Der Prozess um den Mord an Fabian aus Güstrow – er nimmt kein Ende. Noch mehrere Verhandlungstage stehen an, dann ist eine mehrere Wochen lange Sommerpause geplant, bevor es im August weitergehen soll. Bei der letzten Verhandlung am Donnerstag sagten noch einmal Zeugen aus der unmittelbaren Nachbarschaft aus. Auch Fabians Mama Dorina war vor Gericht dabei. Was viele nicht wissen: Sie hatte an dem Tag Geburtstag – und verbrachte den Tag im Gericht. Im Kampf um Gerechtigkeit für ihren Sohn Fabian.
Unfassbar, was Fabians Mama Dorina L. ertragen muss
Es ist einfach unvorstellbar, was Dorina L. in dem Verfahren an jedem einzelnen Verhandlungstag ertragen muss. Ihr Sohn Fabian wurde brutal ermordet, mit sechs Messerstichen an einem Tümpel bei Klein Upahl getötet, seine Leiche anschließend mit Brandbeschleuniger angezündet.
Vor Gericht nun Gina H., die Ex-Freundin von Fabians Vater, seit der Zeit in U-Haft nun wieder seine Partnerin. Auf so vielen Ebenen sind der ganze Fall und das Verfahren einfach nur schrecklich – und eine Mutter, die all das erdulden möchte, muss sehr viel Kraft haben.
Am Donnerstag äußerten sich wieder mehrere Zeugen vor Gericht, sorgten mit teilweise überraschenden Aussagen für Wirbel. Etwa Katrin L., deren Grundstück direkt an das von Gina H. grenzt. Sie berichtete, Gina H. habe immer gern Feuer gemacht, mit ihrem Bekannten Olaf K. nach dem Fund von Fabians Leiche oft an der Feuerschale gesessen und zusammen gelacht. Eine andere Nachbarin, Sabine H., berichtet: Nach Fabians Tod und der Trauerfeier soll Gina H. sich über den „Aufriss“ beklagt haben – und gesagt haben: „So nett war Fabian gar nicht.“

Dorina L. sitzt trotzdem vor Gericht – und das, wie jetzt bekannt wurde, sogar an ihrem Geburtstag. Der Donnerstag war der Ehrentag von Fabians Mama, sie verbrachte ihn im Gericht.
„Ich habe sie dafür bewundert, wie tapfer sie das alles hier erträgt“, sagt ihre Anwältin Christine Habetha im Interview mit dem Youtube-Kanal „Jens fragt nach“. Und verrät die sehr emotionale Herangehensweise von Dorina L. „Sie sagt, sie hat jedes Jahr Geburtstag, ihr Sohn nie wieder – und sie ist es ihm schuldig.“
Laut Berichten soll Dorina L. nach der Verhandlung noch zum Friedhof gefahren sein, das Grab ihres Sohnes besucht haben. Sie soll dort Rosen abgelegt haben – neun Stück, weil Fabian in diesem Jahr neun Jahre alt geworden wäre. Freunde hätten ihr später ein Beisammensein im Garten organisiert, hieß es in einem Bericht der BILD.
Es bleibt zu hoffen, dass so eine kleine Feier zumindest etwas dabei geholfen hat, die Schrecken des Prozesses und des Mordes an ihrem Sohn für einen winzigen Augenblick zu vergessen.
Zeuge spricht im Fall Fabian von Bestechung
Zumindest ein Wunsch wurde Dorina L. vor Gericht erfüllt: Ihre Anwältin Christine Habetha äußerte sich zum Abschluss des Tages mit einer Stellungnahme. „Es gibt für die Prozessbeteiligten die Möglichkeit, eine Stellungnahme zu Zeugenaussagen zu geben“, sagte sie. „Ich mache davon ganz selten Gebrauch, weil das irgendwie ja doch immer ein vorgezogenes Plädoyer ist“, sagte sie auf Youtube. Doch hier habe sie mit ihrer Mandantin gesprochen. „Sie wünschte sich so sehr, dass ihre Freundin vor diesen Angriffen, denen sie ja beide ausgesetzt sind, geschützt wird.“

Hintergrund: In der Verhandlung hatte auch ein Zeuge ausgesagt und schwere Vorwürfe gegen Raffaela J. erhoben, eine enge Freundin von Dorina L. Der Mann schilderte, ihm seien 5000 Euro angeboten worden, wenn er gegen Gina H. aussagt. Er sollte behaupten, Gina H. gehe schlecht mit Tieren und Kindern um und sei psychisch nicht normal. „Das Ziel war, dass Gina verklagt wird und im Knast landet.“ In der Verhandlung fiel auch der Name von Raffaela J.
Anwältin weist Vorwürfe des Zeugen zurück
Anwältin Christine Habetha wies die Vorwürfe in ihrer Stellungnahme zurück. „Es ist geradezu absurd, 5000 Euro für eine Falschaussage bieten zu sollen für Dinge, die erwiesen sind.“ Gina H. trage ihre psychische Erkrankung wie ein Tablett vor sich her.
„Jeder, der es wissen möchte oder nicht wissen möchte, erfährt, dass sie psychisch krank ist.“ Von verschiedenen Zeugen habe man gehört, dass sie ihre Tiere misshandelte – und eine Zeugin habe sehr anschaulich geschildert, dass sie Probleme mit Kindern gehabt habe. Die Absurdität des Bestechungs-Vorwurfs müsse man sich nicht gefallen lassen. Raffaela J. werde sich deshalb rechtlich beraten lassen.



