An den Stränden von Mallorca liegen die Handtücher dicht an dicht, es ist Hauptsaison auf der Ferieninsel. Die Mallorquiner allerdings haben die Nase voll von der Urlauberflut. Sie zogen durch Palma, um ihrem Ärger über den Massentourismus Luft zu machen. Wie auch schon in den vergangenen beiden Sommern. Bei den Urlaubern selbst sind die Reaktionen gemischt.
Die Demonstranten versammelten sich am Sonntagabend auf der Plaza de España im Zentrum von Mallorcas Hauptstadt Palma und zogen Von dort durch die Innenstadt bis zur Kathedrale, wo später ein Manifest verlesen wurde. Organisiert hatte die Kundgebung die Initiative „Menys Turisme, Més Vida“ (Weniger Tourismus, mehr Leben) unter dem Motto „Mallorca am Limit“. Viele der rund 25.000 Teilnehmer trugen selbstgebastelte Plakate, auf denen etwa „Mallorca overbooked“ oder „Keine Kapazität mehr“ zu lesen war.

Mallorquiner können sich Mallorca nicht mehr leisten
Die zentrale Forderung der Demonstranten in Palma: eine Begrenzung der Besucherzahlen. Denn die steigende Zahl der Urlauber und Ferienwohnungen treibt Mieten und Immobilienpreise immer weiter nach oben. Viele Mallorquiner mit normalem Einkommen können sich eine Wohnung auf ihrer eigenen Insel kaum noch leisten, beklagen die Organisatoren.
Laut dem Portal mallorcamagazin.com hatte die Zahl der Touristen auf den Balearen im vergangenen Jahr erstmals die Marke von 19 Millionen überschritten – während sich die Lage auf dem Wohnungsmarkt für viele Inselbewohner gleichzeitig immer weiter verschärft habe.
Hinzu kommt der Ärger über volle Straßen, Lärm, Müll und aus Sicht von Umweltschützern die Zerstörung der Natur. Nachbarschaftsverbände beklagen zudem, dass traditionelle Viertel zunehmend von Ferienwohnungen verdrängt werden.
Im Vorfeld der Demo kam es laut mallorcamagazin.com bereits zu Farbanschlägen auf Maklerbüros und Apartment-Hotels, zwei Menschen wurden festgenommen.

Was sagen Urlauber zur Anti-Touri-Demo auf Mallorca
Einige Urlauber haben Verständnis für die Proteste, andere halten sie für verfehlt. Ein französischer Tourist, der seit Jahren nach Mallorca reist, sagte der Zeitung Ultima Hora, dass seine Familie jedes Jahr gutes Geld für Hotels, Restaurants und Geschäfte auf der Insel ausgebe – Probleme wie steigende Mieten erkenne er zwar an, halte die Demonstrationen aber für falsch adressiert.
Eine britische Urlauberin sieht sich selbst vom Touristenandrang eingeschränkt. An manchen Stränden sei es inzwischen so voll, dass man kaum noch Platz für ein Handtuch finde – sie könne die Forderungen nach weniger Tourismus daher nachvollziehen.
Ein weiterer britischer Urlauber verwies darauf, dass der Tourismus der wichtigste Wirtschaftszweig der Insel sei und eine deutliche Begrenzung der Besucherzahlen Arbeitsplätze kosten könnte. Gleichzeitig räumte er ein, dass Wohnungsprobleme und Überfüllung nicht ignoriert werden dürften – die richtige Balance zu finden, sei schwierig.
Andere Gäste betonten dem Bericht zufolge, die Insel „respektvoll“ genießen zu wollen, um nicht als Gegner der Einheimischen wahrgenommen zu werden.
Keine Attacken aus der Demo gegen Urlauber
Bei der Kundgebung sang die deutsch-mallorquinische Sängerin Maria Hein die Mallorca-Hymne „La Balanguera“. Anders als bei früheren Protesten in den spanischen Städten Barcelona oder Madrid wurden zunächst keine nennenswerten Zwischenfälle oder Angriffe mit Wasserspritzpistolen auf Urlauber in Palma gemeldet.


