Gustav Adolf „Täve“ Schur wird nicht in die Ruhmeshalle des deutschen Sports aufgenommen. Das gab die Stiftung Deutsche Sporthilfe auf Anfrage des Berliner KURIER bekannt. Nachdem die beiden Anläufe in den Jahren 2011 und 2017, ihn in die „Hall of Fame des deutschen Sports“ aufzunehmen, gescheitert waren, wird es keinen dritten Versuch geben.
„Täve“ Schur fährt zahlreiche Erfolge ein
Dass die größte Radsport-Legende der DDR diese Ehrung nicht erhält, stößt bei vielen Menschen negativ auf. „Täve“ Schur war der erste Deutsche, der die Weltmeisterschaft der Amateure gewann. Außerdem sicherte er sich 1955 und 1959 den Sieg bei der Friedensfahrt. Bei Olympia 1956 und 1960 holte er Bronze und Silber. In der DDR wurde er neunmal zum „Sportler des Jahres“ gewählt und erhielt 2025 den Verdienstorden des Landes Sachsen-Anhalt.
Schur nicht in „Hall of Fame“ – KURIER-Leser enttäuscht
Trotzdem wird der 95-Jährige nicht in den illustren Kreis der größten deutschen Sportlerinnen und Sportler aufgenommen. Über die genauen Gründe gibt die Sporthilfe auf KURIER-Nachfrage keine Auskunft. Es heißt lediglich, dass die Jury die ersten beiden Versuche abgelehnt hätte. Daher gebe es „derzeit keine neuen Informationen, die erwarten lassen, dass ein dritter Anlauf erfolgreich wäre“, heißt es von der Sporthilfe.
Die Enttäuschung darüber ist bei vielen Menschen groß. Sie können die Entscheidung nicht nachvollziehen und äußern gegenüber dem KURIER ihr Unverständnis.

KURIER-Leser meint: „Täve war und ist der Größte“
„Er hat es als Erster verdient!“, schreibt ein Leser. „Das Gremium, das die Aufnahme ablehnt, hat nie Leistungssport betrieben.“ Dass Schur möglicherweise aufgrund seiner Äußerungen zum Staatsdoping in der DDR nicht aufgenommen wird, stößt bei vielen negativ auf. „Im Westen wurde auch gedopt“, heißt es von dem Leser.
„Täve war und ist der Größte“, schreibt ein anderer KURIER-Leser kurz und knapp. Für ihn sei Schur „Idol und Vorbild“. Ein anderer blickt auf das Leben der Radsport-Ikone differenziert. „Der Täve mag eine fragwürdige Ansicht zum DDR-System haben, aber man sollte seine sportlichen Erfolge nicht vergessen“, heißt es. „Andere Sportler der ehemaligen DDR werden trotz Stasi u.a. gehätschelt. Denkt drüber nach.“
Wenn Täve Schur, der größte Rennradfahrer der Nation, nicht in die Hall of Fame aufgenommen wird, ist der ganze Wert dieser Hall mehr als zweifelhaft.
„Täve“ ist bei den Ostdeutschen weiter sehr anerkannt
Nach den beiden Absagen 2011 und 2017 hatte Schur gesagt, dass es ihm mittlerweile egal sei und er gar nicht mehr aufgenommen werden wolle. „Ich hoffe mal, dass es Täve wirklich nichts ausmacht, dass er diese Ehre nicht erfährt“, schreibt ein weiterer Leser. „Er war ein Ausnahmesportler, und nicht nur das: Er war zudem ein fairer Sportler. Aber das scheint heutzutage nichts mehr wert zu sein.“
„Die Ruhmeshalle beschädigt sich selbst, denn sie trifft politische Entscheidungen. Ansonsten hat Täve recht, er ist in unseren Herzen“, heißt es in einem anderen Kommentar mit Bezug auf „Täves“ Äußerung, dass er keine Aufnahme in die „Hall of Fame“ brauche. „Meine Hall of Fame ist das Volk“, sagte Schur einst.
„Täve“ Schur wird „auf Lebenszeit gewürdigt“
Mit etwas Pathos in den Worten heißt es von einem Leser: „Unsere DDR-Sportler haben so viel Ehre im Leib, dass sie auf diesen Scheißdreck verzichten können. Sie wurden und werden von uns DDR-Bürgern auf Lebenszeit gewürdigt.“
Ein anderer meint derweil: „Ich ziehe den Hut, vor einer Persönlichkeit, die immer dankbar war für eine Entwicklung als Sportler unter dem Kontext seiner großen Zeit. Täve hat sicher auch kritische Gedanken zur Entwicklung des Sports, aber Nestbeschmutzung ist nie sein Stil gewesen. Das lässt er andere tun, für ihn wäre eine Ehrung sonst eine ‚hall of shame‘.“

DDR-Legende lässt sich nicht verbiegen
„Natürlich muss Schur aufgenommen werden“, heißt es an anderer Stelle. „Ich denke, er zeigt Rückgrat und lässt sich nicht verbiegen. Ist das ein Verbrechen? Jeder darf eine Meinung haben, auch Schur!“
Ein anderer KURIER-Leser meint sogar, dass die gesamte „Hall of Fame“ ohne Schur kaum einen Wert hat. „Wenn Täve Schur, der größte Rennradfahrer der Nation, nicht in die Hall of Fame aufgenommen wird, ist der ganze Wert dieser Hall mehr als zweifelhaft.“




