Der Fahrer spielte das Opfer

409.000 Euro weg und alles ein Fake? Der irre Geldtransporter-Prozess

Ein Fahrer inszeniert in Moabit einen Raub auf seinen Geldtransporter. 409.000 Euro verschwinden – jetzt steht er wegen des Fake-Überfalls vor Gericht.

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Monir El A. (r.) wird vorgeworfen, am 4. Oktober 2024 einen Überfall auf seinen Geldtransporter vorgetäuscht zu haben.
Monir El A. (r.) wird vorgeworfen, am 4. Oktober 2024 einen Überfall auf seinen Geldtransporter vorgetäuscht zu haben.Olaf Wagner

Moabit – Der Fahrer wälzt sich jammernd auf dem Boden, der Geldtransporter ist leer geräumt. 409.000 Euro, die sich in Luft auflösten. Doch alles andere war ein Fake.

Fahrer inszeniert den Raub und spielt das Opfer

Ein vorgetäuschter Überfall, um an möglichst viel Geld zu kommen. Monir El A. (25) steht nun vor Gericht. Als der Mann, der einen Raub inszenierte. Auf den Geldtransporter, den er damals durch Berlin-Tempelhof steuerte.

Der 4. Oktober 2024. El A. und ein Kollege (34) klappern ihre vorgegebene Tour ab, um bei Kunden gefüllte Geldkassetten und Safebags abzuholen. Der Beifahrer steigt aus und geht in die Büros, El A. als Fahrer bleibt im Transporter.

Doch gegen 14.35 Uhr gibt er einfach Gas, verschwindet ohne den Kollegen. Die Anklage: „Um sich absprachegemäß mit unbekannten Mittätern zu treffen.“ Ihnen habe er kurz darauf die gesicherte Tür geöffnet. 409.438 Euro werden weggetragen.

Der Angeklagte Monir El A. hat der Polizei gesagt, er sei überfallen worden.
Der Angeklagte Monir El A. hat der Polizei gesagt, er sei überfallen worden.Olaf Wagner

Ein filmreifer Auftritt dann: Warnsignal-Anlage des Geldtransporters eingeschaltet, um Hilfe geschrien. Als die Polizei eintraf, lag er am Boden, das Gesicht schmerzverzerrt. Er gab zu Protokoll: Mit Knarre bedroht, geschlagen, mit Pfefferspray besprüht.

Kameras entlarven den Fake

Blöd gelaufen: Videokameras im Umfeld zeichneten das Geschehen auf. Darauf zu sehen: keine Spur von Gewalt. Man kam dem damaligen Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma auf die Schliche. Cleverer die Mittäter: Sie sind auf den Bildern nicht zu erkennen.

El A. nun mit Geständnis. Der Absahner aber will er nicht gewesen sein: „Es gab eine Vorgeschichte, ich hatte Schulden.“ Angehäuft beim Zocken im Hinterzimmer. El A.: „Ich verlor, lieh mir Geld.“ Bis eines Tages ein Mann kam und sagte: „Ich habe deine Schulden verkauft.“

Die wollten andere zwielichtige Gestalten eintreiben: „Kurden tauchten auf, sie machten Druck.“ Sie hätten vorgeschlagen: „Du kannst einen Überfall vortäuschen.“ Er sei ihnen am Tattag gefolgt, bis zu einem Parkplatz – „sie nahmen das ganze Geld und verschwanden“. Ihm seien später 10.000 Euro zugesteckt worden.

Der Staatsanwalt verlangte zweieinhalb Jahre Knast, der Richter folgte aber dem Verteidiger: Wegen Unterschlagung und Vortäuschens einer Straftat zwei Jahre auf Bewährung. Außerdem 240 Stunden gemeinnützige Arbeit. Und Schulden, die er wohl jahrzehntelang abstottern muss: „Einziehung von 409.000 Euro angeordnet.“

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