Ehrliche Beichte

Schlagerstar Frank Schöbel: Darum bin ich in der DDR geblieben

Es hätte für ihn viele Möglichkeiten gegeben, in den Westen abzuhauen. Aber der Sänger wollte nie weg aus der DDR – obwohl sein Bruder schon geflohen war.

Author - Mariella Mandurino
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DDR-Star Frank Schöbel mitten in Ost-Berlin: Der Sänger wollte nie in den Westen fliehen.
DDR-Star Frank Schöbel mitten in Ost-Berlin: Der Sänger wollte nie in den Westen fliehen.Imago

Während sein Bruder die DDR hinter sich ließ und in den Westen floh, traf Frank Schöbel (83) eine ganz andere Entscheidung: Der Schlagerstar blieb. Obwohl er selbst immer wieder in den Westen reisen durfte, kam eine Flucht für ihn nie infrage. Jetzt verrät Schöbel, warum er die DDR trotz aller Einschränkungen nie verlassen wollte und welcher emotionale Grund ihn bis heute geprägt hat.

Frank Schöbel wollte seine Fans nicht zurücklassen

Mit Hits wie „Wie ein Stern“ (1971) oder dem Album „Weihnachten in Familie“ (1985) eroberte Schöbel die Herzen der Fans. Seit mittlerweile über 60 Jahren ist der Schlager-Star im Musikgeschäft. In Leipzig geboren, arbeitete sich der Berliner Frank Schöbel immer weiter hoch, durfte sogar zur WM 1974 in die BRD fahren und vor über 600 Millionen Fernsehzuschauern seinen Hit „Freunde gibt es überall“ zur Eröffnungsfeier singen.

Frank Schöbel sang bei der Eröffnungsfeier der WM 1974 im Frankfurter Waldstadion.
Frank Schöbel sang bei der Eröffnungsfeier der WM 1974 im Frankfurter Waldstadion.Imago

In der ARD-Sendung „Das rote Sofa“ erzählt Schöbel von seiner ersten Begegnung mit Westdeutschland. „Das erste Mal in den Westen fahren, das war für uns wie auf den Mond fliegen, das war der Hammer“, erinnert sich der Musiker. Aus der DDR flüchten wollte Schöbel trotzdem nicht.

Über die Flucht seiner Familie erzählt er: „Meine Mutter ist als Rentnerin irgendwann rüber, Bruder ist früh abgehauen, 1956. Ich habe den mal gefragt: ‚Warum bist du denn abgehauen?‘ Da sagt er: ‚Na meine Kumpels sind alle rüber und da bin ich hinterher‘. Meistens hört man doch: ‚Ich kann es nicht mehr aushalten‘. Das war gar nicht so, er ist einfach seinen Kumpels hinterher nach Hamburg.“

Moderatorin Inka Schneider will wissen, ob auch er über eine Flucht nachdachte. „Ne, niemals“, schießt es aus dem DDR-Star raus. „Ich habe kein besseres Bild (im Kopf, d. Red.) als den Pfarrer, der seine Gemeinde nicht verlässt. In meinem Fall die Hörgemeinde, meine Fans. Das wollte ich nie.“

Schöbel weiß nicht, ob er auch im Westen solche großen Erfolge erlebt hätte. „Ob ich das alles hätte machen können, die Filme, die Shows, die ich gemacht habe und die ich machen durfte. Ich habe sogar mal Regie führen dürfen, das wollte ich unbedingt machen und viele andere Sachen. Das wäre schwer gewesen.“

Durch den Job durfte Frank Schöbel in den Westen reisen

Außerdem war ihm die Verbindung zu seinen Fans wichtig. Er betont: „Es können doch nicht alle abhauen. Das geht nicht.“ Moderatorin Inka Schneider reagiert: „Man darf nicht vergessen, auch in der DDR wurde geliebt, getanzt, gelacht gesungen.“ Schöbel stimmt zu: „Man hat sich eben eingerichtet, machen viele heute auch wieder.“ Außerdem hatte der Schlagersänger das Privileg, durch seinen Job häufig in den Westen zu reisen – mit Ausnahmen.

Frank Schöbel im Juni 1975: Der DDR-Musikersingt mit einer Kindergruppe Lieder der Schallplatte „Komm wir malen eine Sonne“.
Frank Schöbel im Juni 1975: Der DDR-Musikersingt mit einer Kindergruppe Lieder der Schallplatte „Komm wir malen eine Sonne“.Foto: Archiv Klaus Fischer/Sorge

„Ich durfte durch den Beruf, wie die Sportler auch, schon mal (in den Westen, d. Red.) fahren. Nicht immer, zur Hitparade durfte ich nicht fahren, da haben die Genossen oben gesagt: ‚Da fahren wir nicht hin'. Das haben die ganz alleine entschieden, das musste ich gar nicht entscheiden“,  sagt er und lacht.

Nach dem Mauerfall 1989 war es lange ruhig um den Musiker. Die Stars aus dem Osten hatten es plötzlich schwerer. Gerade im Fernsehen. Die alten Stars aus dem Westen wurden von vielen Fernsehmachern bevorzugt. Und auch auf den Bühnen in Ostdeutschland waren anfangs andere Musiker gefragt. Da gab es einen großen Hunger der Fans auf die Stars aus dem Westen, die man endlich auch mal live sehen wollte. 

Trotzdem wurde Frank Schöbel nie vergessen und feierte auch in Westdeutschland große Erfolge. Aktuell arbeitet der 83-Jährige an einer neuen Platte und hat noch einen sehnlichen Wunsch offen: „Ich würde gerne einen Musikfilm machen, einen lustigen, nicht ganz blöden. Ich bin in zwei Gesellschaftsordnungen großgeworden.“ Und das will er in dem Film gerne verbinden.

Sind Sie auch ein Fan von Frank Schöbel und seiner Musik? Dann schreiben Sie uns von Ihren Erlebnissen mit der Musik des DDR-Stars: leser-bk@berlinerverlag.com