Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) wirbt für eine engere Kooperation mit chinesischen Autoherstellern – und erntet dafür Widerspruch im ZDF-Talk mit Markus Lanz.
Markus Lanz nimmt Olaf Lies in die Zange
Als größter Anteilseigner der Volkswagen AG hält das Land Niedersachsen rund 20 Prozent an dem Wolfsburger Konzern. Entsprechend aufmerksam wird verfolgt, dass Lies am Dienstagabend eine Zusammenarbeit von VW mit China ausdrücklich befürwortet. Dafür hagelt es im TV-Studio ordentlich Kritik.
Moderator Markus Lanz hält dem SPD-Politiker vor, Volkswagen lasse in China günstigere Modelle bauen, die in Deutschland gar nicht angeboten würden. Seine zugespitzte Frage: „Warum nicht hier?“ Wenn Produktion, Entwicklung und Wertschöpfung zunehmend nach China verlagert würden – wo bleibe dann der Nutzen für Deutschland?

Lies widerspricht entschieden. Allein im vergangenen Jahr habe VW fast drei Millionen Fahrzeuge in China verkauft – ein „Riesenerfolg“. Zudem sei China führend beim „Software-Defined Vehicle“. Es sei wichtig, dort präsent zu sein: „Wir müssen auf der chinesischen Welle surfen.“
Sollte Deutschland sich China zum Vorbild nehmen?
Sein Vorschlag: Entwicklung und Planung könnten in China erfolgen – deutlich schneller als in Deutschland –, während die Produktion auch hierzulande „lokalisiert“ werden könne. Die Alternative, so Lies: wirtschaftlicher Rückgang oder Abschottung. „Man kann nur überholen, wenn man aufholt.“

Unterstützung bekommt Lies vom China-Experten Jörg Wuttke. Dieser bezeichnet das Land als „digitales Wunderland“, in dem Autos längst zu „Mobiltelefonen auf Rädern“ geworden seien. Deutschland müsse von China lernen, sich öffnen und gezielt Talente sowie Unternehmen ins Land holen. Bereits heute arbeiteten etwa 500 chinesische Fachkräfte in der VW-Batteriefertigung in Salzgitter.
Markus Lanz ärgert sich über „kaputtes System“
Kritischer fallen hingegen die Einordnungen von Lanz und Journalistin Kerstin Münstermann aus. Es sei schwer vermittelbar, dass deutsche Autos in China produziert und dort sogar subventioniert würden, so Lanz: „Das System ist doch echt kaputt.“ Münstermann warnt zudem vor Arbeitsplatzverlusten in Deutschland – und verweist auf Widersprüche zur „Buy-European“-Strategie von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil.

Trotz der Differenzen beim Autothema herrscht aber beim Blick auf die Weltpolitik weitgehend Einigkeit. Nach dem China-Besuch von US-Präsident Donald Trump sorgen dessen Aussagen zur Taiwan-Frage für Unruhe. Laut Münstermann habe das in Berlin „höchste Alarmstufe“ ausgelöst, da ein klares US-Bekenntnis zur Verteidigung der Insel fehlte.


