Während sein Bruder die DDR hinter sich ließ und in den Westen floh, traf Frank Schöbel (83) eine ganz andere Entscheidung: Der Schlagerstar blieb. Obwohl er selbst immer wieder in den Westen reisen durfte, kam eine Flucht für ihn nie infrage. Jetzt verrät Schöbel, warum er die DDR trotz aller Einschränkungen nie verlassen wollte und welcher emotionale Grund ihn bis heute geprägt hat.
Frank Schöbel wollte seine Fans nicht zurücklassen
Mit Hits wie „Wie ein Stern“ (1971) oder dem Album „Weihnachten in Familie“ (1985) eroberte Schöbel die Herzen der Fans. Seit mittlerweile über 60 Jahren ist der Schlager-Star im Musikgeschäft. In Leipzig geboren, arbeitete sich der Berliner Frank Schöbel immer weiter hoch, durfte sogar zur WM 1974 in die BRD fahren und vor über 600 Millionen Fernsehzuschauern seinen Hit „Freunde gibt es überall“ zur Eröffnungsfeier singen.

In der ARD-Sendung „Das rote Sofa“ erzählt Schöbel von seiner ersten Begegnung mit Westdeutschland. „Das erste Mal in den Westen fahren, das war für uns wie auf den Mond fliegen, das war der Hammer“, erinnert sich der Musiker. Aus der DDR flüchten wollte Schöbel trotzdem nicht.
Über die Flucht seiner Familie erzählt er: „Meine Mutter ist als Rentnerin irgendwann rüber, Bruder ist früh abgehauen, 1956. Ich habe den mal gefragt: ‚Warum bist du denn abgehauen?‘ Da sagt er: ‚Na meine Kumpels sind alle rüber und da bin ich hinterher‘. Meistens hört man doch: ‚Ich kann es nicht mehr aushalten‘. Das war gar nicht so, er ist einfach seinen Kumpels hinterher nach Hamburg.“
Moderatorin Inka Schneider will wissen, ob auch er über eine Flucht nachdachte. „Ne, niemals“, schießt es aus dem DDR-Star raus. „Ich habe kein besseres Bild (im Kopf, d. Red.) als den Pfarrer, der seine Gemeinde nicht verlässt. In meinem Fall die Hörgemeinde, meine Fans. Das wollte ich nie.“
Schöbel weiß nicht, ob er auch im Westen solche großen Erfolge erlebt hätte. „Ob ich das alles hätte machen können, die Filme, die Shows, die ich gemacht habe und die ich machen durfte. Ich habe sogar mal Regie führen dürfen, das wollte ich unbedingt machen und viele andere Sachen. Das wäre schwer gewesen.“
Durch den Job durfte Frank Schöbel in den Westen reisen
Außerdem war ihm die Verbindung zu seinen Fans wichtig. Er betont: „Es können doch nicht alle abhauen. Das geht nicht.“ Moderatorin Inka Schneider reagiert: „Man darf nicht vergessen, auch in der DDR wurde geliebt, getanzt, gelacht gesungen.“ Schöbel stimmt zu: „Man hat sich eben eingerichtet, machen viele heute auch wieder.“ Außerdem hatte der Schlagersänger das Privileg, durch seinen Job häufig in den Westen zu reisen – mit Ausnahmen.



