Beliebtes Reiseziel

Urlaubs-Flaute: Dieses Land vermisst deutsche Touristen

Der Sommer läuft, die Strände sind voll und trotzdem blickt Kroatiens Tourismusbranche mit Sorge auf die Saison. Denn vor allem eine Urlaubsgruppe fehlt.

Author - Paula Hitzemann
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Kroatien meldet immer weniger deutsche Touristen.
Kroatien meldet immer weniger deutsche Touristen.Grgo Jelavic/IMAGO

Sonne, türkisblaues Meer und Camping direkt an der Adria – für wenig Geld. Genau dafür liebten viele Deutsche Kroatien. Das Land galt lange als günstige Alternative zu Italien oder Spanien. Doch inzwischen überlegen sich viele Stammurlauber zweimal, ob sie wiederkommen. Der Grund ist vor allem einer: Die Preise sind kräftig gestiegen.

Die Deutschen reisen seltener nach Kroatien

Kristallklares Wasser, kleine Buchten und historische Altstädte locken auch in diesem Sommer Millionen Urlauber nach Kroatien. Besonders für viele Deutsche gehört Kroatien seit Jahren zu den beliebtesten Urlaubszielen. Und auch diesem Jahr läuft die Saison auf den ersten Blick gut: Hotels sind gut gebucht, Restaurants gefüllt und vielerorts herrscht Hochbetrieb.

Kroatien galt lange als günstiges Urlaubsziel. Doch steigende Preise schrecken viele deutsche Stammgäste ab.
Kroatien galt lange als günstiges Urlaubsziel. Doch steigende Preise schrecken viele deutsche Stammgäste ab.Joachim Hahne/IMAGO

Trotzdem beobachten Tourismusbranche und Wirtschaft eine Entwicklung mit Sorge. Ausgerechnet die Deutschen, seit Jahrzehnten die wichtigste Urlaubergruppe des Landes, bleiben zunehmend aus oder verbringen weniger Zeit in dem beliebten Urlaubsparadies.

Die Preise sind um rund 70 Prozent gestiegen

Ein Grund dafür dürfte laut dem Online-Nachrichtenportal Merkur.de die Preisentwicklung sein. Nach Angaben des kroatischen Statistikamts sind die Preise für Touristen zwischen 2015 und 2024 um rund 70 Prozent gestiegen. Vor allem Stammgäste bemerken diesen Unterschied: Wer Kroatien seit vielen Jahren kennt, erlebt den Urlaub heute deutlich teurer als noch vor einigen Sommern.

Nicht jeder sieht das kritisch. Die Australierin Omnia sagt in einer Reportage des kroatischen Senders HRT: „Man hat mir gesagt, Kroatien sei deutlich teurer als Spanien – aber das stimmt nicht. Und selbst wenn: Es lohnt sich! Es ist wunderschön!“ Andrej aus Slowenien sieht die Preissteigerung zwar, bewertet sie aber im Vergleich zu anderen Urlaubszielen nicht als extrem: „Ich finde, dass alles teuer ist. Auch Griechenland ist teuer und Spanien.“

Türkei statt Kroatien: Deutsche setzen auf All-Inclusive

Vor allem Familien und Camper aus Deutschland bekommen die höheren Preise deutlich zu spüren. Wer mit dem Auto anreist, im Supermarkt einkauft und Restaurantbesuche oder Strandliegen einzeln bezahlt, merkt jede Preissteigerung direkt im Portemonnaie.

Besonders Camper und Familien merken die Preissteigerung und entscheiden sich jetzt oft für günstigere Alternativen.
Besonders Camper und Familien merken die Preissteigerung und entscheiden sich jetzt oft für günstigere Alternativen.Eibner-Pressefoto/EXPA/Feichter/IMAGO

Nach Angaben des Reiseportals Kroati.de gingen in Istrien die Übernachtungen bereits im März 2025 um 38 Prozent zurück. Campingplatzbetreiber berichteten von weniger Gästen, Gastronomen von sinkenden Ausgaben pro Urlauber.

Ein Grund könnte die zurückhaltende Konsumstimmung in Deutschland sein. Viele Haushalte sparen beim Urlaub, buchen kürzere Reisen oder weichen auf günstigere Ziele aus. Vor allem Türkei, Griechenland und Ägypten locken mit All-inclusive-Angeboten. Weil dort viele Nebenkosten schon im Reisepreis enthalten sind, können Familien laut Korati.de oft mehrere Hundert Euro sparen.

Rekordzahlen verdecken ein Problem

Trotz der Sorgen bleibt Kroatien insgesamt ein beliebtes Reiseziel und auch 2026 läuft die Saison bislang stabil. Laut Croatia Week wurden bisher rund 7,6 Millionen Touristenankünfte gezählt und damit etwa das Vorjahresniveau erreicht. 

Auf den ersten Blick läuft für Kroatien alles nach Plan. Doch hinter den Rekordzahlen steckt ein Problem. Hrvoje Stojić, Chefökonom des kroatischen Arbeitgeberverbands, sagte im kroatischen Fernsehen HRT: „Trotz nominaler Wachstumsraten erlebt der Tourismussektor das dritte Jahr in Folge einen Rückgang der realen Einnahmen.“

Trotzdem zeigen die Zahlen: Kroatien bleibt ein beliebtes Urlaubsziel.
Trotzdem zeigen die Zahlen: Kroatien bleibt ein beliebtes Urlaubsziel.Ma Zhen/IMAGO

Joze Tomaš, Präsident der Wirtschaftskammer Split, ordnet die Entwicklung als logische Folge des EU-Beitritts ein. Gegenüber HRT erklärt er: „Der Tourismus hat sich schon vor langer Zeit verändert, und mit dem EU-Beitritt sind die Preise mehr oder weniger wettbewerbsfähig.“

Klar ist, seit der Einführung des Euro Anfang 2023 hat sich das Preisniveau in Kroatien spürbar verändert. Während Ersturlauber die höheren Preise oft akzeptieren, vergleichen langjährige Kroatien-Fans mit früheren Sommern. Und genau diese Stammgäste entscheiden sich offenbar immer häufiger für ein anderes Reiseziel.

Liebe Leser, reisen Sie gerne nach Kroatien? Wie nehmen Sie die Veränderungen wahr? Bitte schreiben Sie uns:leser-bk@berlinerverlag.com.