Dass der Berliner Wohnungsmarkt ein Feld voller Verlierer und Fallstricke ist, ist bekannt. Wie verzweifelt aber die Menschen in der Stadt wirklich sind, das lässt sich auch in diesen Zahlen abbilden: Das Spendenportal GoFundMe verzeichnet in den letzten drei Jahren einen Anstieg von 100 Prozent an Spendenaufrufen, die sich rund um das Thema Wohnen und Mieten drehen.
Ein Drittel aller Hilferufe wegen Wohungswahnsinn
Die Spendenaktionen auf dem Portal haben sich in dem Bereich Mieten und Wohnen in Berlin mehr als verdoppelt. Rund ein Drittel aller Spendenkampagnen in der Stadt kamen im letzten Jahr aus diesem Bereich. Das ergibt eine Datenanalyse des Portals mit Sitz in Irland.
Dazu wurde in allen Spendenkampagnen, die in Berlin gestartet wurden, nach Schlüsselbegriffen wie obdachlos, Miete, Mietkosten, Lebensunterhalt, Rechnung, Heizkosten, Mietvertrag, Zwangsräumung, Eigenbedarf, Wohnungsnot, Existenzminimum, Notunterkunft, Nebenkosten, Betriebskosten, Stromkosten, Gasrechnung, Wasserkosten, Mietrückstand gesucht.
Generell höheres Spendenaufkommen
Während im Jahr 2023 mit 488 Spendenaufrufen zum Thema Mieten und Wohnen noch eine geringe Anzahl von Betroffenen um Hilfe suchte, waren es im Jahr 2024 schon 720 Anfragen. Im Jahr 2025 baten 1073 Menschen mit ihren Kampagnen in Sachen Mieten und Wohnen um Spenden.
Die Anfragen in Sachen Mieten und Wohnen steigen damit proportional zu einem insgesamt höheren Spendenaufkommen in Berlin. Wurden im Jahr 2023 4,97 Millionen Euro in Berlin insgesammt gespendet steigt die Summe 2025 auf 11,01 Millionen Euro. Pro Kopf spendeten die Berliner im Jahr 2025 eine Summe von durchschnittlich 46,44 Euro.
Einzelne Schilderungen von Betroffenen geben Aufschluss darüber, was die Berliner umtreibt:
„Nach zehn Jahren in unserer Mietwohnung werden wir durch Eigenbedarf aus unserer Wohnung gedrängt. Ich habe alles darangesetzt, den Kiez nicht verlassen zu müssen – nach einem langen, kräftezehrenden Kampf fand ich eine Wohnung, die seit fast 40 Jahren nicht saniert wurde“, schreibt eine alleinerziehende Mutter, die nun vor der Herausforderung steht die Wohnung in Eigenleistung bewohnbar zu machen. Dafür bittet sie um Spenden.
Andere schildern drastische Mieterhöhungen für Gewerbeflächen. Ein Fall von einer Zwangsräumung, die eine Familie mit sieben Kindern traf, machte Schlagzeilen. Wieder andere Menschen suchen Hilfe, weil sie Miete und Kaution nicht bezahlen können.
Deutsche spenden Rekordsummen
„Immer mehr Menschen in Deutschland nutzen GoFundMe – nirgendwo in Europa wächst unsere Plattform so stark. Das zeigt, wie tief verwurzelt die Solidaritätskultur in Deutschland ist: Menschen helfen einander, wenn es darauf ankommt. Besonders deutlich wird das rund um das Thema Wohnen, gerade in Großstädten, wo der Wohnraum knapp und teuer ist“, sagt die Sprecherinvon GoFundMe Deutschland, Aisling Ehrismann zum KURIER.
Das sehe man auch in Berlin, wo sich die Kampagnen in diesem Bereich innerhalb von zwei Jahren mehr als verdoppelt hätten. Insgesamt wurden im Bereich Mieten und Wohnen im letzten Jahr auf GoFundMe 722.945,02 Euro gespendet.



