Ramadan in Köpenick

Torhunger zur Fastenzeit: Zwei Union-Profis essen während des Spiels

Kein Wasser, kein Essen bis 18 Uhr: Der 1. FC Union Berlin steht wegen Ramadan, dem heiligen Fastenmonat im Islam, vor besonderen Herausfoderungen.

Author - Sebastian Schmitt
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Ilyas Ansah (M.) und Livan Burcu (r.) prakitzieren Ramadan und halten sich strikt an die Fastenzeit. Essen und Trinken sind tagsüber also nicht erlaubt.
Ilyas Ansah (M.) und Livan Burcu (r.) prakitzieren Ramadan und halten sich strikt an die Fastenzeit. Essen und Trinken sind tagsüber also nicht erlaubt.IMAGO/Matthias Koch

Ilyas Ansah steht nach dem Training vor zwei Wasserflaschen – und darf keinen Schluck trinken. Seit dem 18. Februar halten er und Livan Burcu beim 1. FC Union Berlin den Ramadan ein. Kein Essen, kein Trinken, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Für die Bundesliga hat das spürbare Folgen – und sorgt in Köpenick für besondere Abläufe.

Warum Ansah und Burcu trotz Bundesliga strikt fasten

Zwei Wasserflaschen stehen vor ihm. Kalt. Griffbereit. Ilyas Ansah (21) schaut kurz hin, lächelt – und lässt sie stehen. Trinken ist tabu.

Livan Burcu und Ilyas Ansah halten sich als Muslime streng an die Ramadan-Regeln. Speziell gegen den SV Werder Bremen wird es beim 1. FC Union Berlin wegen der Fastenzeit kurios.
Livan Burcu und Ilyas Ansah halten sich als Muslime streng an die Ramadan-Regeln. Speziell gegen den SV Werder Bremen wird es beim 1. FC Union Berlin wegen der Fastenzeit kurios.IMAGO/Matthias Koch

Seit Beginn des Ramadan verzichten der Union-Profi und Teamkollege Livan Burcu (21) tagsüber komplett auf Nahrung und Flüssigkeit. 30 Tage lang, bis zum 19. März. Kein Kaffee. Kein Snack. Vor allem: kein Wasser.

Elf Stunden ohne Wasser – und dann mitten im Spiel essen

„Manchmal ist die Verlockung groß“, sagt Ansah über die zwei griffbereiten Wasserflaschen. „Aber ich ziehe das durch.“

Der Offensivspieler des 1. FC Union ist gläubig, betet fünfmal am Tag, hält sich strikt an die Ramadan-Regeln. Für einen Profi in der Bundesliga ist das eine körperliche Grenzerfahrung. Training, Zweikämpfe, Spieltagsbelastung – und der Körper läuft im Sparmodus.

Baumgart stärkt seine Ramadan‑Profis: „Religion ist wichtig“

Ansah organisiert sich. „Ich stehe nachts auf und schaue, dass ich genug esse und trinke, sodass ich über den Tag bis etwa 18 Uhr gut versorgt bin.“ Die Tage sind im Februar und März kürzer als im Sommer. Das hilft. Dennoch zehrt der Verzicht. Kopfschmerzen durch Flüssigkeitsmangel, weniger Energie, weniger Kraft.

Trainer Steffen Baumgart hat Verständnis für das Fasten seiner Profis. Ilyas Ansah und Livan Brucu werden während des Spiel gegen Werder Bremen nach Sonnenuntergang essen und trinken.
Trainer Steffen Baumgart hat Verständnis für das Fasten seiner Profis. Ilyas Ansah und Livan Brucu werden während des Spiel gegen Werder Bremen nach Sonnenuntergang essen und trinken.IMAGO/O.Behrendt

Trainer Steffen Baumgart trägt den Weg mit. „Es ist wichtig, dass sie das machen. Religion ist wichtig auszuleben. Wir besprechen, was man vorher und nachher braucht. Wichtig ist, dass sie offen damit umgehen.“ Und das tun sie.

Wie Union die Fastenpause im Spiel exakt vorbereitet

Während andere Profis Ausnahmen nutzen – der Zentralrat der Muslime räumt Leistungssportlern Erleichterungen ein – bleibt Ansah konsequent.

Besonders kurios wird es am kommenden Sonntag, wenn Werder Bremen um 17.30 Uhr im Stadion An der Alten Försterei gastiert. Sonnenuntergang in Berlin: gegen 18 Uhr. Heißt konkret: Mitten im Spiel dürfen Ansah und Burcu nach rund elf Stunden ohne Nahrung wieder essen und trinken.

Glaube, Disziplin, Identität: Was das Fasten für beide bedeutet

Ob auf der Eratzbank oder auf dem Rasen, das Ziel ist dann klar: Energiespeicher füllen, Blutzucker stabilisieren, Flüssigkeit zuführen – ohne den Magen zu belasten.

Fakt ist: In Köpenick bekommt der Begriff Torhunger in diesen Wochen eine ganz eigene Bedeutung. Für die beiden Profis des 1. FC Union ist es mehr als eine Ernährungsfrage. Es ist Glaube. Disziplin. Identität.