In Berlin spitzt sich die Lage der Schwimmbäder weiter zu. Die Substanz ist oftmals marode. Viele Häuser sind wegen Sanierungen geschlossen – und weitere benötigen eine Generalüberholung. Doch auch dafür fehlt in der Hauptstadt das Geld.
Berliner Bäder in der Krise
Wie eine Antwort von Sportstaatssekretärin Franziska Becker auf eine parlamentarische Anfrage zeigt, ist die Situation seit Jahren prekär. Die zur Verfügung stehende Beckenfläche hat sich seit 2002 um drei Prozent verringert, wie die Berliner Morgenpost berichtet.
Besonders dramatisch sieht es in drei Bezirken aus: Charlottenburg-Wilmersdorf verzeichnet ein Minus von 14 Prozent, Steglitz-Zehlendorf sogar 15 Prozent und Friedrichshain-Kreuzberg sechs Prozent weniger Fläche. Gleichzeitig ist Berlin in dieser Zeit um rund 50.000 Einwohner gewachsen. Ein Missverhältnis, das sich längst spürbar auswirkt.

Doch damit nicht genug: In den kommenden Jahren könnte sich der Druck weiter erhöhen! Zwar wissen die Berliner Bäderbetriebe (BBB), dass zahlreiche Standorte bis 2030 saniert werden müssen, um ihren Betrieb langfristig zu sichern – aber das Geld dafür fehlt.
Ganze zehn Bäder sind davon betroffen, über die gesamte Stadt verstreut. Der Investitionsbedarf ist enorm: Mehr als 200 Millionen Euro müssten laut BBB in die Hand genommen werden, um die maroden Anlagen auf Vordermann zu bringen.
Sechs Bäder besonders gefährdet
Der Blick in die Zukunft fällt ernüchternd aus. Denn wie aus der Anfrage hervorgeht, sind bislang nur vier der zehn Standorte in der Planung berücksichtigt: Geld bekommen das Sommerbad Humboldthain, das Kombibad Seestraße, die Sport- und Lehrschwimmhalle in Schöneberg und die Schwimmhalle Baumschulenweg. Allein dort werden mehr als 107 Millionen Euro verbaut, und die restlichen sechs Bäder bleiben vorerst außen vor.

Genau für diese sechs Standorte könnte es bald richtig eng werden. Ohne Sanierung droht drei von ihnen sogar die komplette Schließung: Das Sommerbad Staaken-West, das Sommerbad Mariendorf und das Stadtbad Lankwitz stehen auf der Kippe. Laut Risikoeinschätzung könnte es dort „ohne Sanierungsarbeiten bis zum Jahr 2030“ zu einem Totalausfall kommen. Die übrigen drei Bäder – das Stadtbad Märkisches Viertel, das Kombibad Gropiusstadt und das Stadtbad Spandau-Nord – müssten sich zumindest auf deutliche betriebliche Einschränkungen einstellen.
Scharfe Kritik von den Linken
Damit wäre ausgerechnet die Grundversorgung betroffen: Schulschwimmen, Vereinsbetrieb, Reha-Angebote sowie das täglich wichtige Freizeit- und Breitensportangebot. Viele Berlinerinnen und Berliner kennen das Problem bereits: gesperrte Becken, überfüllte Schwimmzeiten, lange Wartelisten für Kurse. Wenn weitere Standorte ausfallen, wird sich die Lage dramatisch zuspitzen.

Der Linke-Abgeordnete Kristian Ronneburg kritisiert deshalb scharf, dass die notwendigen Arbeiten noch nicht eingeplant sind. „Trotz Klimapakt und Sondervermögen des Bundes stehen in Berlin viele Bäderstandorte für Schulen, Vereine und die breite Bevölkerung vor einer unsicheren Zukunft. Das ist unverantwortlich angesichts des steigenden Bedarfs an Schwimmunterricht und der Sicherung der Daseinsvorsorge vor Ort“, sagt er gegenüber der Morgenpost.
Berlin muss seine Schwimmbäder unterstützen
Deshalb richtet sich der Blick nun auf den Senat. Ronneburg macht klar, dass schnell gehandelt werden muss: Berlin brauche dringend zusätzliche Mittel, um die bedrohten Standorte zu erhalten. Der Appell an die Landesregierung ist eindeutig – und kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Stadt ohnehin stark unter Sanierungsstau in Schulen, Behörden und öffentlichen Gebäuden leidet. Wenn die Politik nicht reagiert, droht Berlin ab 2030 ein massiver Einbruch seiner ohnehin knappen Wasserflächen.

Klar ist: Ein funktionieren des Netz an Schwimmbädern ist kein Luxus. Es ist entscheidend für die Schwimmausbildung, lebenswichtig für Sicherheit im Wasser – und für viele Menschen ein unverzichtbarer Ort für Sport und Gesundheit.



