Beim „Jugendwort des Jahres“ sorgt schon zu Beginn der Einreichungsphase für 2026 ein ungewöhnlicher Vorschlag für Aufsehen. Wie der Verlag Pons Langenscheidt bestätigte, sind mehrere Varianten des Begriffs „Mehrzweckeier“ eingereicht worden. Was Bundeskanzler Friedrich Merz damit zu tun hat – und wieso viele Jugendliche sich öffentlich gegen ihn stellen.
„Jugendwort des Jahres“ auf Kosten von Friedrich Merz?
Hinter dem Begriff steckt offenbar eine Abwandlung eines politischen Protestspruchs. „Mehrzweckeier“ soll sich aus der viralen Redewendung „Merz leck Eier“ entwickelt haben. Dieser provokante Slogan tauchte in den vergangenen Monaten immer wieder bei Demonstrationen junger Menschen auf, insbesondere im Zusammenhang mit Protesten gegen eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht.

Der Spruch tauchte erstmals in Berlin auf: Anfang März trug ein 18-Jähriger bei einer Schüler-Demo ein Plakat mit der Aufschrift „Merz leck Eier“. Die Polizei leitete daraufhin Ermittlungen wegen des Verdachts der Verleumdung von Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz ein. In der Folge waren ähnliche Plakate immer wieder bei Protestzügen zu sehen.
Beobachter vermuten, dass der Slogan auch auf die Bundeswehr-Musterung anspielt, bei der man körperlich untersucht wird.
Hat „Mehrzweckeier“ eine echte Chance im Voting?
Ob „Mehrzweckeier“ tatsächlich eine Chance beim Jugendwort des Jahres hat, ist offen. Der Verlag macht klare Vorgaben. „Mit dem ‚Jugendwort des Jahres‘ suchen wir Begriffe, die fest zum Wortschatz junger Menschen gehören und dementsprechend im Alltag ganz selbstverständlich genutzt werden. Dabei kommunizieren wir jedes Jahr auch die Ausschlusskriterien transparent und offen“, erklärte Artur Reiser von Pons Langenscheidt gegenüber der Berliner Morgenpost.

Nicht zugelassen werden laut Verlag „offensichtliche Fakes und von einzelnen Gruppen oder Influencerinnen und Influencern initiierte Kampagnen, außerdem Begriffe mit beleidigendem, rassistischem, diskriminierendem oder sexistischem Charakter“. Da die Einreichungsphase erst gestartet ist und noch bis zum 17. Juli läuft, will der Verlag die Entwicklung zunächst beobachten. „Erst dann entscheiden wir über das weitere Vorgehen und veröffentlichen am 28. Juli die Top 10“, so Reiser.
Jugendwort des Jahres: Online-Voting läuft bereits
Seit vergangenem Freitag können Vorschläge online unter www.jugendwort.de eingereicht werden. Mitmachen darf grundsätzlich jeder. Entscheidend für die offizielle Wertung sind jedoch ausschließlich die Stimmen von Jugendlichen. Laut Langenscheidt stammen die meisten Teilnehmer aus der Altersgruppe zwischen elf und 20 Jahren.

Im vergangenen Jahr setzte sich der Ausdruck „Das crazy“ durch. Die Jury beschrieb ihn als „Allzweckwaffe der Sprachlosigkeit“ – eine moderne Alternative zu einem einfachen „Okay“. Verwendet wird der Begriff vor allem dann, wenn keine bessere Antwort einfällt, keine Lust auf längere Reaktionen besteht oder man schlicht höflich bleiben will.
„Boomerwort des Jahres“
Das „Boomerwort des Jahres“ gibt es übrigens auch. Dabei handelt es sich um eine Social-Media-Aktion des Berliner Creators Levi Penell, bei der die Generation Z typische, altmodisch klingende Begriffe älterer Jahrgänge bewertet.

Während sonst das „Jugendwort des Jahres“ im Fokus steht, dreht Penell das Prinzip einfach um: Jetzt entscheidet die junge Generation, welche Wörter besonders nach „Boomersprache“ klingen. Die Aktion wurde 2024 gestartet und trifft seitdem einen Nerv im Netz: Tausende Nutzer schlagen auf TikTok und Instagram Begriffe vor, die sie als veraltet oder skurril empfinden.
Aktuell läuft wieder ein Voting mit einer Vorauswahl an besonders auffälligen Kandidaten. Zur Auswahl stehen für 2026 unter anderem Begriffe wie „Drückeberger“, „Reklame“ statt Werbung, „Sonnabend“ statt Samstag oder humorvolle Verfremdungen wie „Chat Tschibidi“ statt ChatGPT und „Hope (der Wal)“.



