Der Berliner KURIER veröffentlicht exklusiv Auszüge aus dem neuen „Großen Tagebuch von Union Berlin“. Die Serie folgt der Geschichte des Vereins chronologisch – von den Anfängen des SC Union Oberschöneweide bis in die Gegenwart. Fast 1000 Einträge, 500 Fotos und 222 QR-Codes mit Video-Highlights erinnern an große Siege, kuriose Begebenheiten und bewegende Momente. Nicht die großen Statistiken stehen im Mittelpunkt, sondern die Geschichten dahinter. Heute geht die Reise mit Teil 4 weiter.

7. Mai 1986: Im Halbfinale des FDGB-Pokals ist Union mit einem 1:2 im Hinspiel nach Dresden gereist und liegt dort nach einer guten Stunde 1:3 zurück. Da folgt das „Wunder von der Elbe“. Sträßer (63.), Probst (68.) und Unglaube (73.) drehen die Partie in elf Minuten – 4:3.
28. Mai 1988: Der Fußballgott ist ein Unioner: In der Schlussminute drückt Mario Maek einen Pfostenabpraller zum 3:2 beim FC Karl-Marx-Stadt über die Linie und sichert den für den Klassenerhalt notwendigen Sieg. Die Union-Fans sind nicht mehr zu halten und stürmen den Platz.

27. Januar 1990: Zehn Wochen nach Mauerfall kommen 51.270 Zuschauer zum ersten Berliner Fußballgipfel zwischen Hertha BSC und Union seit dem 29. April 1950, als die Köpenicker noch Union Oberschöneweide hießen. Es gibt Verbrüderungsszenen im Olympiastadion. Das Ergebnis (2:1 für Hertha) ist zweitrangig.
29. Mai 1993: Beim Bischofswerdaer FC absolviert Lutz Hendel sein letztes Spiel für Union. Seit dem 20. März 1976 bestreitet der kleine Dauerläufer, den alle wegen seiner Größe von 1,69 m nur „Meter“ nennen, 421 Pflichtspiele für den Klub – bis heute Rekord.
16. Juni 1993: Nur drei Tage nach der bierseligen Aufstiegsfeier sickert über die Bildzeitung durch, dass Union Probleme mit der Zweitligalizenz bekommt. Eine gefälschte Bankbürgschaft wird den Köpenickern zum Verhängnis.
23. Februar 1997: „Rettet Union“ heißt die Forderung an Firmen und Politiker von rund 3000 Fans. Mit einem friedlichen Marsch vom Alexanderplatz durch das Brandenburger Tor zur Siegessäule wollen sie helfen, die drohende Pleite des Vereins abzuwenden.
13. März 1998: „Union ist gerettet! Union wird leben!“ Michael Kölmel steigt mit einer Finanzspritze ein. Der Filmrechtehändler wird in den kommenden Jahren einer der wichtigsten wirtschaftlichen Partner des Vereins sein.
2. Februar 2001: Sven Beuckert ist der Held des Halbfinals. Der Torhüter pariert im Elfmeterschießen gegen Gladbach zweimal. Endstand: 6:4 n. E. – Union steht erstmals im Endspiel des DFB-Pokals.
12. Mai 2001: Mit dem zehnten (!) Sieg in Folge (5:0 gegen SV Wilhelmshaven) kann endlich im heimischen Stadion der erstmalige Aufstieg in die 2. Bundesliga gefeiert werden. Präsident Bertram spendiert mit Hilfe von Sponsoren eine Woche Mallorca für die Helden.
27. September 2001: Da die Alte Försterei für EC-Spiele gesperrt ist, steigt die UEFA-Cup-Heimpremiere im Jahnsportpark. 12.111 Fans bejubeln einen 3:0-Erfolg über Valkeakoski (Hinspiel 1:1).
7. Oktober 2002: Union wird beim 1. FC Köln nach desaströser Leistung mit 0:7 abgefertigt. Die Fans skandieren „Das war ’ne ganz enge Kiste“ und besingen die höchste Niederlage nach der Wende mit Galgenhumor.

23. Dezember 2003: 89 Unioner treffen sich „halblegal“ im Stadion, um das Jahr mit ein paar Weihnachtsliedern besinnlich ausklingen zu lassen. Niemand ahnt, dass dies die Geburtsstunde einer Veranstaltung ist, die weltweit jährlich Hunderttausende in Stadien vereint und zum Mythos wird.



