Der russische Außenminister Sergej Lawrow (l.) mit seiner deutschen Amtskollegin Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen)  dpa/Maxim Shemetov

Für die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock war der Besuch in Moskau am Dienstag eine frostige Bewährungsprobe: Sie sucht das Gespräch mit der russischen Regierung, zeigt dabei jedoch klare Kante. Die Pressekonferenz mit ihrem russischen Amtskollegen Lawrow sprach Bände: Weiter könnten die Positionen beider Länder angesichts der Bedrohung der Ukraine durch russische Truppen kaum auseinanderliegen. Die Anspannung, unter der die Grünen-Politikerin stand, zeigte sich in einem Versprecher, der für Erheiterung bei tausenden Twitter-Usern führte. Annalena Baerbock sprach von der Pressefreiheit in Deutschland, bei der es keine staatlichen Eingriffe gebe. 

Die Worte, die auf der Pressekonferenz aus der Außenministerin platzten, klangen allerdings etwas anders: Erst rutschte ihr ein „freudscher“ Versprecher heraus, und sie sprach vor den versammelten Pressevertretern von „Fressefreiheit“. Das korrigierte sie in Sekundenbruchteilen, verhedderte sich kurz darauf im Satz und sagte, es gebe „keinliche“ staatliche Einmischung. Die Szene wurde vielfach geteilt und teils mit Spott, teils mitleidig kommentiert.

Gerne führt Russlands Außenminister Sergej Lawrow ausländische Staatsgäste vor

Der Gerechtigkeit halber aber sei gesagt: Dies war nur ein kleiner Ausrutscher, denn Annalena Baerbock hatte sich auf diesen Auftritt sorgfältig vorbereitet, sie sprach mit klarer Sprache, las zentrale Passagen vom Manuskript ab. Der neuen deutschen Außenministerin war bewusst, dass internationale Beobachter auf sie schauen würden, wie sie sich bei ihrem Auftritt im Gästehaus des russischen Außenministers schlägt. Russlands Außenminister Lawrow ist berüchtigt dafür, ausländische Besucher schon mal genüsslich vorzuführen, wie es dem EU-Außenbeauftragten Josep Borrell passierte. Dagegen schlug sich Baerbock souverän.

Zuvor hatte Annalena Baerbock bereits zahlreiche Amtskollegen besucht, zuletzt in der Ukraine, wo sie Hoffnungen auf deutsche Waffenlieferungen enttäuschte. Offener Missmut war ihr im Dezember bei einem Besuch in Polen entgegengeschlagen, aber ansonsten verliefen die Besuche in freundschaftlicher Atmosphäre. Bis jetzt. Beobachtern fiel auf, dass der langjährige russische Außenminister Lawrow Baerbock gegenüber trotz tiefer Meinungsverschiedenheiten auf Bosheiten verzichtete. Einem mürrisch dreinschauenden Lawrow sagte sie: „Es gibt keine Alternative zu stabilen Beziehungen zwischen Moskau und Berlin.“ Da wollte Lawrow nicht widersprechen.