In Frankreich wird derzeit darüber gestritten, ob die klassische „Pause“ im Schulalltag einen neuen Namen bekommen soll. Statt „récréation“ schlagen einige Lehrkräfte Begriffe wie „Entdeckungszeit“ vor. Hintergrund ist eine Studie, in der viele Lehrer betonen, wie wichtig diese Zeit für Lernen, Konzentration und soziale Entwicklung ist. Wenn Pausen anders heißen, würden sie vielleicht auch anders wahrgenommen und ernster genommen.
Lehrerverband lehnt Umbenennung ab
Doch in Deutschland stößt dieser Vorschlag auf Skepsis. Der Präsident des Deutscher Lehrerverbands, Stefan Düll, hält wenig von einer Umbenennung. Gegenüber dem Berliner KURIER erklärt er: „Aus Sicht des Deutschen Lehrerverbands beschreibt ‚Pause‘ sehr treffend, worum es im Kern geht: eine notwendige Unterbrechung des schulischen Arbeitsprozesses, in der Schülerinnen und Schüler abschalten, sich erholen und neue Kraft für konzentriertes Lernen schöpfen können.“
Düll verweist darauf, dass der in Frankreich gebräuchliche Begriff „récréation“ den Erholungsaspekt sogar noch stärker betone. Für ihn steht fest: Pausen sind unverzichtbar für Lernerfolg, Konzentrationsfähigkeit und psychische Gesundheit. Genau das zeige auch die aktuelle Debatte in Frankreich.
Besonders wichtig sei dabei die freie Zeit ohne festen Plan. „Gerade die unstrukturierte Zeit, in der Kinder und Jugendliche selbst entscheiden, was sie tun, ist pädagogisch äußerst wertvoll“, sagt Düll. Sie fördere Eigenverantwortung, soziale Kompetenzen und ermögliche wichtige Erfahrungen außerhalb des Unterrichts. Dabei handele es sich um sogenanntes informelles Lernen, das den Kopf für neue Inhalte freimache.

In Frankreich argumentieren viele Lehrer, dass Pausen mehr Anerkennung verdienen. In einer Studie mit Lehrkräften aus 25 Ländern betonten viele, wie sehr Bewegung, Spiel und soziale Kontakte das Lernen fördern. Einige kritisieren, dass der Begriff „Pause“ die Bedeutung dieser Zeit kleinrede. Sie glauben, dass andere Bezeichnungen den Stellenwert erhöhen könnten.
Schulen brauchen bessere Pausen
Der Deutsche Lehrerverband sieht das anders. Für Stefan Düll liegt das eigentliche Problem nicht im Namen, sondern in den Bedingungen. „Statt neue Begriffe zu suchen, braucht es vor allem bessere Rahmenbedingungen für gute Pausen“, betont er. Dazu gehörten gut ausgestattete Schulhöfe, Pausenräume, Aufenthaltsbereiche und Mensen, die den unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werden.




