Nie wieder Wecker, nie wieder Überstunden, nie wieder Stress: Den Traum vom frühen Ausstieg aus dem Arbeitsleben träumen Tausende in Deutschland. Doch wie viel Geld braucht man wirklich, um mit 30, 40 oder 50 einfach Schluss zu machen?
Modellrechnung zeigt die nötigen Geldsummen
Die Antwort ist ernüchternd. Wer früh aussteigen will, braucht nicht nur Disziplin beim Sparen, sondern muss auch rechnen wie ein Finanzmathematiker. Drei Faktoren entscheiden: Wie lange muss das Geld reichen? Wie hoch sind die jährlichen Ausgaben? Und welche Rendite lässt sich realistisch erzielen?
Für unsere Modellrechnung, die von einem immer gleich bleibenden Finanzbedarf ohne besondere Vorkommnisse ausgeht und Rentenzahlungen ausklammert, kalkulieren wir mit einer Lebenserwartung von 90 Jahren.
Für einen Single wird ein Jahresbedarf von 30.000 Euro angesetzt, für einen Familienvater mindestens 45.000 Euro. Das angesparte Vermögen bringt jährlich 2,5 Prozent Rendite und soll bis zum Lebensende aufgebraucht sein. Beim Blick auf die Zahlen wird schnell klar: Früh aussteigen ist teuer.

So viel Geld braucht man mit 30
Wer bereits mit 30 den Job an den Nagel hängen will, muss rund 60 Jahre finanzieren. Dafür braucht ein Single etwa das 31-Fache seines Jahresbedarfs. Das sind rund 927.000 Euro. Ein Familienvater mit 45.000 Euro Bedarf müsste sogar etwa 1,39 Millionen Euro angespart haben.
So viel Geld braucht man mit 40
Mit 40 sieht es etwas entspannter aus, aber leider nur ein bisschen. Für 50 Jahre Ruhestand braucht ein Single das 28,4-Fache seines Jahresbedarfs, rund 852.000 Euro. Beim Familienvater wären etwa 1,28 Millionen Euro auf der hohen Kante nötig.
So viel Geld braucht man mit 50
Wer erst mit 50 aufhört, muss mit seinem Kapital einen Zeitraum von 40 Jahren überbrücken. Wenn sein Vermögen 2,5 Prozent Zinsen pro Jahr abwirft und er jährlich 30.000 Euro zum Leben entnimmt, braucht er mit 50 etwa 756.000 Euro als Single und rund 1,134 Millionen Euro als Familienvater. Das entspricht dem 25,2-Fachen des jeweiligen Jahresbedarfs.

So viel Geld braucht man mit 60
Und selbst mit 60 ist der Traum vom frühen Ruhestand noch kein Schnäppchen: Für 30 Jahre ohne Job werden bei Alleinstehenden rund 645.000 Euro benötigt, beim Familienvater mit 967.500 Euro ein knappe Million. Denn es wird jeweils das 21,5-Fache des Jahresbedarfs gebraucht.
Der Preis für die Freiheit ist also hoch. Die Summen sinken zwar mit zunehmendem Alter, weil weniger Jahre finanziert werden müssen und das Kapital länger 2,5 Prozent Rendite erwirtschaftet, bevor es aufgebraucht ist. Doch das benötigte Vermögen ist gigantisch.
Wer früher aufhören will, müsste früh anfangen, eisern zu sparen, müsste riskante Investments eingehen und Kosten senken, um überhaupt die Chance zu haben, eine solche Summe zu erreichen. Ganz nach dem Motto: „Wer mit 40 in Rente will, muss mit 20 anfangen, wie ein 60-Jähriger zu leben.“ Ist der Traum vom frühen Ruhestand das wirklich wert oder klingelt der Wecker am Ende doch weiter jeden Morgen?


