Verkäufer überrascht

Preis-Schock bei „Bares für Rares“! Zigarettenetui macht fantastischen Gewinn

Bei „Bares für Rares“ erlebt Verkäufer Marco den Mega-Moment: Sein „Schatüllchen“ entpuppt sich als Silber-Schatz aus einer Edel-Manufaktur.

Author - Stefan Henseke
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In „Bares für Rares“ wird ein 100 Jahre altes Zigarettenetui angeboten. Moderator Horst Lichter und Expertin Heide Rezepa-Zabel sind begeistert.
In „Bares für Rares“ wird ein 100 Jahre altes Zigarettenetui angeboten. Moderator Horst Lichter und Expertin Heide Rezepa-Zabel sind begeistert.ZDF

Die ZDF-Sendung „Bares für Rares“ treibt viele auf Flohmärkte und zu Haushaltsauflösungen. Mit der Hoffnung, dort einen Schatz zu finden, der eigentlich viel mehr wert ist. Bei so viel Aufmerksamkeit sollte man doch denken, dass die Zeit der Schnäppchen vorbei wäre. Weit gefehlt. Das zeigt die aktuelle Sendung. Hier macht der Verkäufer einen fantastischen Gewinn mit einem Stück voller Geschichte.

Horst Lichter ist vom Schatüllchen begeistert

In der aktuellen Ausgabe von „Bares für Rares“ bringt der Verkäufer ein Teil mit, das Moderator Horst Lichter sofort begeistert. „Das Kistchen ist übrigens sehr schön. Das gefällt mir“, sagt er und berichtigt sich gleich: „Das heißt aber nicht Kistchen. Nee, nee, Schatüllchen, Döschen.“

Doch die Expertin, die Kunsthistorikerin Heide Rezepa-Zabel, korrigiert ihn: „Es ist ein Zigarettenetui.“ Das „Schatüllchen“ liegt silberglänzend auf dem Tisch, verziert mit einem wunderschönen Pferd. Mitgebracht von Marco, einem 46-jährigen Angestellten aus Bad Soden-Salmünster. Er erzählt, dass er das Etui bei einer Haushaltsauflösung entdeckt hätte. „Das Döschen hat mich gefesselt und ich habe gesagt: Das nehme ich mit.“

Heide Rezepa-Zabel schaltet sofort auf Begeisterung um. Sie sieht nicht nur ein profanes Zigarettenetui, sondern Kunst vor sich. „Sehr inspirierend“, sagt die Expertin. „Dieses Pferd, das ist ja eine Persönlichkeit. Es ist nicht nur eine Standpose, sondern wirklich ein Charakterporträt.“

Sie erklärt, dass das englisches Vollblut wäre. Die Arbeit wäre so kunstvoll, dass man alles sähe. Die ganze Muskulatur, den Glanz des Fells. „Und das ist diesem wunderbaren, schönen Emaille zu verdanken“, sagt sie ganz hingerissen.

Silber aus der Manufaktur Louis Kuppenheim

Heide Rezepa-Zabel erklärt, wie so eine Emaille entsteht. Sie spricht einer Oberfläche, die in verschiedenen Schichten eingebrannt wird, davon, dass jede Farbe einen seperaten Brand benötige. „Und das ergibt eine solche wunderschöne Tiefe.“

Und darüber hinaus bleiche diese Farbe nicht aus, weil es wirklich ein Glas ist, das mit Metalloxiden gefärbt ist. „Was natürlich die Sache hyperempfindlich macht“, stellt daraufhin Horst Lichter fest.

Verkäufer Marco hat bei einer Haushaltauflösung nur 5 Euro für die silberne Rarität bezahlt. Moderator Horst Lichter und Expertin Heide Rezepa-Zabel überraschen ihn mit dem wahren Wert.
Verkäufer Marco hat bei einer Haushaltauflösung nur 5 Euro für die silberne Rarität bezahlt. Moderator Horst Lichter und Expertin Heide Rezepa-Zabel überraschen ihn mit dem wahren Wert.ZDF

In der Tat gibt es bei dem Etui auch leichte Beschädigungen. Über dem Pferdeohren sieht man etwas Krakelee, ein Scharnier ist ein wenig ausgebrochen. Doch den Wert mindert das kaum, wie man gleich noch hören wird.

Das Trägermaterial des prachtvollen Etuis ist Silber. „Und zwar in einer Premiumqualität“, wie die Expertin bewundernd feststellt. Und zwar 935er Silber, höher als der damalige Mindestfeingehalt in Deutschland. Das habe auch den Vorteil, dass es weniger korrodiere, also weniger schwarz anlaufe.

