Lithium-Fieber in Deutschland

Zinnwald: Deutschlands Akku‑Schatz – jetzt soll er gehoben werden

In Zinnwald schlummert Zinnwaldit – ein Lithium-haltiges Mineral in großer Menge. Das Unternehmen Zinnwald Lithium will es fördern. Es geht um Milliarden.

Author - Sebastian Krause
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Das Unternehmen Zinnwald Lithium will in zehn Jahren im Erzgebirge Lithium abbauen.
Das Unternehmen Zinnwald Lithium will in zehn Jahren im Erzgebirge Lithium abbauen.Marko Förster

Im Altenberger Ortsteil Zinnwald, direkt an der tschechischen Grenze, wartet ein Rohstoff mit Zukunft: Lithium für Batterien. Das Erz hat dort sogar einen eigenen Namen: „Zinnwaldit“.

Eine der größten Lithium-Lagerstätten in Europa

Seit Jahren wird an der Förderung gearbeitet, nun nimmt das Projekt Fahrt auf. Marko Uhlig, Geschäftsführer von Zinnwald Lithium, sagte dem MDR: „Die Lagerstätte unter Zinnwald ist eine der größten Festgesteinslagerstätten für Lithium in Europa.“ Was bedeutet das?

Ohne Lithium gibt es keine Handy-Akkus

Festgestein bedeutet, „das Lithium ist irgendwo in Mineral eingebaut“, so Uhlig. Das Gestein sei aufwendig zu gewinnen, aber planbar und skalierbar.

Warum der Hype? Uhlig macht’s glasklar: „Was das Lithium so zukunftsträchtig macht, ist, dass es im Periodensystem ganz weit oben steht. Das heißt, es hat die größte Energiedichte. Das bedeutet: Immer dann, wenn ich leichte Batterien brauche – kleine, leichte Batterien –, komme ich am Lithium rein chemisch-physikalisch gar nicht vorbei!“ Heißt: ohne Lithium keine schlanken Akkus.

Marko Uhlig ist Geschäftsführer von Zinnwald Lithium in Altenberg. Das Unternehmen plant den untertägigen Abbau von Lithium im Raum Zinnwald sowie die Errichtung von Aufbereitungsanlagen, Lagerflächen und Firmengebäuden unter anderem in Liebenau und am Grenzübergang Zinnwald.
Marko Uhlig ist Geschäftsführer von Zinnwald Lithium in Altenberg. Das Unternehmen plant den untertägigen Abbau von Lithium im Raum Zinnwald sowie die Errichtung von Aufbereitungsanlagen, Lagerflächen und Firmengebäuden unter anderem in Liebenau und am Grenzübergang Zinnwald.Marko Förster

Unternehmen hat bereits 40 Millionen Euro investiert

Rund 40 Millionen Euro hat Zinnwald Lithium bereits von Privatinvestoren eingesammelt. Der Gesamtbedarf für Untertagebau, Aufbereitung und Infrastruktur liegt laut Uhlig bei bis zu einer Milliarde Euro.

Die Erkundungslizenz hält das Unternehmen seit 2011. Jetzt soll die Festgesteins‑Lagerstätte erschlossen werden.

Wenn wir nicht in die Umsetzung kommen, wenn wir uns also in den Prozessen verlieren, dann verlieren wir den Anschluss.

Marko Uhlig, Geschäftsführer Zinnwald Lithium

Akzeptanz für Bergbau in der Region wird wichtig sein

Doch Geld allein reicht nicht. Akzeptanz wird zur Schlüsselfrage. „In Deutschland haben wir uns die letzten drei Jahrzehnte nur noch mit Spätfolgen des Bergbaus beschäftigt und mit dem Ausstieg aus Bergbau. Das heißt, es gibt keine gesellschaftliche Akzeptanz oder kein gesellschaftliches Verständnis dafür: Was bedeutet das, wenn in Deutschland wieder Bergbau betrieben wird?“, sagt Uhlig.

Moderne Hightech‑Simulationen zeigen heute die Langzeitfolgen, aber überzeugen müssen die Nachbarn vor Ort.

Gegen das Projekt gibt es Widerstand aus der Bevölkerung.
Gegen das Projekt gibt es Widerstand aus der Bevölkerung.C3 Pictures/imago

In zehn Jahren soll ein laufendes Bergwerk stehen

Wo sieht Uhlig das Projekt in zehn Jahren? „Natürlich produzierend! Es wäre extrem wichtig, dass das Projekt in zehn Jahren ein gut laufendes Bergwerk ist. Wir müssen in Richtung der Investoren und der globalen Umstände unter Beweis stellen, dass wir das schaffen.“

Es geht um Eigenversorgung, eigene Standards und um Machtfragen in einer Welt, die um Rohstoffe ringt. Uhlig warnt: „Wenn wir nicht in die Umsetzung kommen, wenn wir uns also in den Prozessen verlieren, dann verlieren wir den Anschluss. Und nur, wer Zugriff auf Rohstoffe abgesichert hat, kann auch geopolitische Macht ausüben. Und nur über geopolitische Macht kann ich auch Standards durchsetzen, die uns wichtig sind!“

Wissenschaft gibt Rückendeckung für das Projekt

Rückendeckung gibt es aus der Wissenschaft. Professor Martin Bertau von der nahegelegenen Bergakademie ergänzt, dass heimischer Bergbau nicht nur wegen der Standards einen großen Beitrag zum Klimaschutz leistet, sondern auch angesichts der enormen Transportwege.

„Wenn ich Klimaschutz betreiben will, dann hol ich's aus Zinnwald und nicht aus Australien, Umweg über China, oder aus Chile, mit Umweg über China. Sondern ich hol's von hier.“ Unter dem Strich, so Bertau, sei Zinnwald‑Lithium bei voller Kostenrechnung günstiger.

Wie ist Ihre Meinung dazu? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com