In der Berliner Verwaltung geht es korrekt zu. Da darf man erst schwitzen, wenn auch offiziell Sommer ist. Genau so wird das Fehlen von Berlins erstem und einzigem Cooling Point im Berliner Mauerpark erklärt.
Mit viel Trara wurde das neuartige Hitzeschutz-Ensemble mit Kosten von knapp 45.000 Euro im vergangenen Jahr eingeweiht. Doch auch wenn die Temperaturen schon jetzt zeitweise hochsommerlich sind, harrt es in einem Lager auf seinen Einsatz. Dieses vergurkte Projekt, das schon im vergangenen Jahr für Spott und Unverständnis statt für Abkühlung sorgte, es wird auch 2026 kein Burner.
Hat jemand den Cooling Point vermisst?
Aber von vorn: An heißen Tagen, die es in diesem Jahr schon zuhauf gab, setzen sich die Besucher des Berliner Mauerparks lieber in den Schatten der Bäume, als unter das Dach der teuren Kübelkonstruktion mit Pflanzen, die letztes Jahr am Eingang des Mauerparks aufgebaut wurde. Es ist eher unwahrscheinlich, dass die Gäste das Fehlen von Berlins erstem Cooling Point überhaupt bemerkt haben. Denn er ist vor allem: überflüssig und teuer.
Weil wir im letzten Jahr ausführlich beschrieben haben, was das Pilotprojekt kostet, und auch die Reaktionen der Touristen dokumentierten, haben wir an den ersten heißen Tagen dennoch sehnsüchtig auf das Auftauchen des Cooling Points gewartet.

Installation ausschließlich für den Sommer
Eine Nachfrage beim Lageso (Landesamt für Gesundheit und Soziales), unter dessen Führung das Pilotprojekt läuft, bringt eine ernüchternde Erkenntnis: „Der Cooling Point ist eine Sommerinstallation. Der kalendarische Sommer beginnt am 21. Juni“, schreibt eine Sprecherin. Tja pecho, wenn der Klimawandel sich nicht an diese eindeutige Vorgabe hält. Himmel hilf, wenn das auch bei weiteren Hitzeschutzmaßnahmen gelten soll.

Berlin braucht echten Hitzeschutz
Braucht Berlin den überdachten Sitzplatz mit Pflanzen für über 40.000 Euro im Kampf gegen Hitzetage? Als Resümee aus dem letzten Jahr, zieht wenigstens das Lageso eine positive Bilanz: „Hauptsächlich haben wir wertschätzendes Verhalten gegenüber dem Cooling Point durch die Menschen vor Ort und aus der Nachbarschaft erlebt. Ein Aspekt des Pilotbetriebs war schon in der letzten Saison, neben dem Nutzungsverhalten auch zu erkennen, welche Art Beschädigungen oder Vandalismus vorkommen“, schreibt eine Sprecherin des Lageso.
Berlins teuerster Schandfleck: Opfer von Blumendieben
In Sachen Vandalismus erinnern wir uns: Eines schönen Augusttages waren sämtliche Pflanzen, Lavendel, Echinacea, Gräser und weitere Stauden-Gewächse aus den Kübeln geklaut worden. Der Rest war vertrocknet. Etwa 350 Euro wurden für Lieferung und Neubepflanzung ausgegeben.
Ach und überhaupt die Kosten: Nach Kritik an dem Projekt, das mit Mitteln des Bundes finanziert wird, schaltete sich 2025 sogar der Bund der Steuerzahler ein.
Dessen Vorsitzender, Alexander Kraus: „Das Land Berlin will wegen der immensen Kosten für die Flüchtlingsunterbringung die Haushaltsnotlage ausrufen und neue Schulden in Milliardenhöhe aufnehmen, weil uns die Infrastruktur im wahrsten Sinne des Wortes unter den Füßen zusammenbricht. Und dann baut das Land für nach Medienberichten 45.000 Euro für ein paar Monate eine solche Bretterbude?“
Dass die Gelder eigentlich aus Bundesmitteln stammen, ist da nur noch eine Fußnote. Die Mittel für das Projekt stammen aus der Projektförderung des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) im Rahmen des ExWoSt-Forschungsprogramms.
So teuer war der Cooling Point wirklich
Das Lageso präzisierte in Bezug auf die Kosten: Die exakten Kosten für die Herstellung, Lieferung, Montage sowie Bepflanzung und finale Ausstattung der „Cooling-Point-Struktur im Mauerpark“ beliefen sich gemäß der vorliegenden Rechnung auf 40.764,93 Euro brutto. Darin enthalten waren die Stahl- und Holzkonstruktionen für Sitzmöbel und Pflanzbehälter, die Dachrahmenkonstruktion mit Holzlamellen für die Verschattung, Betongewichte zur Sicherung der Struktur, Montagearbeiten, Transport, Bauzaun, Hebezeuge sowie Pflanzleistungen mit insektenfreundlicher, trockenresistenter Bepflanzung.
Zusätzlich seien projektbezogene Nebenleistungen für die Versicherung der baulichen Installation in Höhe von 1.130,50 Euro brutto und Statikgutachten inklusive baubegleitender Leistungen von 2.284,80 Euro brutto angefallen. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 44.180,23 Euro und lägen damit unter der ursprünglich veranschlagten Summe von 45.000 Euro.
Für die Pflege und Wartung wurden für laufende Folgekosten vom Lageso für das Jahr 2025 7.000 Euro brutto veranschlagt. Auch für 2026 dürften Kosten in der Höhe anfallen. Mindestens, denn ab diesem Sommer kommt der Cooling Point 2.0: Das Lageso will noch eine Erweiterung mit Sprühnebel-Technologie installieren, um an besonders heißen Tagen „zusätzliche körperliche Erfrischung“ zu ermöglichen.
Pilotprojekt über drei Sommer
2027 geht das Modellvorhaben dann in die finale Projektphase. Am Ende werden für das Pilotprojekt 120.000 Euro ausgegeben sein. Danach könnte der Cooling Point laut Lageso an einen Berliner Bezirk oder an einen sozialen Träger übergeben werden, wenn ihn denn einer haben will.
Eine gute Nachricht gibt es: Für die Aufbewahrung der Konstruktion fallen keine zusätzlichen Kosten an. Die Einlagerung erfolgt in den Räumlichkeiten des Lageso. Die Demontage im Herbst wurde innerhalb von zwei Tagen durch den Projektpartner USE durchgeführt und die Stauden an den Projektpartner Grün Berlin übergeben. Es kann also ganz schnell gehen, wenn zum kalendarischen Sommerbeginn am 21. Juni der Cooling Point wieder aus der Mottenkiste geholt wird.