Nicht nur das hochwertige Material sorgt für die Preisüberraschung, die der Verkäufer gleich hören wird. Nein, es ist auch der Hersteller, den eine Punze neben der Silbermarke verrät. Die Silberwarenmanufaktur Louis Kuppenheim in Pforzheim, 1854 gegründet.

Horst Lichter: „Da hast Du alles richtig gemacht, Gratulation“

Diese Firma wäre in den 20er und 30er Jahren wäre das DAS Unternehmen weltweit gewesen, das die besten Emailierungen machte, erzählt Heide Rezepa-Zabel. Doch da die Besitzer „jüdischen Glaubens waren, wurde das Unternehmen geschlossen, 1938, und dann ein Jahr später gleich liquidiert.“

Als Horst Lichter nach dem Alter dieser Pretiose fragt, datiert die Expertin sie auch auf die 20er und 30er Jahre. In der Zwischenkriegszeit wäre dieser luxoriöse Lifestyle beliebt gewesen. Sie spricht von British-Style und Rennbahn-Style.

Horst Lichter will es jetzt wissen: „Ich hoffe, du hast nicht so wahnsinnig viel bezahlt“, sagt er zum Verkäufer. Die Antwort sorgt für Sprachlosigkeit im Raum. „Ich habe fünf Euro dafür gegeben“, sagt Marco. Da schnaufft Heide Rezepa-Zabel hörbar tief durch. Und Lichter sagt: „Da hast du alles richtig gemacht, Gratulation.“

Verkäufer Marco wünscht sich 250, 300 Euro. Weit gefehlt. Denn allein der Silberpreis liegt schon bei 130 Euro. „Aber der Marktwert, der sollte hier bei 600 bis 800 Euro liegen“, sagt die Expertin.

Das überrascht auch Marco – er will natürlich verkaufen, bekommt von Horst Lichter die Händlerkarte für den Händlerraum bei „Bares für Rares“.

Auch die Händler sind gleich angezündet, als sie das prachtvolle Zigarettenetui sehen. Walter Lehnertz sagt: „Das ist was zu rauchen.“ „Das ist für Pferdeliebhaber“, erklärt Julian Schmitz-Avila.

Bares für Rares: Ein Bietergefecht entbrennt

Besonders Händler David Suppes ist begeistert, als er den Hersteller erkennt. „Der hat ganz exqusite Sachen gemacht“, sagt er. „Es ist ein sehr gefälliges Motiv natürlich. Es lässt sich leicht verkaufen. Es gibt unfassbar viele Pferdefreaks.“

Suppes startet mit 100 Euro, Schmitz-Avila. erhöht auf 120. Ein Bietergefecht entbrennt. Fast alle sind dabei. Schnell springt die Summe hoch auf 260 Euro.

Als Julian Schmitz-Avila die aufgerufene Summer der Expertise hört, sagt er nur: „Um Gotteswillen ...“ Doch David Suppes bietet weiter: „Ich hätte Lust drauf, ich habe da die entsprenden Kreise und würde auf jeden Fall mal mit 300 Euro weitermachen.“

Händler David Suppes will das silberne Zigarettenetui unbedingt haben.
Händler David Suppes will das silberne Zigarettenetui unbedingt haben.ZDF

Schnell geht es weiter bis auf 370 Euro. „Wo ist ihre Schmerzgrenze?“, fragt Händlerin Elisabeth Nüdling. Der Verkäufer selbstbewusst: „An 500 hätte ich gedacht.“

Rar und teuer: Verkäufer Marco macht 88-fachen Gewinn

400 Euro würde er noch machen, sagt daraufhin Händler David Suppes.  „Kommen Sie mir entgegen. Ich hätte Lust drauf. Ich habe auch Käufer, die Kuppenheim wertschätzen.“ Dann legt er noch 40 Euro darauf, und der Verkäufer Marco sagt ja.

440 Euro. Das ist zwar weniger, als die Expertise versprach.  Aber: 440 Euro sind auch das 88-Fache (!) der Summe, die Marco einst bei der Haushaltsauflösung bezahlte. Der Verkäufer freut sich: „Jetzt werde ich erstmal was essen gehen, den Rest werde ich für die Urlaubskasse nutzen und mir ein, zwei schöne Tage machen. Gerade weil ich es so günstig erworben habe, für 5 Euro, ist es um so schöner.“

Schauen Sie „Bares für Rares“ – und hätten Sie das Zigarettenetui für diesen Preis verkauft? Schicken Sie uns Ihre Meinung per Mail an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!