Die Autorin, Podcasterin und verheiratete Mutter Lisa Opel hatte dieses Jahr ein ungewöhnliches Date zum Valentinstag: eine männliche Sexpuppe. In Kooperation mit JOYclub wagte sie das Experiment und verrät, warum immer mehr Frauen den Sexpartner aus Plastik wählen.
Die männliche Sexpuppe lässt sich komplett anpassen
Wer mit einer männlichen Sexpuppe ins Bett steigen möchte, für den fängt die Erfahrung schon beim Einkaufen an. Beim Anbieter HouseDoll kann man von Hautfarbe bis Penisgröße alles mitbestimmen – ein Service, den man bei einem Kaufpreis von um die 3000 Euro wohl auch erwarten kann. Befremdlich ist es trotzdem, sagt Lisa: „Ich bin schon großer Fan von Online-Shopping und hatte Spaß, mir das auszusuchen. Aber als es dann um die Penisgröße ging, habe ich erstmal meinen Mann rüber geholt und gefragt: Kann ich mal messen?“

Als der Traummann aus Plastik ihr dann persönlich gegenübersteht, kommt die zweite Ernüchterung. Die Puppe ist 54 Kilogramm schwer, Lisa kann sie also nicht allein heben: „Ich dachte: Boah, in meinem Bett ist das schon gruselig, weil ich kriege ihn da ja nicht mehr raus.“ Allein für den Videodreh zum Experiment müssen drei Helfer beim Justieren helfen, am Ende landet Thomas (so heißt das Modell) auf der Couch. Nun beginnt das eigentliche Abenteuer.
Eine Sexpuppe hat keine Erwartungen
Die beiden haben Startschwierigkeiten. Gemeinsam lachen? Eine Rückmeldung? Fehlanzeige. Lisa ruft schließlich ihren Mann an, der ihr den entscheidenden Tipp gibt: „Nutz ihn doch einfach wie ein Vibrator“. So geht's. „Ich musste mich dann irgendwann entscheiden und hab gesagt: Okay, ich benutze ihn jetzt“, erzählt Lisa. „Und dann wurde es sexy, dass ich mich komplett auf mich konzentriert habe. Ich meine, das ist der Clou an diesen Puppen. Man muss null Gedanken haben. Rieche ich? Muss ich mich für irgendwas schämen? Ich war in dem Augenblick losgelöst von Erwartungen, von Leistungen. Plötzlich ging es nur noch um meine Lust.“
Klingt für viele Frauen traumhaft. Wenn da nicht trotzdem ein großer Haken wäre, der dann eben doch nicht wegzudenken ist. Sie habe die ganze Zeit die Augen geschlossen, meint Lisa, „und trotzdem hat man da eine Energie“. Küssen wollte sie den perfekt gezimmerten Mann nicht.
Lieber echten Menschen als die teure Sexpuppe
Was Lisa aus dem Experiment mitnimmt? „Wie sehr ich es geschätzt habe, dann nach Hause zu kommen und meinen warmen Partner in den Arm zu nehmen. Da ist mir jeder Streit der Welt willkommen, weil das Gegenteil ist doch ein bisschen gruselig.“ Genau das ist es, was der Besitzer von HouseDoll ihr in einem Interview verraten hat. Wenige Frauen kaufen sich demnach eine männliche Sexpuppe, um Fetische oder Fantasien auszuleben. Stattdessen geht es um Einsamkeit, ein immer größeres Thema in unserer Gesellschaft. Einer Umfrage von JOYclub zufolge kann sich jede vierte Frau Sex mit einer männlichen Sexpuppe vorstellen.
Aber auch einen anderen Vorteil hatte die Erfahrung für Lisa: „Ich bin an Stellen noch achtsamer geworden, auf meinen Körper zu hören, auf meine Lust zu hören und auf das, was ich in dem Augenblick spüre. Das hat mir bewusst vor Augen geführt, wie viel lautstarker wir sein dürfen in unserer Lust.“ Wiederholen würde sie das Experiment dann aber doch nicht. „Ehrlich gesagt ist mir das eine ganz schön teure Angelegenheit, wenn ich einfach meinen Vibrator im Nachtschränkchen haben kann.“
Mehr von und über Autorin und Podcasterin Lisa Opel gibt es auf ihrer Website pleasepinchmehard.com, in ihrem Podcast Deep&Dirty und in ihrem Buch „SEX SEX SEX“, einem Leitfaden für Sex, Intimität und Lust (gibt’s für 10,70 Euro unter anderem auf Amazon).


