Am Anfang haben wir alle sie kritisch beäugt, doch inzwischen sind sie für viele zu einem festen Teil des Alltags geworden: Selbstbedienungskassen in den Supermärkten und Discountern. Wer nur schnell etwas einkaufen und sich dafür nicht lange in einer Schlange stehen will, der kann sich hier im Eiltempo selbst abkassieren. Artikel scannen, mit Karte zahlen, fertig. Ein echter Schritt nach vorn in vielen Supermärkten. Doch Netto Marken-Discount (der Rote!) hat jetzt einen Schritt zurückgemacht – und bietet die Selbstbedienung nur für Stammkunden an. Warum das der größte Müll ist – ein Kommentar.
Wütend auf Netto: Warum muss ich wieder anstehen?
Ich bin wütend, wirklich wütend. Es ist ein paar Tage her, da war ich im Netto meines Vertrauens. Er liegt in der Nähe des Büros, ist schnell zu Fuß zu erreichen – und wenn ich schnell etwas einkaufen möchte, zieht es mich dorthin. Das kommt vielleicht einmal die Woche vor. Ich habe den Markt immer dafür geschätzt, dass er meine Pausenzeit nicht überreizt. Schnell rein, einkaufen, ran an die Selbstbedienungskasse – wichtig hier, denn mehr als eine Kasse ist hier nicht besetzt.
Bei einem meiner letzten Besuche lief alles wie immer – nur mit dem Unterschied, dass der Scanner der Selbstbedienungskasse nicht funktionieren wollte. Ich hielt meinen winzigen Becher Kartoffelsalat ins Rotlicht. Nichts. Ich versuchte es noch einmal. Nichts. Dann erst blickte ich auf den Bildschirm. Der fordert mich dazu auf, eine App oder eine Payback-Karte einzuscannen.

Beides habe ich nicht. Stattdessen blicke ich hinter mich. Eine lange Schlange hat sich an der einzigen offenen echten Kasse gebildet. Ich stelle mich hinten an – und muss warten. Es ist nicht das einzige Mal, dass mir das neue Vorgehen negativ auffällt. Etwas später, bei einem anderen Besuch in der Filiale, stehe ich in der Kassenschlange, als eine andere Kundin versucht, die SB-Kasse zu nutzen. Sie muss bedröppelt abziehen, als sie merkt, dass hier ohne App nichts zu holen ist.
Neuheit bei Netto ist für mich der reinste Müll
Es ist eine Neuigkeit, die für mich der reinste Quatsch ist. Während man mit den Selbstbedienungskassen einen Schritt nach vorn gemacht hat und in vielen Supermärkten und Discountern das Angebot weiter ausbaut, entscheidet man sich bei Netto, diese Möglichkeit nur noch für Stammkunden zugänglich zu machen.
Stammkunden heißt also: Es dürfen all jene nutzen, die entweder Payback-Kunden sind oder die Lust haben, sich die Netto-App auf ihr Handy zu laden. Ganz ehrlich? Lust habe ich darauf nicht. Und ich verstehe auch nicht, warum ich für einen schnellen Einkauf im Supermarkt jetzt meine Daten rausrücken soll.

Absurd ist für mich, wie sehr Netto sich selbst erst vor Monaten bejubelte. Im November hieß es in einer Mitteilung, man setze in über 1400 Filialen auf moderne Selbstbedienungskassen. Die seien „Teil des modernen Einkaufens“. Man biete damit „einen zusätzlichen, komfortablen Bezahlservice und setze zudem neue Maßstäbe in Sachen Einkaufserlebnis“.
Was Netto damit meint: In Stoßzeiten soll die innovative Technologie für kürzere Wartezeiten und mehr Flexibilität sorgen. Als ich diese Zeilen las, musste ich aufpassen, dass ich mir vor Lachen nicht in die Hose mache.
Netto vertraut den eigenen Kunden nicht mehr
Denn was ist von so viel Zukunftsgeist geblieben? Eine Reihe Selbstbedienungskassen, an denen ich nicht einkaufen darf, wenn ich mich nicht dank App als Stammkunde ausweisen kann. Und warum? Netto rechtfertigt den Schritt mit dem Diebstahlschutz.
„So soll der Ladendiebstahl eingedämmt werden“, sagte ein Verkäufer einer Netto-Filiale gegenüber der „B.Z.“. Man vertraut den Kunden also so wenig, dass man sie lieber vollkommen ausbremst, anstatt Sicherheitspersonal einzustellen? Weil ein paar Leute den Fünf-Finger-Rabatt nutzen, stellt Netto alle unter Generalverdacht? Das klingt nach einem wirklich genialen Plan für die Gewinnung sogenannter Stammkunden.


