Sonne, türkisblaues Meer und Camping direkt an der Adria – für wenig Geld. Genau dafür liebten viele Deutsche Kroatien. Das Land galt lange als günstige Alternative zu Italien oder Spanien. Doch inzwischen überlegen sich viele Stammurlauber zweimal, ob sie wiederkommen. Der Grund ist vor allem einer: Die Preise sind kräftig gestiegen.
Die Deutschen reisen seltener nach Kroatien
Kristallklares Wasser, kleine Buchten und historische Altstädte locken auch in diesem Sommer Millionen Urlauber nach Kroatien. Besonders für viele Deutsche gehört Kroatien seit Jahren zu den beliebtesten Urlaubszielen. Und auch diesem Jahr läuft die Saison auf den ersten Blick gut: Hotels sind gut gebucht, Restaurants gefüllt und vielerorts herrscht Hochbetrieb.

Trotzdem beobachten Tourismusbranche und Wirtschaft eine Entwicklung mit Sorge. Ausgerechnet die Deutschen, seit Jahrzehnten die wichtigste Urlaubergruppe des Landes, bleiben zunehmend aus oder verbringen weniger Zeit in dem beliebten Urlaubsparadies.
Die Preise sind um rund 70 Prozent gestiegen
Ein Grund dafür dürfte laut dem Online-Nachrichtenportal Merkur.de die Preisentwicklung sein. Nach Angaben des kroatischen Statistikamts sind die Preise für Touristen zwischen 2015 und 2024 um rund 70 Prozent gestiegen. Vor allem Stammgäste bemerken diesen Unterschied: Wer Kroatien seit vielen Jahren kennt, erlebt den Urlaub heute deutlich teurer als noch vor einigen Sommern.
Nicht jeder sieht das kritisch. Die Australierin Omnia sagt in einer Reportage des kroatischen Senders HRT: „Man hat mir gesagt, Kroatien sei deutlich teurer als Spanien – aber das stimmt nicht. Und selbst wenn: Es lohnt sich! Es ist wunderschön!“ Andrej aus Slowenien sieht die Preissteigerung zwar, bewertet sie aber im Vergleich zu anderen Urlaubszielen nicht als extrem: „Ich finde, dass alles teuer ist. Auch Griechenland ist teuer und Spanien.“
Türkei statt Kroatien: Deutsche setzen auf All-Inclusive
Vor allem Familien und Camper aus Deutschland bekommen die höheren Preise deutlich zu spüren. Wer mit dem Auto anreist, im Supermarkt einkauft und Restaurantbesuche oder Strandliegen einzeln bezahlt, merkt jede Preissteigerung direkt im Portemonnaie.

Nach Angaben des Reiseportals Kroati.de gingen in Istrien die Übernachtungen bereits im März 2025 um 38 Prozent zurück. Campingplatzbetreiber berichteten von weniger Gästen, Gastronomen von sinkenden Ausgaben pro Urlauber.
Ein Grund könnte die zurückhaltende Konsumstimmung in Deutschland sein. Viele Haushalte sparen beim Urlaub, buchen kürzere Reisen oder weichen auf günstigere Ziele aus. Vor allem Türkei, Griechenland und Ägypten locken mit All-inclusive-Angeboten. Weil dort viele Nebenkosten schon im Reisepreis enthalten sind, können Familien laut Korati.de oft mehrere Hundert Euro sparen.
Rekordzahlen verdecken ein Problem
Trotz der Sorgen bleibt Kroatien insgesamt ein beliebtes Reiseziel und auch 2026 läuft die Saison bislang stabil. Laut Croatia Week wurden bisher rund 7,6 Millionen Touristenankünfte gezählt und damit etwa das Vorjahresniveau erreicht.
Auf den ersten Blick läuft für Kroatien alles nach Plan. Doch hinter den Rekordzahlen steckt ein Problem. Hrvoje Stojić, Chefökonom des kroatischen Arbeitgeberverbands, sagte im kroatischen Fernsehen HRT: „Trotz nominaler Wachstumsraten erlebt der Tourismussektor das dritte Jahr in Folge einen Rückgang der realen Einnahmen.“

Joze Tomaš, Präsident der Wirtschaftskammer Split, ordnet die Entwicklung als logische Folge des EU-Beitritts ein. Gegenüber HRT erklärt er: „Der Tourismus hat sich schon vor langer Zeit verändert, und mit dem EU-Beitritt sind die Preise mehr oder weniger wettbewerbsfähig.“




