Reformpläne

Bäckereien sollen sonntags länger öffnen: Hier droht der nächste Reform-Murks!

Frische Brötchen bis spät in den Nachmittag? Die neue Sonntagsreform klingt gut, doch sie könnte an mehreren Hürden scheitern.

Author - Stefan Doerr
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Bäckereien sollen länger öffnen dürfen, wünscht sich Kanzler Friedrich Merz.
Bäckereien sollen länger öffnen dürfen, wünscht sich Kanzler Friedrich Merz.Jan Woitas/dpa

Wer am Sonntag um kurz vor zwölf vor leeren Brötchenregalen steht, dürfte die neuesten Pläne der Bundesregierung erst einmal begrüßen. Ab dem 1. Januar 2027 sollen Bäckereien, Konditoreien und Bibliotheken längere Öffnungszeiten an Sonn- und Feiertagen ermöglicht werden. Klingt nach mehr Service für Kunden, gäbe es da nicht einen riesigen Haken!

Bäckereien sollen acht Stunden lang geöffnet sein

Beim geplanten Wegfall der Minijobs wird noch einmal nachjustiert, die Attest-Pflicht ab dem ersten Krankheitstag war auch nicht ganz so rigoros gemeint, und jetzt droht der nächste Reform-Murks durch die Regierung von Kanzler Friedrich Merz (CDU). Beschlossen wurde die Reform der Sonntagsöffnungszeiten für Bäckereien, Konditoreien und Bibliotheken als Teil des 34-Punkte-Reformprogramms von Schwarz-Rot. Kern der Idee ist es, die bislang geltende Drei-Stunden-Grenze für Sonntagsarbeit im Bäckerhandwerk zu kippen.

Nach einem Entwurf des Bundesarbeitsministeriums könnten Bäckereien und Konditoreien künftig bis zu acht Stunden sonntags öffnen, Bibliotheken bis zu sechs Stunden.

Für viele Handwerksbäcker wäre das ein echter Befreiungsschlag. Sie würden mit größeren Bäckerei-Ketten gleichgestellt. Denn diese betreiben oft einen Café-Bereich mit Sitzplätzen und können sich auf gaststättenrechtliche Ausnahmen berufen, um länger zu öffnen. Der klassische Handwerksbäcker ohne Latte macchiato und Sitzlounge hat dagegen deutlich weniger Spielraum.

Frische Brötchen bis zum Sonntagnachmittag soll es nach der neuen Regelung geben.
Frische Brötchen bis zum Sonntagnachmittag soll es nach der neuen Regelung geben.Martin Schutt/dpa

Bund darf Arbeitszeiten verlängern, nicht Öffnungszeiten

Nur hat die Merz-Regierung einen entscheidenden Punkt nicht erwähnt, wie der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks beklagt. Denn eigentlich geht es bei der Neuregelung nicht um die Ladenöffnung selbst, sondern um längere Arbeitszeiten für Beschäftigte in Produktion und Verkauf. Ob ein Geschäft tatsächlich länger öffnen darf, entscheidet nämlich nicht der Bund, sondern die Bundesländer.

Das Ladenschlussrecht ist seit Jahren Ländersache. Der Bund kann zwar das Arbeitszeitgesetz ändern. Ob Kunden dadurch tatsächlich länger Sonntagsbrötchen kaufen können, hängt aber von den jeweiligen Landesgesetzen ab. Experten warnen deshalb bereits vor einem neuen Flickenteppich.

Während manche Länder großzügigere Regeln zulassen könnten, könnten andernorts weiterhin strenge Grenzen für den Sonntagsverkauf gelten.

Bäckereien suchen jetzt schon Personal

Hinzu kommt ein Problem, das sich nicht per Gesetz lösen lässt. Es fehlt an Personal! Viele Bäckereien suchen seit Jahren händeringend Verkäuferinnen, Verkäufer und Fachkräfte. Längere Einsatzzeiten am Sonntag helfen wenig, wenn niemand da ist, der hinter der Theke steht oder nachts den Teig vorbereitet.

Die Bundesregierung verkauft die Reform trotzdem als einen Schritt zur Modernisierung der Arbeitswelt in Deutschland. „Wir wollen Deutschland wieder flottkriegen“, erklärte Kanzler Friedrich Merz nach dem Koalitionsausschuss. Doch zwischen politischer Ankündigung und frischen Schrippen am Sonntagnachmittag liegen noch einige Stolpersteine, und es ist mehr als ungewiss, dass Merz seinen Brötchen-Plan tatsächlich gebacken kriegt.

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