Ilyas Ansah steht nach dem Training vor zwei Wasserflaschen – und darf keinen Schluck trinken. Seit dem 18. Februar halten er und Livan Burcu beim 1. FC Union Berlin den Ramadan ein. Kein Essen, kein Trinken, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Für die Bundesliga hat das spürbare Folgen – und sorgt in Köpenick für besondere Abläufe.
Warum Ansah und Burcu trotz Bundesliga strikt fasten
Zwei Wasserflaschen stehen vor ihm. Kalt. Griffbereit. Ilyas Ansah (21) schaut kurz hin, lächelt – und lässt sie stehen. Trinken ist tabu.

Seit Beginn des Ramadan verzichten der Union-Profi und Teamkollege Livan Burcu (21) tagsüber komplett auf Nahrung und Flüssigkeit. 30 Tage lang, bis zum 19. März. Kein Kaffee. Kein Snack. Vor allem: kein Wasser.
Elf Stunden ohne Wasser – und dann mitten im Spiel essen
„Manchmal ist die Verlockung groß“, sagt Ansah über die zwei griffbereiten Wasserflaschen. „Aber ich ziehe das durch.“
Der Offensivspieler des 1. FC Union ist gläubig, betet fünfmal am Tag, hält sich strikt an die Ramadan-Regeln. Für einen Profi in der Bundesliga ist das eine körperliche Grenzerfahrung. Training, Zweikämpfe, Spieltagsbelastung – und der Körper läuft im Sparmodus.
Baumgart stärkt seine Ramadan‑Profis: „Religion ist wichtig“
Ansah organisiert sich. „Ich stehe nachts auf und schaue, dass ich genug esse und trinke, sodass ich über den Tag bis etwa 18 Uhr gut versorgt bin.“ Die Tage sind im Februar und März kürzer als im Sommer. Das hilft. Dennoch zehrt der Verzicht. Kopfschmerzen durch Flüssigkeitsmangel, weniger Energie, weniger Kraft.

Trainer Steffen Baumgart trägt den Weg mit. „Es ist wichtig, dass sie das machen. Religion ist wichtig auszuleben. Wir besprechen, was man vorher und nachher braucht. Wichtig ist, dass sie offen damit umgehen.“ Und das tun sie.
Wie Union die Fastenpause im Spiel exakt vorbereitet
Während andere Profis Ausnahmen nutzen – der Zentralrat der Muslime räumt Leistungssportlern Erleichterungen ein – bleibt Ansah konsequent.
Besonders kurios wird es am kommenden Sonntag, wenn Werder Bremen um 17.30 Uhr im Stadion An der Alten Försterei gastiert. Sonnenuntergang in Berlin: gegen 18 Uhr. Heißt konkret: Mitten im Spiel dürfen Ansah und Burcu nach rund elf Stunden ohne Nahrung wieder essen und trinken.
Glaube, Disziplin, Identität: Was das Fasten für beide bedeutet
Ob auf der Eratzbank oder auf dem Rasen, das Ziel ist dann klar: Energiespeicher füllen, Blutzucker stabilisieren, Flüssigkeit zuführen – ohne den Magen zu belasten.



