Prof. Dr. Carmen  Scheibenbogen leitet die Fatigue-Ambulanz der Charité. 
Prof. Dr. Carmen Scheibenbogen leitet die Fatigue-Ambulanz der Charité.  Charité/Simone Baar

Ihren Namen kennen alle, die mit ME/CFS, auch Chronisches Fatigue-Syndrom genannt, leben. Die Krankheit, die oft nach Virusinfekten auftritt raubt jede Energie, Erkrankte sind oft in einer jahrelangen Odyssee von Arzt zu Arzt unterwegs, ohne Hilfe zu erhalten. Die letzte Hoffnung: ein Termin in der Fatigue-Ambulanz der Charité bei Professor Carmen Scheibenbogen.

Die Ambulanz ist oft auf Monate ausgebucht, Carmen Scheibenbogen ist eine von nur sehr wenigen Expertinnen und Experten in Deutschland, die auf die Erforschung und Behandlung des Krankheitsbildes spezialisiert sind.

Bundesverdienstkreuz für ME/ CFS Forschung 

In der Corona-Pandemie hat die Erkrankung ME/ CFS durch Parallelen zu Long Covid mehr Aufmerksamkeit erfahren, ausreichend erforscht ist sie deshalb noch lange nicht. Carmen Scheibenbogen will weiter für die Menschen forschen, die sich oft an den Rand der Gesellschaft gedrängt sehen, die von manchen Ärzten nicht ernst genommen werden. Jetzt hat die Medizinerin, die Hoffnung für so viele ist, für ihren Einsatz das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland erhalten. Der Vorschlag für die Ehrung kam von Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörigen.

In diesem Jahr stehen die Auszeichnungen des Bundespräsidenten zum Tag der Deutschen Einheit unter dem Motto „Brücken bauen“.  Carmen Scheibenbogen ist so eine Brückenbauerin.

Lesen Sie auch: Für immer in Quarantäne: Warum eine 56-jährige Berlinerin seit Jahren ihr Haus nicht verlassen hat>>

Die Internistin und Hämatoonkologin setzt sich seit mehr als einem Jahrzehnt für die Belange von Menschen ein, die unter der Erkrankung Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom (ME/CFS) leiden. Damit beschäftigte sie sich mit einer Erkrankung, die  viele ihrer Arztkollegen lange als psychische Marotte abtaten. 

Dabei handelt es sich  bei ME / CFS um ein schwerwiegendes, vielgestaltiges Krankheitsbild, das meist nach einer Infektionserkrankung auftritt. Charakteristisch ist eine Verschlechterung der Symptome selbst nach geringfügiger Belastung.

ME/CFS ist eine Krankheit, die keiner kannte 

Carmen Scheibenbogen forscht und vermittelt Wissen über eine Erkrankung, die, wie sie selbst sagt, „bislang wenig bekannt und für viele Ärztinnen und Ärzte daher schwierig einzuordnen ist. Deswegen kümmere sie sich darum, heißt es in einer Mitteilung der Charité.

Ein besonderes Anliegen der Medizinerin ist es, mehr über ME/CFS herauszufinden, klinische Studien auf den Weg zu bringen und spezifische Versorgungsstrukturen für Erkrankte ins Leben zu rufen. Denn diese sind bislang nahezu nicht vorhanden. Bisher wurde die Forschung an ME /CFS nicht ausreichend finanziert, erst mit Corona kommt etwas Bewegung in die Sache.

Lesen Sie auch: Charité weist nach: Corona kann lähmende und nicht behandelbare Krankheit verursachen!>>

Auf das Krankheitsbild aufmerksam geworden ist  Carmen Scheibenbogen als Leiterin der Immundefekt-Ambulanz am Institut für Medizinische Immunologie der Charité. Hier hatte sie vor 15 Jahren eine Sprechstunde für ME/CFS übernommen. Gemeinsam mit ihrem Team initiiert sie Forschungsprojekte und erste Therapiestudien, auch startet sie Fortbildungen für Mediziner und für Betroffene.

Carmen Scheibenbogen forscht an ME/CFS 

2018 gründete Prof. Scheibenbogen in Kooperation mit Neurologinnen und Neurologen der Charité sowie mit Unterstützung der Weidenhammer-Zöbele-Stiftung das Charité Fatigue Centrum, eine Ambulanz, in der Erkrankte in einem interdisziplinären Umfeld besser betreut werden können.

Lesen Sie auch: Kanu-Ass Steffi Kriegerstein (29): Long Covid hat ihre Karriere zerstört, die Olympia-Zweite hört auf>>

Sie bringt weitere Forschungsprojekte auf den Weg, darunter die vom Innovationsfonds geförderte Versorgungsstudie CFS_CARE oder das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützte Verbundforschungsprojekt IMMME zur Aufklärung von Krankheitsmechanismen, die ME/CFS zugrunde liegen.
„Zu den herausragenden Leistungen von Prof. Scheibenbogen zählen ihr Engagement und der Aufbau einer Behandlungsambulanz für Patientinnen und Patienten mit dem Chronischen Fatigue-Syndrom“, sagt Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandvorsitzender der Charité.

Covid sorgt für mehr Fälle: Long-Covid und ME/CFS ähneln sich 

„Gerade durch die COVID-19-Pandemie sind wir mit diesem Krankheitsbild, im Sinne eines Long-COVID-Syndroms, zunehmend konfrontiert. Prof. Scheibenbogen hat sich als eine der weltweiten Expertinnen und Experten für ME/CFS etabliert. Als eine der Ersten in Deutschland hat sie damit begonnen, wegweisende Strukturen für die Versorgung dieser Menschen zu schaffen.“

Für die Zukunft sieht Carmen Scheibenbigen einen großen Bedarf und hat neue Ziele: „Was dringend bundesweit gebraucht wird, sind Spezialambulanzen als Anlaufstelle für die vielen Betroffenen und Versorgungsstrukturen für die häusliche Pflege, wie es sie beispielsweise für Menschen mit Multipler Sklerose, einer vergleichbaren Erkrankung, gibt.“