei Tage zuvor getan hatte. Da war es ihm gelungen, auf den Balkon der Wohnung darunter zu hüpfen. Seine zweite Flucht endet mit einem Sturz in die Tiefe. B. prallte auf den Gehweg.

Zahlreiche Verletzungen nach Sturz

Dabei brach der zweite Halswirbel, ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und der rechte Oberschenkelknochen war kaputt. Eine Polizistin (35) sah ihn sechs Wochen später – und war schockiert: „Humpelnd, eine große Narbe im Nacken, er konnte kaum trinken, brauchte Hilfe.“ Bis dahin war er ein junger Mann, der einen Abend vor dem Sturz noch fröhlich tanzte. „Ich sah ein Video davon“, so die Beamtin. „Er war kaum wiederzuerlangen.“

Islam M. soll mit B. befreundet gewesen sein. Nun sitzt er hinter Sicherheitsglas. Festgenommen am Tattag. Sein Verteidiger: „Er schweigt im Moment zu den Vorwürfen.“ Für A. erklärte seine Anwältin: „Er hat nichts mit der Tat zu tun, er war rein zufällig an dem Ort der Festnahme.“ Weil es kalt an dem Tag war, sei er ins Haus gegangen.

Keine Erinnerungen mehr an den zweiten Sprung

Malik B. kann sich an den ersten Sprung erinnern. In Panik und Angst sei es geschehen: „Sechs Jungs, sie hatten Messer und eine Schusswaffe. Ich sah als Ausweg nur den Balkon.“ An den zweiten Sprung hat er keine Erinnerung. Fortsetzung: 2. Juni.

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