Die Fans mussten zittern - und wurden am Ende bitter enttäuscht. Foto: Moritz Eden/City-Press GmbH

Schade, Union, und ganz bitter dazu! An einer Überraschung schnuppern die Eisernen bei ihrer Wiederkehr nach Europa nach 20 Jahren. In Unterzahl heizen sie Tschechien-Dauermeister Slavia Prag beim Start in die Conference League ein, werden aber beim 1:3 (0:1) trotz aufopferungsvollen Kampfes maßlos enttäuscht.

Am Ende entledigt sich Urs Fischer seines Sakkos. Egal ist dem Union-Coach der feine Zwirn, so sehr geht er mit. Es hat auch ihn mitgenommen, was den Eisernen eine Stunde bei Dauerregen alles passiert ist. Ein etwas komisches Gegentor durch Alexander Bah zum 0:1 haben sie kassiert (18.), schon vor der Pause Paul Jaeckel nach mehreren Foulspielen mit Gelb-Rot verloren (39.), in Unterzahl aber nicht den Mut. Im Gegenteil. Stärker sind sie geworden, ins Spiel gefunden haben sie, nachdem sie zuvor durch Max Kruse und Taiwo Awoniyi lediglich Nadelstiche setzen, durch den Nigerianer auch treffen, er bei Kruses Pass aber im Abseits steht (57.).

Als sich viele der mindestens 3000 mitgereisten und für prächtige Stimmung sorgenden Union-Fans noch die Haare raufen, holt Fischer zum fast genialen Schachzug aus: Mit einem Vierfach-Wechsel (!) krempelt der Schweizer das Team nicht nur um, er haucht ihm, obwohl auch Kruse und Awoniyi nicht mehr dabei sind, vielmehr neues und weiteres Leben ein: Querpass von Joker Sheraldo Becker auf Joker Kevin Behrens – drin! Das 1:1 (70.). Der Ausgleich, der noch eine halbe Stunde zuvor blanke Utopie gewesen ist und der die Eisernen vom verheißungsvollen Start träumen lässt.

Kevin Behrens vom 1. FC Union während des Spiels gegen Slavia Prag. Foto: Moritz Eden/Citypress

Zehn Minuten nur fehlen den Eisernen zum ersten Coup auf ihrem diesjährigen Trip durch Europa. Es sieht gut aus, fast schon zu gut, weil Slavia nach der Pause keine Präsenz mehr zeigt und kaum noch torgefährlich wird. Die Eisernen haben alles im Griff, eigentlich. Dann aber werden sie doch vom Pech eingeholt, das in dieser Situation, eine Halbzeit schon in Unterzahl haben sie überstanden, so brutal daherkommt wie ein Schlag in die Magengrube.

Robin Knoche fälscht einen Torschuss, der kaum gefährlich hätte werden können, derart unglücklich ab, dass der Ball Jan Kuchta genau vor die Füße fällt. Der Slavia-Joker, aus dem Nichts frei vor Andreas Luthe aufgetaucht, hat beim 2:1 keinerlei Mühe (84.). Das ist, selbst ohne rot-weiße Union-Brille, ziemlich ungerecht. Der Fußball-Gott ist in dieser Sekunde ganz und gar nicht auf Seite der Eisernen. „Es war mehr drin“, sagt Urs Fischer“, „gerade in der zweiten Halbzeit haben wir es sehr gut gemacht. Aber bei den beiden späten Gegentoren kam ein bisschen Pech dazu und auch ein wenig Müdigkeit.“

Ganz zum Schluss kommt das 3:1 durch Ivan Schranz

Was ganz zum Schluss nämlich kommt, das 3:1 durch Ivan Schranz (88.), ist schon nicht mehr zu verkraften. Unter Luthe flutscht der klitschnasse Ball hinter die Linie. Das haben die Eisernen nicht verdient, niemals. Aber ihre Lust auf Europa ist trotzdem geblieben und das letzte Wort im Kampf ums Weiterkommen noch lange nicht gesprochen.