Der Videobeweis soll für Gerechtigkeit sorgen – doch er sorgt vor allem für Wut. Ex-Schiedsrichter Bernd Heynemann rechnet jetzt schonungslos mit dem VAR ab. Seine Worte treffen mitten ins Herz des Problems, das Fans, Spieler und auch Union Berlin seit Jahren beschäftigt. Und plötzlich stellt sich eine unbequeme Frage: Hat der Fußball die Kontrolle verloren?
„Der Fußball verliert seine Seele“ – Heynemanns Klartext
Der Frust sitzt tief. Auf den Rängen. Auf dem Platz. Und jetzt auch bei einem, der es wissen muss. Bernd Heynemann (72), von der DDR-Oberliga zum Top-Schiedsrichter in Bundesliga und auf der großen internationalen Bühne, legt den Finger in die Wunde – und der brennt.
„Wir brauchen keine Strafraum-Polizei“, sagt er im Gespräch mit der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung. Ein Satz, der sitzt. Und einer, der die Diskussion um den VAR neu entfacht.
Warum der VAR für Frust statt Gerechtigkeit sorgt
Denn genau das ist das Problem: Der Videobeweis greift immer häufiger ein, sucht Kontakte, bewertet Zweikämpfe in Superzeitlupe – und raubt dem Spiel das, was es ausmacht. Tempo. Emotion. Instinkt.

Heynemann sieht den Fußball auf einem gefährlichen Weg. „Der Referee gehört auf den Platz. Punkt.“ Klare Worte. Und ein direkter Angriff auf das System aus dem „Kölner Keller“, das Woche für Woche Entscheidungen seziert – oft bis zur Unkenntlichkeit.
Union Berlin und der Ärger über den Kölner Keller
Die Szene aus Münster? Für ihn kein Ausrutscher, sondern ein Symptom. Fans ziehen beim Spiel gegen Hertha BSC den Stecker, weil sie sich nicht mehr gehört fühlen. Weil sie das Gefühl haben, dass der Fußball ihnen entgleitet. Und genau da schließt sich der Kreis zu Union Berlin.

Auch in Köpenick hat der VAR immer wieder für Ärger gesorgt. Entscheidungen, die Emotionen einfrieren. Jubel, der im Keim erstickt wird. Ein Stadion, das lebt – und plötzlich warten muss.
Playstation‑Fußball? Ex‑Referee warnt vor Kontrollwahn
Heynemann fordert ein Umdenken. Mehr Verantwortung für die Trainer. Weniger Eingriffe. Mehr Gefühl. „Fußball ist ein dynamisches Spiel. Das kannst du nicht komplett regeln“, sagt der Magdeburger.
Vor allem die Handspiel-Regel treibt ihn um. Früher klar, heute ein Flickenteppich aus Interpretationen. „Wenn du aus zwei Metern angeschossen wirst – was willst du da machen?“, fragt er. Eine einfache Frage. Ohne einfache Antwort.
Zurück zum Kern: Weniger Technik, mehr Emotion
Doch eine Botschaft zieht sich durch alles: Der Fußball verliert sich in Details. In Technik. In Kontrolle. Und vielleicht ist genau das die größte Gefahr.
