Es waren unwürdige Szenen und ein Schock. Rund 20 Mitarbeiter haben am vergangenen Mittwoch vom Tiefkühlpizza-Hersteller Gustavo Gusto ihre Kündigung erhalten. Zu Dienstbeginn wurden sie direkt am Werkstor am Standort in Artern (Kyffhäuserkreis) gefeuert.
Grundlage der Entscheidung waren die Ergebnisse einer externen Beraterfirma. Demnach wurden die Mitarbeiter nach einem Punkteschema bewertet. Wer das Werkstor passieren durfte, konnte bleiben. Wer nicht, wurde entlassen.
Verhalten von Gustavo Gusto „sehr grenzwertig“
Das Unternehmen mit Hauptsitz in Geretsried (Bayern) wollte sich auf KURIER-Anfrage nicht zu den Vorgängen äußern. Pressesprecherin Patricia Franzius verwies darauf, dass man „derzeit keine weiteren Stellungnahmen zu internen Personalthemen“ abgeben werde.
Reichlich Kritik am Vorgehen von Gustavo Gusto gab es von der Gewerkschaft Nahrung - Genuss – Gaststätten (NGG). „Mich hat das Vorgehen bei Gustavo Gusto schon verwundert“, sagte Jens Löbel, NGG-Geschäftsführer der Region Thüringen, dem KURIER.
„Normalerweise erklärt man den Beschäftigten in Ruhe, dass schwierige Zeiten sind. Aber Menschen am Werkstor einen Brief zugeben, in dem der Termin für das Gespräch in der Personalabteilung für die Kündigung festgehalten ist, ist schon sehr grenzwertig“, sagte Löbel.

NGG rät zur Klage gegen Gustavo Gusto
Die NGG werde für ihre Mitglieder eine Kündigungsschutzklage einreichen. Dazu seien die erforderlichen Unterlagen an die betroffenen Mitglieder verteilt worden. „Nicht-Gewerkschaftsmitgliedern empfehlen wir eine Kündigungsschutzklage vor dem zuständigen Arbeitsgericht innerhalb von 21 Tagen nach Zugang der Kündigung einzureichen“, empfahl Löbel. Dazu seien am Werkstor Vordrucke an Interessenten ausgegeben worden.
Gegen Gustavo Gusto wird die NGG hingegen keine weiteren Schritte einleiten. Für die verbliebenen Beschäftigten sei es das Ziel, gute Arbeitsbedingungen wie Mitbestimmung durch einen Betriebsrat und einen Tarifvertrag zu erreichen. „Das sollte auch für Gustavo Gusto gelten“, sagte Löbel, der auf eine große Pizzaproduktion in Thüringen verwies. Dort gebe es einen Tarifvertrag und einen Betriebsrat.

Betriebsrat bleibt das große Ziel der Gewerkschaft
Eine Erklärung, warum Gustavo Gusto seine Mitarbeiter ohne Ankündigung auf die Straße gesetzt hat, hat Löbel nicht. Er könne nur das widergeben, was das Unternehmen in den Medien gesagt habe. Er vermutet aber, dass künftig nur noch einschichtig produziert werden soll.
Als große Aufgabe der Zukunft bleibt aber, bei Gustavo Gusto einen Betriebstrat zu installieren. Dazu gebe es bereits „erste ernste Gespräche mit Beschäftigten“, so Löbel, der sich für die Umsetzung zuversichtlich zeigte. „Ein Betriebsrat kann, wenn alle Parameter stimmen, in dieser Betriebsgröße gegebenenfalls schon in zwei Wochen im vereinfachten Wahlverfahren gewählt sein.“


