Der Schuss ins Union-Glück: Sheraldo Becker nimmt Maß und trifft ins Lange Eck zum Sieg für den 1. FC Union.
Der Schuss ins Union-Glück: Sheraldo Becker nimmt Maß und trifft ins Lange Eck zum Sieg für den 1. FC Union. Foto: Imago/Matthias Koch

Der 1. FC Union kann doch Europa! Was für ein Spiel liefern die Eisernen bei Schwedens Rekordmeister Malmö FF ab. Mit einem 1:0 (0:0) melden sie sich im Wettbewerb zurück, haben jedoch etliche Schock-Momente mit Rot gegen Andras Schäfer und einem drohenden Spielabbruch zu überstehen. Weil aber Tormaschine Sheraldo Becker trifft, holen die Eisernen ihren ersten Dreier.

So viel Nervenkitzel braucht keiner! So viel Aufregung auch nicht. Eigentlich. Gerade nimmt die Partie nach der Pause Fahrt auf, ist sie schon wieder zu Ende. Zumindest für eine knappe halbe Stunde. Hier fliegen Raketen auf den Rasen, da werden Böller gezündet. Erst werden vermummte Union-Fans, von denen es unter den etwas mehr als 1000 Anhängern der Eisernen etliche gibt, als Randalierer vermutet, dann aber dreht sich alles.

Union-Boss Dirk Zingler ist fassungslos

Nachdem der türkische Schiri Halil Umut Meler das Spiel unterbrochen und die Teams in die Kabine geschickt hat, rekonstruiert die Polizei den Hergang. Danach soll die erste Rakete aus einem neutralen Block geflogen und von Malmö-Fans Fahnen von Hertha BSC gezeigt worden sein. Was sind da nur für Wahnsinnige unterwegs!

Auch Union-Boss Dirk Zingler ist fassungslos: „So etwas ärgert mich total. Das werden wir auswerten. Und Leute, die wir uns eingeladen haben, werden nie wieder eine Einladung bekommen.“

Unter der Bedingung, dass keine noch so winzige Störung geschieht, gibt Meler das Spiel wieder frei. Sportlich geht es putzmunter weiter. Kaum hat Frederik Rönnow gegen Martin Olsson großartig gerettet (63.), geht Sheraldo Becker mit einem Pass von Robin Knoche ab und bleibt eiskalt.

Sheraldo Becker sorgt für mehrfache Erlösung

Das 1:0 (68.) ist eine mehrfache Erlösung. Es ist nach zwei 0:1-Niederlagen Unions erstes Tor in der Europa League und auch noch eines in Unterzahl. Nur: Mit dem Tor wird im Union-Block, echt durchgeknallt, ein Bengalo gezündet. Meler drückt beide Augen zu.

Die Geschichte vor der Unterbrechung und vor dem Tor hat nämlich Andras Schäfer geschrieben. Völlig unfreiwillig zwar, dafür aber mega-kurios. Diese Szene wird der Ungar, neben Knoche, Danilho Doekhi und Julian Ryerson gegenüber dem 0:2 in der Liga bei Eintracht Frankfurt neu in der Startelf, nie vergessen.

Völlig unbedrängt bekommt Schäfer Sekunden vor dem Wechsel an der Mittellinie den Ball, ist mit den Gedanken schon dabei, einen weiten Pass in die Spitze zu schlagen, dann aber hebelt er sich slapstick-artig selbst aus. Anders Christiansen riecht den Braten, geht vorbei – und wird von Schäfer umgerissen: Rot!

Rot für Andras Schäfer für den Jahres-Rückblick

Der Schock kurz vor der Pause: Andras Schäfer sieht Rot und muss vom Platz.
Der Schock kurz vor der Pause: Andras Schäfer sieht Rot und muss vom Platz. Foto: Imago/TT

Es ist eine Szene für alle Jahres-Rückblicke. Dadurch wird das, was 44 Minuten lang ein hartes Stück war, ein noch dickeres Brett. Zum Glück hat Urs Fischer in der Pause Zeit, sein Team auf die neue Situation einzuschwören. Erst gegen Mittag war der Coach in Malmö eingetroffen, er hatte sich nach einer Corona-Infektion freigetestet und war nachgedüst.

So schlecht kommen die Rot-Weißen auch nicht aus der Kabine, sind erstaunlich mutig und fahren einige Angriffe, kommen vorerst aber nicht zum zwingenden Abschluss. Bis Becker abgeht und für das glückliche Ende sorgt.

Lesen Sie hier mehr über den 1. FC Union >>