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Ex-Verlobter packt nach Bundesliga-Antrag des schwulen Schiris aus

Er wirft ihm Betrug, Diebstahl und zahlreiche Verlobungen vor – und erzählt erstmals seine Version der Geschichte.

Author - Tobias Esters
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Pascal Kaiser bei einem früheren Einsatz als Schiedsrichter.
Pascal Kaiser bei einem früheren Einsatz als Schiedsrichter.Screenshot: ref_pascal98/Instagram

Es war ein Moment, der Fußball-Deutschland rührte. Beim Heimspiel des 1. FC Köln gegen den VfL Wolfsburg kniete Amateur-Schiri Pascal Kaiser vor mehr als 50.000 Zuschauern und machte seinem Partner einen Heiratsantrag. Die Bilder gingen viral. Doch inzwischen bekommt der emotionale Moment eine ganz andere Bedeutung. Der Berliner KURIER hat mit einem seiner Ex-Verlobten gesprochen – und der zeichnet ein völlig anderes Bild des Mannes hinter dem großen Auftritt.

Nach dem Antrag kommen die Vorwürfe ans Licht

Kurz nach dem Auftritt wurden schwere Vorwürfe gegen Kaiser bekannt. Die Kölner Beerpongbar wirft ihm vor, als ehemaliger Mitarbeiter Geld, Wechselgeld und einen Laptop mitgenommen zu haben. Zudem meldeten sich weitere mutmaßlich Geschädigte, die von ähnlichen Erfahrungen berichten – von Schulden, verschwundenen Wertgegenständen und plötzlichem Kontaktabbruch.

Der Berliner KURIER hat mit einem Ex-Verlobten von Kaiser gesprochen. Er möchte anonym bleiben und wird in diesem Artikel nur als R. bezeichnet. Seine Aussagen zeichnen ein sehr konkretes Bild des Mannes, der sich im Stadion als romantischer Held präsentierte.

„Er war früher sehr charmant. Er wusste genau, wie man mit Menschen umgehen muss, was sie hören möchten“, sagt R. über seine Zeit mit Kaiser. Nach außen sei er freundlich, hilfsbereit und lebensfroh gewesen. „Sehr zuvorkommend, immer fröhlich im Leben.“ Genau das habe ihn damals überzeugt.

Amateur-Schiedsrichter Pascal Kaiser macht seinem Partner beim Heimspiel des 1. FC Köln einen Heiratsantrag.
Amateur-Schiedsrichter Pascal Kaiser macht seinem Partner beim Heimspiel des 1. FC Köln einen Heiratsantrag.Steffie Wunderl/IMAGO

R. erzählt, dass Kaiser in einer schwierigen Lebensphase zu ihm kam. „Er hatte eine sehr schwere Zeit, und ich habe ihm durchgeholfen.“ Man habe gemeinsam geplant, den nächsten Schritt zu gehen, wenn sich alles stabilisiert habe. Auch ihr eigener Heiratsantrag sei etwas Besonderes gewesen – nicht öffentlich im Stadion, sondern im Krankenhaus.

Doch hinter der freundlichen Fassade habe es früh Warnzeichen gegeben. „Ich habe schon früher jemanden kennengelernt, der wegen ihm Probleme hatte – Handyvertrag gemacht, nicht bezahlt, Handy mitgenommen“, berichtet R. Immer wenn etwas nicht nach Kaisers Willen gelaufen sei, habe sich sein Verhalten verändert. „Dann war er wie ein anderer Mensch.“

Ex berichtet von eigenen Erlebnissen

Auch persönlich sei er betroffen gewesen: „Er hat mir ein Tablet geklaut, ein ganz neues von Apple, mit Apple Pencil und allem.“ Die Beziehung habe etwa ein bis eineinhalb Jahre gedauert, um 2020 und 2021 herum.

Dass nun so viele Vorwürfe öffentlich werden, überrascht ihn nicht. „Mich schockiert das gar nicht. Ich wusste ja schon viel. Und im Nachhinein haben sich viele Geschädigte gemeldet.“ Erst dadurch habe er gemerkt, wie viele Menschen betroffen seien.

Der öffentliche Antrag vor zehntausenden Menschen hat ihn kaum berührt. „Das war mir relativ egal. Überraschend war nur, dass er sich das in seiner Situation traut.“

Immer neue Verlobungen und gebrochene Versprechen

Laut R. war der Antrag im Stadion offenbar kein Einzelfall. „Er hatte bestimmt sechs oder sieben Verlobte.“ Einer dieser Ex-Verlobten ist heute sogar R.s neuer Partner. „Wir sind durch die ganze Sache wieder nähergekommen“, erzählt er.

Für R. zeigt das ein klares Muster. Pascal Kaiser verspreche immer wieder große Gefühle und große Auftritte und am Ende folge oft das Chaos. Über Jahre hinweg habe Kaiser immer wieder Menschen getäuscht, ausgenutzt und beklaut und sich trotzdem öffentlich als Opfer oder Vorbild inszeniert.

Was er sich jetzt wünscht? Vor allem ein Ende dieser Geschichte. „Es muss einfach aufhören. So viele Menschen haben darunter gelitten.“ Er glaubt nicht, dass Geschädigte ihr Geld zurückbekommen werden. „Wo nichts zu holen ist, da gibt es nichts zu holen.“ Trotzdem müsse es Konsequenzen geben. „So etwas darf nicht einfach durchgehen.“

Für R. ist klar, dass der gefeierte Antrag kein Märchen war, sondern Teil eines Musters. Hinter den emotionalen Bildern aus dem Stadion verbirgt sich offenbar eine lange Geschichte aus Lügen, Täuschung und enttäuschten Hoffnungen.