Eiserner Spagat

Union trauert um André Rolle – und empfängt Urs Fischer

Trauer und Gänsehaut in Köpenick: Union verabschiedet seine Kult-Stimme und begrüßt seinen Erfolgstrainer zum Bundesliga-Duell.

Author - Sebastian Schmitt
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Andre Rolle, Ex-Stadionsprecher des 1. FC Union, beim 20. Weihnachtssingen 2022. Am Montag verstarb Rolle im Alter von 68 Jahren.
Andre Rolle, Ex-Stadionsprecher des 1. FC Union, beim 20. Weihnachtssingen 2022. Am Montag verstarb Rolle im Alter von 68 Jahren.IMAGO/Sebastian Räppold/Matthias Koch

An der Alten Försterei liegen an diesem Wochenende Trauer und Erinnerung dicht beieinander. Der 1. FC Union Berlin nimmt Abschied von André Rolle, der Stimme einer ganzen Generation. Gleichzeitig kehrt mit Urs Fischer eine Trainer-Legende nach Köpenick zurück. Für Fans, Verein und Stadionsprecher Christian Arbeit wird es ein emotionaler Drahtseilakt.

Es gibt Tage, da fühlt sich Fußball kleiner an als sonst. Und doch größer denn je. In Köpenick steht der 1. FC Union vor einem Wochenende, das mehr ist als ein Bundesliga-Spiel gegen Mainz. Es ist ein Spagat zwischen Abschied und Wiedersehen, zwischen Stille und Applaus, zwischen Trauer und Respekt.

Union nimmt Abschied von Stadionsprecher-Legende André Rolle

Am Montag starb André Rolle im Alter von 68 Jahren. Für viele Unioner war er nicht nur Stadionsprecher. Er war Stimme, Begleiter, Teil der Familie. Von 1990 bis 2003 verlieh er den Spielen an der Alten Försterei Klang und Haltung. Sachlich, witzig, nie laut – aber immer da. Sein „Und niemals vergessen …“ brannte sich ein. So wie das kollektive „Eisern Union!“ von den Rängen.

Rolle war Union. Schon seit 1967 stand er auf den Stehrängen, später engagierte er sich ehrenamtlich, organisierte Turniere, Exilertreffen, half, wo Hilfe gebraucht wurde. Auch nach seinem Rückzug blieb er präsent. Still, aber wirksam. Dass sein Tod die Fans tief trifft, zeigen hunderte Reaktionen. Erinnerungen an erste Stadionbesuche, an Telefonansagen, an Gespräche im Block. Union trauert – geschlossen.

Urs Fischer kehrt zurück: Ein Wiedersehen voller Emotionen

Wie der Abschied genau aussehen wird, ist noch offen. Möglich ist eine Gedenkminute vor dem Anpfiff, ebenso, dass Union mit Trauerflor in das erste Heimspiel des Jahres geht. Ein stilles Zeichen – passend zu einem Mann, der nie im Mittelpunkt stehen wollte und doch immer da war.

Und dann ist da dieser Sonnabend. Erstes Heimspiel des Jahres. Gegen Mainz. Mit Urs Fischer. Der Mann, der Union von der Zweiten Liga bis in die Champions League führte. Fünfeinhalb Jahre Erfolg, Demut, eiserne Prinzipien. Seine Rückkehr nach Köpenick wird herzlich, würdig, laut. Und doch schmerzt sie.

Warum dieser Tag für Union mehr ist als nur ein Bundesliga-Spiel

Für die Fans bedeutet das: Applaudieren und Schlucken. Für die Mannschaft: Fokussieren und funktionieren. Für Christian Arbeit wird es besonders schwer. Als Nachfolger von Rolle ist er nicht nur Stadionsprecher, sondern Hüter der Erinnerung. Wenn er in der Halbzeit wie immer die Namen der verstorbenen Unioner verliest, wird auch André Rolle dazugehören. Die Stimme ehrt die Stimme.

Union muss an diesem Tag beides können. Abschied nehmen. Und weitermachen.