Debbie Harry bei der diesjährigen MET-Gala in New York City imago/Upi Photo

Vor zwei Jahren wurde sie mit ihrer legendären Band Blondie zu einem Auftritt nach Kuba eingeladen. Für Sängerin Debbie Harry wurde das Konzert in Havana zu einem echten Highlight im Leben. Die Fans können die Vorbereitungen auf die Reise und einen Teil des Konzerts in der neuen Kurz-Dokumentation „Blondie: Vivir En La Habana“ nacherleben. Die 76-Jährige rührt dafür die Werbetrommel und blickt noch einmal auf ihre erfolgreiche Karriere zurück.

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Berliner KURIER: Vor 43 Jahren ist Blondie durch den Hit „Heart of Glass“ weltberühmt geworden …

Debbie Harry: … und ich finde es sehr erstaunlich und wirklich sehr schmeichelhaft, wenn Leute bis heute wissen, wer ich bin. Zum Glück hatte ich zwar immer einen gewissen Bekanntheitsgrad, doch ich hatte dennoch die Möglichkeit, mir ein Privatleben mit Freunden zu erlauben. Wenn ich eine Ikone wie J.Lo oder Cher wäre, würde das nie gehen.

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Sie sehen sich also nicht auf einer Stufe mit den beiden?

Nein, das sind internationale Superstars. Cher ist mein Vorbild. Ich habe sie schon immer bewundert, wie sie von null auf 1 Million in ihrem Leben gesprungen ist. Sie kam aus dem Nichts und hat sich alles selbst erarbeitet. Und dass sie trotz ihrer großartigen Karriere nie ihren Sinn für Humor verloren hat – das macht sie zu einem ganz besonderen Talent!

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Ihr Privatleben hüten Sie sehr genau. Eigentlich weiß man von Ihnen nur, dass Sie auf Ihrem Landsitz in New Jersey mit Ihren Hunden leben.

Reicht das nicht?

Könnten Sie zumindest verraten, was Sie im Leben glücklich macht?

Was mich seit jeher glücklich hält, sind meine Freunde. Und ich liebe es, mir Filme im Kino anzuschauen und in New York ins Theater oder zu einer Ballettaufführung zu gehen. Deshalb war die Pandemie für mich auch sehr hart, weil ich vieles, was ich wirklich liebe, nicht machen konnte.

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Wie haben Sie diese schwierige Zeit überstanden?

Ich habe viel meditiert. Meditation ist mir sehr, sehr wichtig im Leben geworden. Es stärkt mich körperlich und stößt dazu Glückshormone aus.

Wie halten Sie sich noch fit für Auftritte?

Ich habe seit 2006 eine Fitnessroutine, die mein wundervoller Personal Trainer für mich entwickelt hat. Die basiert darauf, dass man diszipliniert ist, seinen Körper gut kennt und man versteht, wann man die Zügel anziehen muss. Und auch wann man sich mal einen Cheat Day genehmigen darf. Am Ende ist Fitness eine Sache des Kopfs!

Welche verbotenen Dinge stehen denn bei Ihnen am Cheat Day auf der Speisekarte?

Cheeseburger und Pizza! Ich weiß, für viele Leute ist das normales Essen. Bei mir sind eher  Grünkohl-Salat mit gekochtes Hähnchen angesagt. Aber glauben Sie mir, wenn ich es mir erlaube, über die Stränge zu schlagen, dann aber richtig!(lacht)

Wenn Sie Bilder von früher sehen, blicken Sie manchmal mit Wehmut an Ihre Anfangsjahre zurück?

Ich habe mich ehrlicherweise schon oft zurück in die frühen 70er zurückgesehnt. Das New York, in dem ich lebte, war zwar arm und heruntergekommen, doch es war voller Kreativität und unglaublich starker Energie. Ich schätze mich unheimlich glücklich, diese Periode live miterlebt haben zu dürfen. The Velvet Underground hat mich musikalisch sehr beeinflusst. Ihr Sound erinnerte mich übrigens immer an bayerische Volksmusik, mit diesen vollen, intensiven, leicht merkwürdigen Harmonien.

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In Ihrer Doku reisen Sie nach Kuba. Wie haben Ihnen die Insel und die Menschen dort gefallen?

Meine Bewunderung für die kubanische Kultur ist grenzenlos. Ich liebe die Menschen dort, sie strahlen so unheimlich viel Energie und Lebensfreude aus. Und es gibt dort hervorragende und megatalentierte Musiker! Ich wünschte, mein Land und Kuba würden endlich normale Beziehungen pflegen, damit ein regelmäßiger Austausch stattfindet. Dieser ganze politische Müll dauert schon viel zu lange an.

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Sie haben eine Autobiografie mit dem Titel „Face It“ (zu Deutsch: „Sieh es ein“) geschrieben. Gibt es eine Sache in Ihrem Leben, die Sie nur schwer einsehen können?

Ja, dass ich mir oft selbst das Leben schwer mache. Es ist traurig, aber wahr. Ich hatte schon immer das Riesenproblem, dass ich zwei Versionen von mir unter einen Hut bringen muss. Einmal die Debbie, die ich wirklich bin. Und dann die Debbie, die ich in meinen Träumen bin. Das ist eine Herausforderung, wenn beide zusammentreffen. (lacht)

Von Barbra Streisand bis Katy Perry, es gibt eine ganze Reihe von berühmten Musikkolleginnen, die auch nach Jahren vor Live-Auftritten an schwerem Lampenfieber leiden. Kennen Sie das auch?

Nein, das hatte ich nie. Ich glaube, es hat geholfen, dass ich die ersten Jahre mit meinen diversen Bands in winzigen Clubs auftreten musste. Das war immer eine sehr intime Affäre und man lernt, mit den Zuschauern zu spielen. Das hat mir später dann sehr geholfen. Ich gehe einfach auf die Bühne und erledige meinen Job, für den ich bezahlt werde.

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Die Band Blondie um Frontsängerin Debbie Harry im Jahr 1976

Was ist das Coolste daran, ein Rockstar zu sein?

Für mich eindeutig, dass ich mich verkleiden darf. Ich liebe tolle Outfits und Kostüme. Für mich ist Blondie nicht allein meine Bühnenfigur, sie ist ein Teil von mir. Und sobald ich ihren Look habe, werde ich automatisch mutiger und selbstsicherer.

Sie galten immer als Vorreiterin der starken Frau in der Musikindustrie. Sehen Sie sich als Feministin?

Ich sehe mich als eine sehr dickköpfige Person, als eine Frau und als unabhängig. Ich bin keine Expertin, was Feminismus angeht. Aber ich denke, die Zeiten sind für uns Frauen sehr viel besser geworden, seitdem wir in den 60ern unsere BHs verbrannt haben. Damals haben wir um das Recht gekämpft, die Pille nehmen zu dürfen. Wir leben eindeutig in besseren Zeiten. Mein Motto war schon immer: Wir sind alles menschliche Wesen, egal welches Geschlecht wir besitzen!

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