Davon träumen viele

Während Deutsche bis 67 schuften: „Habe 31 Jahre gearbeitet, das reicht!“

Während sich viele Deutsche bis 67 abrackern, gehen Menschen in Rumänien wesentlich früher in Rente. Eine Frau erklärt ihre Entscheidung.

Author - Florian Thalmann
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Arbeiten bis zum Schluss? Für viele Menschen in Rumänien kommt das nicht infrage. Sie gehen früher in den Ruhestand als im europäischen Durchschnitt.
Arbeiten bis zum Schluss? Für viele Menschen in Rumänien kommt das nicht infrage. Sie gehen früher in den Ruhestand als im europäischen Durchschnitt.Westend61/imago

Na, wie viele Jahre haben Sie noch bis zur Rente? Zehn, zwanzig, dreißig? In Deutschland verschiebt sich das Rentenalter immer weiter nach hinten, während man in anderen Regionen der Erde etwas entspannter mit dem Thema umgeht. Beispiel Rumänien: In dem Land machen Arbeitnehmer gern früher Platz für die nächste Generation. Nur 1,7 Prozent der Rentner arbeiten hier laut EU-Arbeitskräfteerhebung auch nach Erreichen des Rentenalters noch weiter.

Nur wenige Rentner in Rumänien gehen noch arbeiten

In Deutschland gehen auch viele Rentner noch arbeiten, um sich die Rente etwas aufzubessern. Doch in Rumänien ist es anders: Hier wünschen sich die meisten Menschen, dass sie ihren Ruhestand vernünftig genießen können – und setzen diesen Wunsch auch in die Tat um. Eine europäische Statistik zeigt, dass hier die wenigsten Rentner im europäischen Vergleich auch nach dem Erreichen des Rentenalters noch arbeiten. In Europa gehen im Durchschnitt 13 Prozent der Rentner noch einer Arbeit nach, in Rumänien sind es laut dem Finanzportal „Gegen Hartz“ nur 1,7 Prozent.

Darüber berichtete erst kürzlich das rumänische Nachrichtenportal „Observator“. Aber warum? In dem Beitrag kommt eine Rentnerin zu Wort und erklärt ihre Sicht auf die Dinge. Olimpia Cojocaru ist 77 Jahre alt – und bereits seit ihrem 50. Lebensjahr im Ruhestand. Für viele Menschen in Deutschland kaum vorstellbar! Sie war früher Laborantin in der Textilindustrie – und hatte schon nach etwas mehr als drei Jahrzehnten Arbeit das Gefühl, dass sie jetzt lieber freie Zeit hätte.

In Rumänien erfüllen sich viele Menschen den Wunsch vom frühen Ruhestand. Nirgendwo in Europa ist die Erwerbszeit laut Statistiken so kurz wie hier.
In Rumänien erfüllen sich viele Menschen den Wunsch vom frühen Ruhestand. Nirgendwo in Europa ist die Erwerbszeit laut Statistiken so kurz wie hier.Westend61/imago

„Ich konnte es kaum erwarten, in Rente zu gehen“, sagte sie dem Nachrichtenportal. „Sie wissen ja, wie das ist – man freut sich darauf. Ich habe 31 Jahre gearbeitet, das war genug.“ Allerdings geht sie den Ruhestand auch ruhig an. Sie sei in ihrem Leben viel unterwegs gewesen, zum Beispiel in den Bergen – und habe nicht nur zu Hause gesessen. Heute geht sie in den Park, trinkt einen Kaffee, macht einen Spaziergang. „Und gehe dann nach Hause, um mich auszuruhen.“

Rentner gehen in Rumänien früher in den Ruhestand

So wie ihr geht es vielen Rentnern in Rumänien. Von fünf Millionen Menschen im Ruhestand arbeiten die meisten seit ihrem Eintritt ins Rentenalter nicht mehr. Und das ist nicht das einzige Erstaunliche an der Statistik: Mehr als eine Million Rentnerinnen und Rentner ist jünger als 65 Jahre. Das zeigt auch eine andere Statistik: Im EU-Durchschnitt liegt die durchschnittliche Arbeitszeit der Menschen laut „Gegen Hartz“ bei 37,5 Jahren, in Deutschland bei 40,2 Jahren. Für rumänische Männer errechnete Eurostat 36 Jahre, für Frauen lediglich 29,1 Jahre. Das ist der niedrigste Wert in Europa.

Viele Menschen haben auch in Deutschland mit einer kleinen Rente zu kämpfen. Die Finanzen sind auch in Rumänien ein Grund, im Ruhestand noch zu arbeiten.
Viele Menschen haben auch in Deutschland mit einer kleinen Rente zu kämpfen. Die Finanzen sind auch in Rumänien ein Grund, im Ruhestand noch zu arbeiten.imago stock&people

Ein Soziologe erklärt, das hänge auch mit der Gesundheit der Menschen zusammen. „Wir sehen, dass die gesunde Lebenserwartung nach dem Renteneintritt in Rumänien niedriger ist als im übrigen EU-Raum“, sagte er dem Nachrichtenportal. Viele Arbeitnehmer hätten ganz einfach nicht mehr die Kraft, um ihre Arbeit weiter fortzusetzen.

So funktioniert die Rente in Rumänien

Das reguläre Renteneintrittsalter liegt derzeit bei 65 Jahren für Männer und 63 Jahren für Frauen. Für eine volle Altersrente sind in der Regel 35 Beitragsjahre erforderlich, während die Mindestversicherungszeit 15 Jahre beträgt. Unter bestimmten Bedingungen, etwa bei besonders belastenden Berufen, sind Ausnahmen möglich.

Ein durchschnittlicher Rentner in Rumänien erhielt 2025 laut der staatlichen Rentenkasse rund 2759 Lei im Monat, das entspricht je nach Wechselkurs etwa 550 Euro. Altersrentner bekamen im Schnitt sogar rund 3080 Lei (etwa 620 Euro). Zusätzlich zur staatlichen Rente können Rentnerinnen und Rentner aber auch in Rumänien privat vorsorgen – als wichtige Ergänzung für die Altersvorsorge.

Ob das zum Leben reicht, hängt stark vom Wohnort ab. In Bukarest oder anderen Großstädten ist die Rente oft knapp. Mieten, Energie und Lebensmittel haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verteuert. Auf dem Land oder in kleineren Städten können viele Rentner mit einer durchschnittlichen Rente noch relativ bescheiden leben, vor allem wenn sie eine eigene Wohnung oder ein eigenes Haus besitzen.

Rentner arbeiten in Rumänien meist aus Geldnot

Allerdings gibt es trotzdem auch noch Rentnerinnen und Rentner, die im Ruhestand weiter arbeiten – eben, um sich noch etwas Geld dazuzuverdienen. „Zum einen, um mein Einkommen aufzubessern, zum anderen, weil ich es konnte. Zu Hause wurde mir langweilig, und der abrupte Ausstieg aus dem Berufsleben fiel mir schwer“, erklärt ein Rentner dem Portal seine Gründe.

Europaweit sei eher der Wunsch nach Beschäftigung der Hauptgrund. Bei den rumänischen Rentnern arbeiten rund 55 Prozent nur weiter, weil sie mit ihrer Rente nicht auskommen. Wenn sie es sich aussuchen könnten, würden sie also im Ruhestand auf ihre Tätigkeit verzichten.