Es begann als Traumreise und endete als Albtraum. Als das Kreuzfahrtschiff „Hondius" Anfang April zu einer Atlantikreise aufbrach, ahnte niemand an Bord, was die nächsten Wochen bringen würden. Das gefährliche Hantavirus breitete sich unter den rund 150 Passagieren und Besatzungsmitgliedern aus. Drei Menschen starben, darunter eine Deutsche. Jetzt sind vier deutsche Passagiere zurück in Deutschland – unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen.
Drei Tote, acht Verdachtsfälle: So breitete sich das Virus aus
Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es mittlerweile sechs bestätigte Hantavirus-Infektionen und zwei Verdachtsfälle auf der „Hondius". Drei Menschen überlebten das Virus nicht: ein älteres Ehepaar aus den Niederlanden und eine deutsche Frau. Die WHO vermutet, dass sich der erste Todesfall, ein Niederländer, bereits vor der Einschiffung in Argentinien infiziert hatte. Der Mann bereiste gemeinsam mit seiner Frau seit Ende November Argentinien, Chile und Uruguay. An Bord übertrug sich das Virus dann von Mensch zu Mensch.
Am Sonntag lief die „Hondius" in den Hafen von Granadilla auf Teneriffa ein – begleitet von einem Schiff der Guardia Civil. Was dann folgte, glich einer militärischen Operation. Die Ausschiffung erfolgte in Gruppen von je fünf Personen, und erst dann, wenn das entsprechende Flugzeug auf dem Flughafen Teneriffa Sur startbereit war. In blaue Schutzanzüge gehüllt wurden die Passagiere mit kleinen Booten an Land und dann mit Bussen zum Flughafen gebracht.
WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus reiste eigens nach Teneriffa, um die Evakuierungsoperation zu beaufsichtigen. In einem offenen Brief an die Bewohner der Insel versuchte er, aufgeregte Gemüter zu beruhigen. Seine wichtigste Botschaft: „Dies ist kein neues Covid."

Noch während die Evakuierungen liefen, gab es erste schlechte Nachrichten. Frankreichs Premierminister Sébastien Lecornu meldete auf X, dass einer der fünf nach Frankreich ausgeflogenen Passagiere während des Fluges Krankheitssymptome entwickelt habe. Alle fünf wurden daraufhin direkt nach der Landung unter strenge Quarantäne gestellt und in einem Pariser Krankenhaus untersucht.
Die vier deutschen Passagiere landeten zunächst im niederländischen Eindhoven und wurden anschließend im Konvoi nach Frankfurt gebracht – organisiert von Einsatzkräften der Feuerwehren Essen und Frankfurt. Einer von ihnen soll laut Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit in die Charité gebracht werden. Die Person kommt aus der Region Berlin-Brandenburg und zeigt bisher keine Symptome. Eine weitere symptomfreie deutsche Kontaktperson soll in Baden-Württemberg in häusliche Quarantäne gehen.

Alle Evakuierten müssen aufgrund der langen Inkubationszeit des Virus 42 Tage unter Beobachtung bleiben. Die WHO stuft sie als „Hochrisikokontakte" ein.
Was das Andes-Virus so gefährlich macht
Das Besondere an diesem Ausbruch ist die Virusvariante. Es existiert weltweit nur ein einziger Hantavirus-Typ, der nachweislich von Mensch zu Mensch übertragen werden kann: das sogenannte Andes-Virus, das in Südamerika beheimatet ist. Genau dieser Stamm ist laut WHO für die Infektionen auf der „Hondius" verantwortlich.
Die Erkrankung beginnt meist mit plötzlich einsetzendem hohem Fieber, das über drei bis vier Tage anhält, begleitet von grippeähnlichen Symptomen wie Kopf-, Bauch- und Muskelschmerzen. In schweren Fällen drohen Lungenversagen oder Nierenprobleme.
Gegen das Hantavirus an sich gibt es kein spezielles Medikament – lediglich die Symptome lassen sich behandeln. Einen Impfstoff gibt es nicht.
Keine Panik: Warum das Risiko für alle anderen gering ist
Trotz der erschreckenden Zahlen an Bord betont die WHO unmissverständlich: Das Risiko für die Allgemeinbevölkerung sei gering. Das Virus verbreitet sich nicht so leicht wie etwa Corona. Für eine Ansteckung ist in der Regel ein enger, direkter Kontakt mit einer infizierten Person nötig.


