699-Euro-Wahnsinn

Ösi-Gastronomen im Schnitzel-Krieg

Zwei Wirte kämpfen verbissen um den Titel „teuerstes Schnitzel Österreichs“. Für diese kulinarische Schlammschlacht zahlen die Gäste.

Author - Jana Hollstein
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Alexander Knelle (links) und Stefan Lercher konkurrieren darum, wer das teuerste Wiener Schnitzel macht.
Alexander Knelle (links) und Stefan Lercher konkurrieren darum, wer das teuerste Wiener Schnitzel macht.Selina Schrader, Instagram

Wer hat das teuerste und exklusivste Schnitzel Österreichs? Für Gastronomen des Landes eine Frage des Nationalstolzes – darum schaukelt sich gerade eine Fehde zwischen zwei Köchen hoch, die den Titel beide für sich beanspruchen möchten.

„Kaiser Franz“ heißt das majestätische Wiener Schnitzel des Trend-Restaurants Spelunke in Wien. Gemacht aus bestem Wagyu-Filet, heißt es auf deren Instagram-Kanal, verfeinert nicht etwa mit einfachen Preiselbeeren, sondern natürlich mit Kaviar, ein Blättchen essbares Gold dazu und einem einzigartigen Zitronen-„Parfüm“ – das ist laut Küchenchef Alexander Knelle „das exklusivste Schnitzel Österreichs“. 395 Euro muss man als Gast dafür blechen.

Fast 700 Euro für ein Wiener Schnitzel

Der Kärntner Wirt Stefan Lercher macht Knelle nun aber öffentlich den Titel streitig. In Millstatt betreibt er das Restaurant Peppino, wo er, wie die Kleine Zeitung berichtet, ebenfalls ein Luxus-Schnitzel auf der Karte hat – und seines kostet sogar 699 Euro. Was rechtfertigt den Preis? Wie Knelles Schnitzel stammt auch sein Fleisch (natürlich) vom Wagyu-Rind, ist aber auch eigentlich eher ein Cordon Bleu, gefüllt mit schwarzem Perigord-Trüffel, Brie de Meaux und Sauspeck, dazu gibt es ein nobles Kartoffelpüree.

Schaut man auf den Preis, ist der Schnitzel-Krieg damit also entschieden. Lercher spart im Interview mit der Kleinen Zeitung auch nicht mit Beleidigungen gegen seinen Kontrahenten: Er habe an die Öffentlichkeit gehen wollen, weil er „die Geschichte über das schwachsinnige Volltrottelschnitzel“ gehört habe. „Kaviar hat nichts mit einem Schnitzel zu tun“, legt Lercher nach. Darüber, ob wie bei ihm Trüffel, Käse und Speck zum klassischen Schnitzel gehören, hält er sich bedeckt.

„Wutwirt“ hat nicht nur Schnitzel-Kontroversen

Der Schnitzel-Krieg ist nicht Stefan Lerchers erste öffentliche Kontroverse. In österreichischen Medien ist er als „Wutwirt“ bekannt, weil er im Januar 2023 viel Kritik geerntet hat für ein TV-Interview, in dem er sagte, er wolle von nun an „Veganer, Hippies, Ökos und Araber“ aus seinem Lokal ausschließen. Ende 2023 kündigte der Wirt außerdem auf Instagram ein jährliches „Arisches Gourmet-Festival“ an und sagte im Interview mit dem österreichischen Kurier, mit dem Begriff „arisch“ habe er lokale Spezialitäten gemeint.

Sein Nobel-Schnitzel lässt sich auch heute noch bestellen, bereits fünf Portionen hat Lercher verkauft. Umsatz: 3495 Euro. Das Gericht sei zwar „dekadent“, aber er habe viele „Wahnsinnige als Stammgäste“, sagte der Gastronom der Kleinen Zeitung. Übrigens: Wer ein gutes Schnitzel in Wien essen möchte, muss dafür nicht gleich 699 Euro ausgeben. Die Spelunke, zuständig für das 395-Euro-Schnitzel, verkauft auch ein „normales“ Wiener Schnitzel vom Kalb für 29 Euro.

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Würden Sie 699 Euro für ein Schnitzel ausgeben? Schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com