In der kriselnden FDP bahnt sich ein Machtkampf an: Wolfgang Kubicki, ein Urgestein der Liberalen, will Parteichef werden. Damit sagt der 74-Jährige Amtsinhaber Christian Dürr den Kampf an.
Kubicki will FDP auf Erfolgsspur bringen
Der stellvertretende Vorsitzende kündigte seine Kandidatur für den Parteitag im Mai an. Gegenüber der Bild am Sonntag machte Kubicki deutlich, dass er die Partei aus der Krise führen will: „Ich werde den Delegierten meiner Partei im Mai ein Angebot machen, bei dem sie sicher sein können: Ich werde alles tun, die Partei wieder erfolgreich zu machen.“
Die Bestätigung kam auch aus seinem Büro. Damit ist klar: Die FDP steht vor einer richtungsweisenden Entscheidung und vor einem offenen Machtkampf an der Spitze.

FDP droht Wahlfiasko im Osten
Die Ausgangslage ist dramatisch. Bei den Landtagswahlen im März flog die FDP sowohl in Rheinland-Pfalz als auch in Baden-Württemberg aus den Parlamenten. Bereits bei der Bundestagswahl im Februar 2025 hatte die Partei den Einzug in den Bundestag verpasst. Zuvor war die Ampel-Koalition zerbrochen, Ex-Parteichef Christian Lindner zog sich aus der Politik zurück.
Und es droht weiterer Ärger: Im September wird in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin gewählt. Aktuelle Umfragen sehen die Liberalen auch dort unter der Fünf-Prozent-Hürde.
Kubicki will das nicht hinnehmen. Er fordert eine Rückkehr zu alter Stärke und greift dabei auch provokant wie immer den Kurs der eigenen Partei an. Die FDP müsse wieder mit „neuem Selbstbewusstsein“ auftreten und politische Debatten anführen, statt ihnen „hinterherzulaufen“.

Dürr überlässt Kubicki das Feld
Deutlich wird er auch beim Anspruch an die Partei: „Deutschland wartet nicht auf eine FDP, die sich in akademischen Diskussionen verzettelt, sondern auf eine, die dieses Land groß gemacht hat: klar im politischen Inhalt und ebenso klar in der Sprache. Für die Freiheit.“
Parallel dazu hatte der FDP-Bundesvorstand um Parteichef Dürr nach den Wahlniederlagen seinen Rücktritt für den Parteitag angekündigt. Bisher wollte er sich dort aber erneut zur Wahl stellen. Doch nun rudert er zurück und überlässt Kubicki das Feld. Auch der nordrhein-westfälische Landeschef Henning Höne hatte seinen Hut in den Ring geworfen.
Dürr selbst zeigt sich angesichts der Kritik einsichtig. „Es ist mir nicht gut genug gelungen, meinen Plan, meine Richtung und meine Vorstellung für die FDP so in die Partei zu tragen, dass daraus eine klare gemeinsame Orientierung wird“, räumte er ein.
Zwischenzeitlich war sogar über eine Doppelspitze spekuliert worden. Die Europaabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann hatte Interesse signalisiert, zog sich dann aber zurück und unterstützt nun Höne.
Umstrittene Sprüche von Kubicki
Kubicki ist vor allem dafür bekannt, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Über den Politikbetrieb in Berlin sagte er einst: „Ich würde in Berlin zum Trinker werden, vielleicht auch zum Hurenbock“. Über Alkohol: „Ich finde, man kann, wenn die Uhr zweistellig wird, schon mal ein Glas Wein trinken und sich daran freuen“. Über politische Gegner (Grüne): „Die Grünen sind die neue Spaßpartei, sie machen Spaß, und wir bezahlen dafür“.
Ob markante Sprüche ausreichen, um die Liberalen vor dem Aus zu bewahren? Es geht für die FDP um alles, Comeback oder Bedeutungslosigkeit.


