Hitzige Debatte

Markus Lanz nimmt Olaf Lies in die Zange: „Das System ist doch kaputt“

Olaf Lies befürwortet engere Kooperation zwischen Volkswagen und China trotz heftiger Kritik im ZDF-Talk.

Author - Sharone Treskow
Teilen
Markus Lanz (l.) und Olaf Lies diskutierten in der Talkshow am Dienstagabend über VW und China.
Markus Lanz (l.) und Olaf Lies diskutierten in der Talkshow am Dienstagabend über VW und China.imago

Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) wirbt für eine engere Kooperation mit chinesischen Autoherstellern – und erntet dafür Widerspruch im ZDF-Talk mit Markus Lanz.

Markus Lanz nimmt Olaf Lies in die Zange

Als größter Anteilseigner der Volkswagen AG hält das Land Niedersachsen rund 20 Prozent an dem Wolfsburger Konzern. Entsprechend aufmerksam wird verfolgt, dass Lies am Dienstagabend eine Zusammenarbeit von VW mit China ausdrücklich befürwortet. Dafür hagelt es im TV-Studio ordentlich Kritik.

Moderator Markus Lanz hält dem SPD-Politiker vor, Volkswagen lasse in China günstigere Modelle bauen, die in Deutschland gar nicht angeboten würden. Seine zugespitzte Frage: „Warum nicht hier?“ Wenn Produktion, Entwicklung und Wertschöpfung zunehmend nach China verlagert würden – wo bleibe dann der Nutzen für Deutschland?

Markus Lanz fragt sich, wo Deutschland bei den VW-Plänen bleibt.
Markus Lanz fragt sich, wo Deutschland bei den VW-Plänen bleibt.Georg Wendt/dpa

Lies widerspricht entschieden. Allein im vergangenen Jahr habe VW fast drei Millionen Fahrzeuge in China verkauft – ein „Riesenerfolg“. Zudem sei China führend beim „Software-Defined Vehicle“. Es sei wichtig, dort präsent zu sein: „Wir müssen auf der chinesischen Welle surfen.“

Sollte Deutschland sich China zum Vorbild nehmen?

Sein Vorschlag: Entwicklung und Planung könnten in China erfolgen – deutlich schneller als in Deutschland –, während die Produktion auch hierzulande „lokalisiert“ werden könne. Die Alternative, so Lies: wirtschaftlicher Rückgang oder Abschottung. „Man kann nur überholen, wenn man aufholt.“

Olaf Lies findet, Deutschland könnte sich von China eine Scheibe abschneiden.
Olaf Lies findet, Deutschland könnte sich von China eine Scheibe abschneiden.Bernhard Herrmann/imago

Unterstützung bekommt Lies vom China-Experten Jörg Wuttke. Dieser bezeichnet das Land als „digitales Wunderland“, in dem Autos längst zu „Mobiltelefonen auf Rädern“ geworden seien. Deutschland müsse von China lernen, sich öffnen und gezielt Talente sowie Unternehmen ins Land holen. Bereits heute arbeiteten etwa 500 chinesische Fachkräfte in der VW-Batteriefertigung in Salzgitter.

Markus Lanz ärgert sich über „kaputtes System“

Kritischer fallen hingegen die Einordnungen von Lanz und Journalistin Kerstin Münstermann aus. Es sei schwer vermittelbar, dass deutsche Autos in China produziert und dort sogar subventioniert würden, so Lanz: „Das System ist doch echt kaputt.“ Münstermann warnt zudem vor Arbeitsplatzverlusten in Deutschland – und verweist auf Widersprüche zur „Buy-European“-Strategie von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil.

Markus Lanz ist kein Fan davon, wie VW sich zukünftig ausrichten will.
Markus Lanz ist kein Fan davon, wie VW sich zukünftig ausrichten will.Juliane Werner/ZDF

Trotz der Differenzen beim Autothema herrscht aber beim Blick auf die Weltpolitik weitgehend Einigkeit. Nach dem China-Besuch von US-Präsident Donald Trump sorgen dessen Aussagen zur Taiwan-Frage für Unruhe. Laut Münstermann habe das in Berlin „höchste Alarmstufe“ ausgelöst, da ein klares US-Bekenntnis zur Verteidigung der Insel fehlte.

Wie ist Ihre Meinung zu dem Thema? Schicken Sie uns einen Leserbrief per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.