Ein Badeort an der italienischen Adria, malerische Pinien, Strandurlaub – und mittendrin bis zu 120 wilde Pfauen, die über Dächer spazieren, Autos zerkratzen, Gärten verwüsten und nachts so laut schreien, dass Anwohner nicht schlafen können. Willkommen in Punta Marina, einem Vorort von Ravenna, wo ein Federvieh seit Jahren für handfesten Streit sorgt.
Von zehn auf 120: Wie die Pfauen den Ort übernahmen
Angefangen hatte alles harmlos. Vor gut zwölf Jahren tauchten die ersten Pfauen auf, irgendwo aus einem Privatgarten entwichen. 2014 schätzte man ihre Zahl auf etwa zehn Tiere, die friedlich in der Pinienzone rund um eine ehemalige Militärkolonie lebten. Dann kam Corona, der Lockdown 2020 – und die Pfauen merkten, dass die Straßen plötzlich leer waren. Seitdem gehört ihnen der Ort. Zuerst berichtete „Il Resto del Carlino“ darüber.
Heute zählt man zwischen 100 und 120 Exemplare. Und wer denkt, das sei niedlich, hat noch nie einen Pfau auf dem Dach gehabt. Anwohnerin Elisabetta, die ihren echten Namen nicht nennen möchte, beschreibt ihre Situation in dem Bericht so: An manchen Tagen standen 30 Pfauen in ihrem Garten. Nachdem alle Behörden auf ihre Hilferufe nicht reagierten, fing sie kurzerhand an, die Eier einzusammeln. Im ersten Jahr waren es 70, im zweiten 35, im vergangenen Jahr noch 15. Eine Frau gegen 120 Pfauen.

Das Kuriose an der ganzen Geschichte ist nicht nur die schiere Anzahl der Tiere, sondern die Frage, wer überhaupt zuständig ist. Lorenza Mazzotti, Leiterin der Provinzpolizei, bringt es auf den Punkt: Die Pfauen sind niemandes Eigentum, sie haben sich verwildert und sind rechtlich gesehen herrenlos. Früher habe die Provinz versucht, einige mit Netzen einzufangen – ohne Erfolg. Heute wisse niemand mehr genau, wer die Zuständigkeit habe.
Das ist der Plan der Gemeinde
Die Gemeinde hat inzwischen ein Projekt ins Leben gerufen: Informationsschilder wurden aufgestellt, ein Fotocontest ins Leben gerufen, Experten erklären Anwohnern, wie man Pfauen sanft vertreibt. Budget für das gesamte Programm: 1.700 Euro im Jahr. Für viele Bewohner ist das ein schlechter Witz angesichts von Dachlecks, Autowracks und schlaflosen Nächten.


